01/2000


Ärztekammer präsentiert Umfrageergebnisse aus Niedersachsen

P. Dübbert, A. Pagel, W. Heine-Brüggerhoff


Die Erfassung ärztlicher Arbeitslosigkeit in Deutschland begann 1974. Es gab zu diesem Zeitpunkt insgesamt 403 arbeitslose Ärztinnen und Ärzte. Sie nahm danach stetig zu. Mit Einführung des AiP schnellte die Zahl 1988 auf 8 115 hoch, um nach einem leichten Abfall ab 1992 (7 135 Arbeitslose) 1997 mit 9 396 den bisherigen Höchststand zu erreichen. 1998 lag die Zahl bei 8 563; nach vorläufigen Angaben der ZAV bewegt sie sich 1999 knapp unter 8 000.
1990 übertraf die Anzahl arbeitsloser Ärztinnen mit 2 979 erstmals die arbeitsloser Ärzte (2 697) und lag auch in den Folgejahren immer deutlich darüber.

Wenngleich der Anteil arbeitsloser Ärzte mit Gebietsbezeichnung noch wesentlich unter dem der Ärzte ohne Gebietsbezeichnung liegt, so sind Ärztinnen in beiden Gruppen wiederum stärker betroffen.

Arbeitslose Ärztinnen und Ärzte in Niedersachsen

Legt man die Zahlen des Landesarbeitsamtes in Niedersachsen zugrunde, stellt sich die Situation folgendermaßen dar:
Auch bei uns in Niedersachsen überwiegt der Anteil arbeitsloser Ärztinnen (siehe Abb. 1).

Tabelle


Ärzte im Praktikum werden erst seit Herbst 1998 isoliert ausgewiesen. Deren geringer Anteil überrascht. Hierfür gibt es zwei Erklärungen:
Erst nach einem Jahr sozialversicherungspflichtiger Tätigkeit erwirbt man einen Anspruch auf Arbeitslosengeld. Ferner gibt es Hinweise, daß wegen des kostengünstigeren Effektes bevorzugt, d.h. zum Nachteil der Assistenzärzte, AiPs eingestellt werden.

Während der Anteil arbeitsloser niedersächsischer Ärzte im letzten Jahr nur geringfügig abgenommen hat, ist bei den niedersächsischen Ärztinnen weiterhin ein leichter Anstieg festzustellen.
Die Altersgruppe der Dreißig- bis unter Vierzigjährigen ist am häufigsten von Arbeitslosigkeit betroffen. Gründe hierfür sind fehlende "Anschlußweiterbildungsstellen", auch bedingt durch strukturelle Vorgaben unserer Weiterbildungsordnung. Daneben fällt in diesen Lebensabschnitt für viele Kolleginnen die Mutterschaft.

Problematisch wird die Situation für diejenigen, die länger als ein Jahr arbeitslos sind: Dies sind immerhin 201 Ärztinnen und Ärzte in Niedersachsen.

Wir haben im August 1999 eine Umfrage unter den insgesamt 1 046 bei unserer Kammer arbeitslos gemeldeten Ärzten und Ärztinnen durchgeführt. Von den 1 046 angeschriebenen schickten 505 den Fragebogen ausgefüllt zurück, das sind immerhin 48 Prozent.
An dieser Stelle sei all denen gedankt, die geantwortet haben. Darunter befinden sich einige, deren Schicksal ganz besondere Härten aufweist.

Teilnehmerstruktur

30 Prozent der Befragten sind ledig, mehr als doppelt so viele (65 Prozent) sind verheiratet. Von den verbleibenden 5 Prozent sind 4 Prozent geschieden und 1 Prozent verwitwet.
38 Prozent der Befragten gaben an, daß sie Kinder betreuen und deshalb auf eine berufliche Tätigkeit verzichten.
Der Anteil von Frauen, die den Fragebogen beantwortet haben, war mit 70 Prozent wesentlich höher als der Anteil der Ärzte mit 30 Prozent. Das Verhältnis unter den angeschriebenen Ärztinnen und Ärzten liegt bei 65 Prozent bzw. 35 Prozent. Das Durchschnittsalter beträgt 38 Jahre (38 w, 39 m).
10 Prozent sind im Besitz der Berufserlaubnis nach § 10 BÄO; 63 Prozent besitzen lediglich die Approbation und 27 Prozent eine Facharztqualifikation.

440 (87 Prozent) der Ärztinnen und Ärzte verfügen über Berufserfahrung. 6 Prozent verneinten die Frage und 7 Prozent machten dazu keine Angaben.

