In Heft 2/99 des niedersächsischen ärzteblattes führte die Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN) mit Unterstützung der Gesellschaft für Herzkreislauferkrankungen (Prof. Dr. Peter Kleine, Dr. Dietrich Storp), dem Institut für Medizinische Informatik der Universität Göttingen (Prof. Dr. Otto Rienhoff) und dem Zentrum für Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen der Ärztekammer Niedersachsen (Paul Wenzlaff) eine Umfrage zum Fortbildungsverhalten und zu Fortbildungswünschen der Kolleginnen und Kollegen durch, um die Fortbildung nachhaltig an den Bedürfnissen der niedersächsischen Ärzte ausrichten zu können. Ferner wollte man Daten zum Fortbildungsverhalten und der Motivation hierzu sowie eine Beurteilung von Fortbildungsmodalitäten erhalten.
Der nachfolgende Beitrag liefert erste Übersichtsergebnisse dieser Umfrage. Weitere umfassendere und detaillierte Analysen werden in einer nachfolgenden Veröffentlichung präsentiert.
Grundlage der Umfrage war ein mit der Februarausgabe des niedersächsischen
ärzteblattes versandter Fragebogen
(anonymisiert) mit einer Gesamtauflage von 30 000 Exemplaren, von denen
2 030 "Rückläufer" (ca. 7 Prozent) bei der Ärztekammer Niedersachsen eingingen.
Der Fragebogen ermöglicht u.a. Aussagen zu folgenden Aspekten:
Dem Interesse an neuen Medien, arztgruppenbezogen bevorzugte Fortbildungsmodalitäten, der Bewertung der verschiedenen Fortbildungsveranstaltungen, der Charakterisierung des erwarteten/gewonnenen Nutzens, des aufwendbaren bzw. als nötig erachteten Fortbildungsanteils an der gesamten ärztlichen Arbeitszeit und die persönliche Einstellung zu einem "Fortbildungs-Call-Center".
Wer hat sich an der Umfrage beteiligt?
Am intensivsten beteiligten sich die Mitglieder der Bezirksstelle Göttingen mit 481 Rückmeldungen, gefolgt von Braunschweig (347) und Oldenburg (274). Die insgesamt geringe Antwortrate ist dementsprechend zur Entwicklung einer breiten Meinungsbildung nur eingeschränkt geeignet.
An der Umfrage beteiligten sich 560 (28 Prozent) Ärztinnen und 1 470 (72 Prozent) Ärzte. In 86 Prozent lag das Alter der Antwortenden zwischen dem 31. und dem 60. Lebensjahr. 345 (17 Prozent) Nichtfachärzte (in Weiterbildung und AiP), 365 (18 Prozent) Fachärzte aus Kliniken und 1 320 (65 Prozent) Fachärzte aus Praxen sandten den Fragebogen zurück. Deren Altersverteilung, den Status sowie ihre Berufsausübung gibt Abbildung 1 wider.
Schlüsselt man diese Daten weiter auf, so ergibt sich folgendes Bild:
32 Prozent sind beruflich auf dem Land tätig, 68 Prozent in den niedersächsischen Städten. Folgende Facharztgruppen antworteten besonders häufig: Allgemeinärzte zu 30 Prozent, Internisten zu 13 Prozent, Gynäkologen zu 7 Prozent und Vertreter der Psychiatrie/Psychotherapie zu 25 Prozent. Unter den Fachärzten in der Klinik stehen mit 40 Prozent Beteiligung die Vertreter der Psychiatrie/Psychotherapie an der Spitze, gefolgt von Internisten (30 Prozent) den Chirurgen (9 Prozent) und den Pädiatern mit 7 Prozent. *)
Welche Fortbildungsangebote wurden in Anspruch genommen?
