01/2000


Kammerbilanz ë99 ist auch Ansporn für die Zukunft

C. Goesmann


Über die traditionellen Aufgaben des Vorstandes der Ärztekammer Niedersachsen hinaus hatten sich Geschäftsführung und Präsidium im vergangenen Jahr die Bereiche Arbeitslosigkeit im Gesundheitswesen, Umsetzung des Initiativprogrammes zur Förderung der Allgemeinmedizin und Koordination des Protestes gegen die Strukturgesetze als Arbeitsschwerpunkte gesetzt. Ein weiterer Schwerpunkt, die Zertifizierung ärztlicher Fortbildung, ist an anderen Stellen dieses Heftes Berichtsgegenstand.

Arbeitslosigkeit im Gesundheitswesen

Eines unserer Arbeitsziele war, die derzeitige Situation für Ärztinnen, Ärzte und Arzt-
helferinnen zu analysieren und ggf. Änderungskonzepte zu entwickeln. Im Bereich Arzthelferinnen scheint sich die Lage - trotz der weiterhin für viele Vertragsärzte bedrohlichen wirtschaftlichen Situation - sowohl bei ausgelernten Arzthelferinnen als auch bei Auszubildenden etwas zu entspannen. Zumindest sind die Arbeitslosenzahlen 1999 nicht weiter in die Höhe geschnellt und deutlich mehr Ausbildungsverträge als 1998 abgeschlossen worden. Zur Unterstützung der Arzthelferinnen hat die Ärztekammer Niedersachsen in fast allen Bezirksstellen umfangreiche Fortbildungskonzepte für Arzthelferinnen entwickelt, um deren "Marktchancen" erhöhen zu helfen. Darüber hinaus wird z.Zt. bei der Bundesärztekammer und in den Berufsbildungsausschüssen der Länder (so auch in Niedersachsen) an einer Modernisierung der schulischen und praktischen Ausbildung der Arzthelferinnen unter dem Arbeitstitel "Arzthelferin 2000" gearbeitet.

Zur Analyse der Arbeitslosigkeit unter niedersächsischen Ärztinnen und Ärzten hat die ÄKN 1999 eine Umfrage durchgeführt, deren Ergebnisse in diesem Heft ab Seite 14 vorgestellt werden. Die Konsequenzen daraus wird die nächste Kammerversammlung intensiv diskutieren müssen. Da der größte Teil der Arbeitslosen Kolleginnen sind, sollte sich auch der Ärztinnenausschuß im Rahmen seines diesjährigen Arbeitsprogramms vor allem mit diesem Thema befassen. Denkbar wäre z.B. die Erfassung und Vermittlung spezieller, den Interessen von Ärztinnen angepaßter Arbeitsplätze über die Vermittlungsstelle der Ärztekammer Niedersachsen. Da ein Großteil der kammerseitig befragten arbeitslosen Assistenzärzte und -ärztinnen den Wunsch nach allgemeinmedizinischer Weiterbildung äußerte, treffen sich hier auch die Bemühungen der Kammer um die arbeitslosen Kolleginnen und Kollegen mit denen der Weiterbildungsförderung in der Allgemeinmedizin:

Initiativprogramm zur Förderung der Allgemeinmedizin

Zum 1. Januar 1999 trat das Initiativprogramm zur Förderung der Allgemeinmedizin (I.P.AM) in Kraft, das die Umsetzung der fünfjährigen Weiterbildung in Allgemeinmedizin und die langfristige Verwirklichung eines Verhältnisses von 60 Prozent Hausärzten zu 40 Prozent Gebietsärzten im Vertragsarztbereich zum Ziel hat.
Präsidium und Geschäftsführung haben hierzu folgende Maßnahmen ergriffen:

• Information der Medizinstudenten sowie der entsprechenden Hochschulgremien für Lehre und Studium an MHH und Universität Göttingen über Perspektiven und Arbeitsmöglichkeiten im Fach Allgemeinmedizin;
• Verstärkte Zusammenarbeit mit den Lehrstühlen und den Lehrpraxen im Fach Allgemeinmedizin in Hannover und Göttingen;
• Weitere Verbesserung der 240 Stunden-Seminar-Weiterbildung in Allgemeinmedizin und deren Evaluation durch das ZQ, sowie persönliche Information der Kursteilnehmer zu Weiterbildungs- und berufspolitischen Fragen;
• Gründung des ÄKN-Arbeitskreises Allgemeinmedizin, mit seiner landespolitischen Analyse vorhandener und potentieller Weiterbildungsstellen für Allgemeinmedizin;
• Einführung der fünfjährigen Weiterbildung für Allgemeinmedizin in Niedersachsen zum 1. Mai 1999;
• Anschreiben der Bezirksstellen-Vorsitzenden an alle niedersächsischen Krankenhäuser mit der Bitte um Umwidmung von Weiterbildungsstellen zugunsten der Allgemeinmedizin;
• persönliche Besuche in Krankenhäusern zur Erörterung der Stellensituation und der Finanzierung durch das Programm;
• diverse schriftliche und persönliche Kontakte mit Sozialministerium, Krankenkassen und KVN zur Finanzierung des Initiativprogrammes im ambulanten und stationären Bereich.
• Einrichtung einer Weiterbildungs-Stellen-"Börse" für Allgemeinmedizin zum
1. Januar 1999 mit rückblickend sehr erfolg-
reicher Tätigkeit (schriftliche und telefonische Vermittlung und Beratung ein-
schließlich online-Dienste);
• energische Initiativen zur gerechten Bezahlung von Weiterbildungsassistenten im ambulanten Bereich.

Im neuen Jahr sollen die Bemühungen, vor allem zur Schaffung einer ausreichenden Zahl von stationären Weiterbildungsstellen, noch intensiviert werden. Da die fünfjährige Weiterbildung auch einen Abschnitt in Pädiatrie vorschreibt, werden demnächst nochmals alle niedersächsischen Chefärzte für Innere Medizin und Kinderheilkunde schriftlich gebeten, einen adäquaten Anteil ihrer Assistenzarztstellen für die Weiterbildung in Allgemeinmedizin umzuwidmen. Für den ambulanten Bereich ist die Fortführung von Qualifizierungsmaßnahmen und Stammtischen für Weiterbilder ebenso in Aussicht genommen wie eine Diskussion mit der KVN über die künftige Vergabe von Fördergeldern nach qualitativen Gesichtspunkten.

Gesundheitsstrukturgesetz

Gezwungenermaßen hat die Gesundheitsreform der ärztlichen Selbstverwaltung eine Menge zusätzlicher Arbeit beschert. Präsident und stellvertretende Präsidentin nahmen als Vertreter der niedersächsischen Ärzteschaft an ungezählten Podiumsdiskussionen und Veranstaltungen von und mit allen politischen Parteien, Krankenkassen, Hochschulen, Kirchen, Gewerkschaften und Patienten teil, um die kritische Auseinandersetzung der Ärzteschaft mit der Strukturreform sowie die wesentlichen Ablehnungsargumente zu vermitteln. Darüber hinaus rief der Präsident der ÄKN, Prof. Dr. med. Heyo Eckel, zur Gründung eines "Niedersächsischen Bündnisí Gesundheit 2000" auf, an dem zur Diskussion und zur Koordinierung der Proteste mittlerweile fast 30 Organisationen teilnehmen.

Diese intensive persönliche Öffentlichkeitsarbeit hat nach Auffassung der Kammer sehr stark zum Verständnis und zur Akzeptanz ärztlicher Probleme und Proteste beigetragen. Sowohl in den politischen Parteien als auch bei Patienten und Krankenkassenvertretern scheint es gelungen zu sein, das derzeitig propagierte Bild des Arztes als "raffgierigem Hauptschuldigen der Finanzmisere" im Gesundheitswesen positiv verändern zu können. Diskussionsbeiträge der Ärzteschaft zu rationalen und finanzierbaren Strukturveränderungen im Gesundheitswesen sind zur Zeit gefordert und erwünscht. In diesem Sinne wird der Vorstand der Ärztekammer Niedersachsen auch im Jahre 2000 die niedersächsische Ärzteschaft offensiv und konstruktiv in der gesundheitspolitischen Diskussion vertreten.
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Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am: 11.01.2000

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