Im Krankenhaus haben 82 Prozent und in Arztpraxen 42 Prozent der Befragten Berufserfahrung gesammelt.

Folgende Fachgebiete wurden genannt:

- 19 % Innere Medizin
- 17 % Allgemeinmedizin
- 13 % Chirurgie
- 8 % Frauenheilkunde u. Geburtshilfe
- 8 % Kinderheilkunde
- 8 % Anästhesiologie

Die anderen Fachgebiete liegen unter 4 Prozent, 35 Prozent der Befragten machten keine Angaben zum Thema Berufserfahrung.

Berufliche Situation

370 Personen (78 Prozent) gaben an, am Stichtag 1. Juli und zum Zeitpunkt der Befragung ohne ärztliche Tätigkeit gewesen zu sein.
46 mal (12 Prozent) wurde angegeben, zum Stichtag nicht ärztlich tätig gewesen zu sein, zum Zeitpunkt der Befragung jedoch eine solche Tätigkeit auszuführen.

Die Dauer der Nichtausübung der ärztlichen Tätigkeit reicht von unter einem Monat bis zu 408 Monaten (34 Jahre).
Für 56 Prozent der Befragten liegt die Zeit ohne ärztliche Tätigkeit innerhalb eines Zeitraumes von bis zu 24 Monaten, 12 Monate wurde von 37 Prozent angegeben, 13 " 24 Monate nannten 19 Prozent, 25 " 36 Monate 12 Prozent, 37 " 48 Monate 5 Prozent und mehr als 48 Monate waren 27 Prozent der Befragten ohne ärztliche Tätigkeit.
Auf die Frage, ob die derzeitige Nichtausübung des ärztlichen Berufes wohl eher länger andauert, gab nur etwa die Hälfte der Befragten eine Antwort. Davon waren 51 Prozent der Meinung, es handele sich um einen Dauerzustand, nicht ärztlich tätig zu sein, und 49 Prozent schätzten die Situation eher als befristet ein.

90 Prozent derjenigen, die nach dem
1. Juli 1999 eine ärztliche Tätigkeit ausübten, stehen in einem befristeten Verhältnis, 10 Prozent (3) gehen von einer dauerhaften Lösung aus. Die genannten Stellen gliedern sich folgendermaßen:

47 Prozent haben eine Anstellung im Krankenhaus, 3 Prozent in der Praxis. 50 Prozent sind z.B. als Teilzeitkraft, Betriebs- oder Bundeswehrarzt, als Weiterbildungsassistentin oder selbständig im Rettungsdienst tätig.

Beim Arbeitsamt arbeitslos gemeldet

Am 1. Juli 1999 waren 205 Personen (42 Prozent) nach eigenen Angaben beim Landesarbeitsamt arbeitslos gemeldet, 58 Prozent der befragten Ärzte und 35 Prozent der befragten Ärztinnen.
Ärztinnen melden sich seltener arbeitslos als Ärzte. Von den arbeitslos gemeldeten Ärztinnen und Ärzten sind 45 Prozent bis 35 Jahre alt. 35 Prozent sind 36 bis 45 Jahre, 17 Prozent sind 46 " 55 Jahre und 3 Prozent sind über 55 Jahre alt.

Nichtärztliche Tätigkeit

Eine nichtärztliche Tätigkeit übten 13 Prozent (59) der Antwortenden aus, mit großer Mehrheit als Dozent (41 Prozent). Zweithäufigste Angabe war eine Tätigkeit im Büro, oft in der Praxis des Ehepartners. Weitere Tätigkeiten sind u.a. Studium und wissenschaftliche Tätigkeiten mit je 7 Prozent sowie Tätigkeiten im kaufmännischen Bereich, EDV, Pflege und Studentenjobs mit je 3 Prozent.

Bei den Gründen für die Nichtausübung des ärztlichen Berufes ergibt sich für die Gesamtheit der Antworten folgende Rangfolge:
17 Prozent haben zu dieser Frage keine Angaben gemacht. Bei den verbleibenden 83 Prozent verteilen sich die Gründe auf:

Tabelle




Für Ärztinnen ist die familiäre Situation der häufigste Grund für die Nichtausübung ihres ärztlichen Berufes, während bei den Ärzten in erster Linie der Ablauf eines befristeten Vertrages ihre Situation begründet.

Suchen Sie eine neue ärztliche Tätigkeit?