Von den neun aufgelisteten (Standardvorgabe) Fortbildungsanbietern: Ärztekammer (mit Akademie und ZQ, Bezirksstellen und Ärztevereinen), Klinikveranstaltungen, (Pharma-) Industrie, Berufsverbände, Pharmareferenten, wissenschaftlich-medizinischen Fachgesellschaften, Qualitätszirkel, Kassenärztliche Vereinigung und Hannoversche Ärzte-Verlags-Union nimmt die Mehrzahl vier bis sechs Angebote an. Die "Hitliste" der Inanspruchnahme von Fortbildungsanbietern ergibt folgendes Bild:
Die Angebote der ÄKN, die die größte Palette an Fortbildungsveranstaltungen überhaupt anbietet, stehen mit 83 Prozent mit weitem Abstand an erster Stelle bei den Kolleginnen und Kollegen, die als Facharzt in Praxen niedergelassen sind sowie bei den Ärzten in Weiterbildung und AiP (80 Prozent). Für "Kliniker" hingegen stehen (erwartungsgemäß) zu 87 Prozent Klinikveranstaltungen an erster Stelle.
An zweiter Stelle folgt sowohl für die Niedergelassenen als auch die Ärzte in Weiterbildung und AiP die Wahrnehmung der Angebote der Pharmaindustrie, für Kliniker dagegen erst im unteren Drittel ihrer Rangliste. Für Letztere haben die Fortbildungsangebote der medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften einen sehr hohen Stellenwert (an zweiter Stelle).
Qualitätszirkel spielen für Ärzte in Weiterbildung und AiP fast keine Rolle. Die Fortbildungsveranstaltungen der KV nehmen, selbst unter den niedergelassenen Ärzten, mit knapp 44 Prozent nur den vorletzten Rang ein.
Informationen durch Pharmareferenten nehmen ca. 50 Prozent aller Antwortenden als Fortbildungsangebot wahr, was einen Mittelplatz in der Rangfolge bedeutet.).
Auch die Nicht-Inanspruchnahme (als "nie" definiert) von Fortbildungsangeboten zeigt einige auffällige Unterschiede und liefert weitere Informationen:
65 Prozent der Ärzte in Weiterbildung und AiP besuchen keine Veranstaltung der Berufsverbände. Gründe hierfür könnten in fehlender Mitgliedschaft und des damit verbundenen geringeren Informationsflusses liegen. 64 Prozent von diesen besuchen aber auch keine Ärztevereinsfortbildungen; 60 Prozent der Kliniker ebenfalls nicht. Sie werden als typische Veranstaltungen der niedergelassenen Ärzteschaft betrachtet.
Ärzte in Weiterbildung und AiP besuchen zu 86 Prozent nie Qualitätszirkel, nur 30 Prozent der niedergelassenen Ärzte besuchen Qualitätszirkel mehr als dreimal pro Jahr.
Wie wurden die Fortbildungsangebote bewertet?
Der Bewertung der Fortbildungsanbieter lag die Skala 1 bis 6 (sehr gut bis ungenügend) zugrunde. Die Spitzenposition nehmen in allen drei Gruppen die medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften ein, auf Platz 2 folgen die Berufsverbände. Unterschiede ergaben sich in der Bewertung für Qualitätszirkel (Rang 3 für Praxis-
inhaber, Rang 4 für Kliniker). Klinikveranstaltungen bewerten hingegen Kliniker und Ärzte in Weiterbildung und AiP (Platz 3) besser als Niedergelassene (Rang 4).
Die Angebote der ÄKN werden, unabhängig vom Anbieter (Akademie, Bezirksstelle oder Ärztevereine) zu ca. 50 Prozent positiv bewertet, gefolgt von (Pharma-)Industrie und Veranstaltungen der KV (mit schlechterer Bewertung durch Klinik-
ärzte). Auf dem letzten Platz, weit abgeschlagen, finden sich die Bewertungen der Fortbildungsanbieter "Pharmareferenten", obwohl diese (siehe oben) relativ häufig in Anspruch genommen werden. In der Bewertung der Fortbildungsanbieter bestehen auffälligerweise kaum Unterschiede zwischen den verschiedenen Altersgruppen sowie in den Regionen Stadt oder Land.
Schon diese ersten Umfrageergebnisse, die wie schon erwähnt in einem weiteren Beitrag in der kommenden nä-Ausgabe ergänzt werden sollen, sind zweifelsohne eine bedenkenswerte Basis für künftige Fort- und Weiterbildungsaktivitäten der ÄKN. Dies gilt auch für die zertifizierte Fortbildung, über die an anderer Stelle des Heftes ausführlich berichtet wird.
*) Weitere Auswertungsergebnisse folgen in einem späteren Heft.
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