Auf die Frage, ob zur Zeit eine ärztliche Tätigkeit gesucht werde, antworteten 207 Personen (41 Prozent) mit ja. Von den arbeitslos gemeldeten sind 75 Prozent zur Zeit auf der Suche nach einer ärztlichen Tätigkeit.
Zu einem späteren Zeitpunkt suchen 48 Prozent der Befragten eine ärztliche Tätigkeit. Bei den beim Landesarbeitsamt als arbeitslos gemeldeten sind es 77 Prozent, die sich eine ärztliche Tätigkeit zu einem späteren Zeitpunkt wünschen.

Klassische ärztliche Tätigkeit

75 Prozent derjenigen, die sich dazu geäußert haben, wünschen sich eine Tätigkeit im klassischen ärztlichen Tätigkeitsfeld. 9 Prozent der Befragten machten keine Angaben. 92 Prozent der Arbeitslosen, die geantwortet haben, wünschen sich eine Anstellung im klassischen Bereich.
Bevorzugte Fachrichtung ist die Allgemeinmedizin (24 Prozent), gefolgt von innerer Medizin (13 Prozent), Kinderheilkunde (12 Prozent), Chirurgie (9 Prozent), Frauenheilkunde und Geburtshilfe (8 Prozent) sowie Anästhesiologie (6 Prozent), um die wichtigsten zu nennen.

Welche Positionen sind gefragt?

Mit großem Vorsprung kommt der Assistenzarzt zur Aufnahme oder Fortsetzung der Weiterbildung (51 Prozent) an erster Stelle. Es folgen fast gleichauf Assistenzarzt mit abgeschlossener Weiterbildung (11 Prozent), Praxisassistent (11 Prozent), Niedergelassener Arzt (10 Prozent) und AIP mit 10 Prozent. Eine Anstellung als Oberarzt wünschten sich 4 Prozent und je 1 Prozent würden gern als leitender Arzt oder Arzt ohne Weiterbildungsmöglichkeit arbeiten.

Betrachtet man die Angaben der Ärztinnen und Ärzte, die nur eine Position angekreuzt haben, ergibt sich folgende Rangfolge:

1. Assistenzarzt zur Aufnahme oder Fortsetzung der Weiterbildung (50 %)
2. Praxisassistent (15%)
3. AIP (13 %)
4. niedergelassener Arzt (11 %)
5. Assistenzarzt mit abgeschlossener Weiterbildung (4 %)
6. Oberarzt (3 %)
7. leitender Arzt (1 %)

Die oben genannte Gruppe zeigt mit Blick auf die Geschlechter, daß es mehr Ärzte (56 Prozent) als Ärztinnen (30 Prozent) sind, die eine AIP-Stelle suchen. Auch die Stellen Oberarzt, leitender Arzt und Arzt ohne Weiterbildungsmöglichkeit werden hauptsächlich von Ärzten bevorzugt. Ärztinnen sind dagegen vermehrt im Bereich Praxisassistent und niedergelassener Arzt zu finden.
Erfahrungsgemäß finden sich 93 Prozent derer, die sich eine AIP-Stelle wünschen, in der Gruppe der bis 35jährigen.
Der Wunsch, eine Stelle als Assistenzarzt zur Aufnahme oder Fortsetzung der Weiterbildung zu finden, wurde in den Altersgruppen bis 35 mit 54 Prozent, 36 - 45 mit 35 Prozent und 46 bis 55 mit 11 Prozent geäußert.
Es fällt auf, daß eine Anstellung als Praxisassistent von den Gruppen 36 bis 45 mit 46 Prozent und 46 bis 55 mit 23 Prozent überdurchschnittlich häufig angegeben wurde.

Alternatives Berufsfeld

167 (37 Prozent) der Antwortenden bekundeten Interesse an einer Tätigkeit in einem alternativen Berufsfeld, 280 (63 Prozent) lehnten dies ab. 114 Ärzte haben Interesse an alternativem und klassischem Berufsfeld. 49 haben ausschließlich an einer alternativen Tätigkeit Interesse und 210 sind nur am klassischen Bereich interessiert.

Die Rangfolge:

Gesundheitserziehung 142
Sozial- und Präventivmedizin 72
Öffentlicher Gesundheitsdienst 70
Gesundheitsmanagement 46
Medizinjournalismus 35
Reisemedizin 28
Pharmazeutische Industrie 26
Qualitätsmanagement 24
Umweltmedizin 23
Medizinische Informatik 14
Telemedizin 10
Medizintechnik 7
Biotechnologie 7
Sonstiges 22
u.a. Dozent, Homöopathie und
fachfremdes Studium.

Bedingungen an die neue Arbeitsstelle

Unter denen, die Angaben zur Arbeitszeit gemacht haben waren 42 Prozent, die Vollzeit gewählt und 46 Prozent, die sich für Teilzeit entschieden haben. Immerhin 12 Prozent konnten sich eine Beschäftigung in Voll- und Teilzeit vorstellen.

Während die Ärzte zu drei Viertel auf einer Vollzeitstelle bestehen (Teilzeit 8 Prozent und beides 17 Prozent), bevorzugen die Ärztinnen zu 61 Prozent die Teilzeitbeschäftigung (Vollzeit 29 Prozent und beides 10 Prozent). Die bis 35-jährigen favorisieren die Vollzeitbeschäftigung (47 Prozent), haben aber auch zu 41 Prozent Interesse an Teilzeit. Bei den 36 bis 45-jährigen ist die Teilzeitarbeit mit 54 Prozent die häufigste Wahl (Vollzeit 34 Prozent). Die 46 bis 55-jährigen haben identische Zahlen bei Voll und Teilzeit (43 %). Für 56 Prozent der über 55-jährigen kommt die Teilzeit in Frage.

Ortsgebunden sind 53 Prozent, wobei die Angabe "Region" hier eine nicht unwesentliche Rolle spielt. Deutlich ist auch hier zu sagen, daß Ärztinnen sich bei der Wahl des Ortes mehr gebunden fühlen als Ärzte.

188 mal wurde angegeben, eine Anstellung im Krankenhaus zu suchen (54 Prozent davon sind bis 35 Jahre alt). Auch möchten mehr Ärzte als Ärztinnen im Krankenhaus arbeiten. Bei einer Beschäf-
tigung in der Praxis ist das Verhältnis dage-
gen wieder ausgeglichen.

Weiterbildungsermächtigung in vollem Umfang wünschen sich 46 Prozent der Ärzte. Teil-Ermächtigung zur Weiterbildung erwarten 30 Prozent und 30 Prozent haben beides angekreuzt. Bei den Ärztinnen liegen die Werte ähnlich (43 Prozent für die Voll-Ermächtigung zur Weiterbildung), wobei sich Teil-Ermächtigung und die Angabe beider Möglichkeiten mit 29 Prozent und 28 Prozent die Waage halten.

Zusatzqualifikation

332 (74 Prozent) Personen erklären ihre Bereitschaft, Zusatzqualifikationen zu erwerben.
Mit zunehmendem Alter nimmt die grundsätzliche Bereitschaft ab, Zusatzqualifikationen zu erwerben. Sind unter den bis 35-jährigen noch 80 Prozent bereit, sich weiter zu qualifizieren, so sind es bei den über 55-jährigen nur noch 25 Prozent.
Unter den beim Landesarbeitsamt arbeitslos gemeldeten ist die Zahl derer, die sich weiterqualifizieren wollen, mit 77 Prozent etwa 5 Prozent höher als im Gesamtdurchschnitt der Antworten.

Bevorzugte Bereiche sind Public Health mit 102 Nennungen und Qualitätsmanagement mit 101. Es folgen sonstige Nennungen mit 98 Medizinjournalismus mit 62 medizinische Informatik mit 41 und Medizintechnik mit 27 Nennungen.

Sonstige Nennungen waren unter anderem Fachbezogene Weiterbildung, Naturheilkunde/Homöopathie, Akupunktur, Chiropraktik, alternative Medizin, Rettungsmedizin oder Studium.

135 (30 Prozent von allen) Personen (38 Prozent der Ärzte und 26 Prozent der Ärztinnen) gaben an, daß sie bereits Zusatzqualifikationen erworben haben.
Häufig genannt wurden hier Rettungsmedizin, Naturheilverfahren, Akupunktur, Psychotherapie, Arbeitsmedizin, Hochschulstudium und Public Health Studium.

Ärztinnen sind stärker an Serviceangeboten interessiert als Ärzte. Nur an Infoveranstaltungen haben die Ärzte ein etwas größeres Interesse. Deutlich mehr Ärztinnen wünschen sich eine Telefonsprechstunde.

Publikationen und Infomaterial favorisieren nicht arbeitslos gemeldete Personen häufiger als arbeitslos gemeldete. Umgekehrt ist das Verhältnis bei Telefonsprechstunde und Infoveranstaltungen.
Alle Inhalte © Hannoversche Ärzte-Verlags-Union 1998-1999.
Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am: 13.01.2000

Design by Tim Schmitz-Reinthal, webmaster@haeverlag.de.