aktualisiert am: 08.01.2003
niedersaechsisches aerzteblatt
 

01/2003


Diagaid - Diagnostische Hilfe für Entwicklungsländer via Telepathologie


Die Übertragungstechnik digitalisierter mikroskopischer Bilder via kommerzieller Datennetze eröffnet dem Pathologen die Möglichkeit, zügig und weltweit eine zweite Expertenmeinung einzuholen. Dafür benötigt er lediglich eine Kamera auf seinem Mikroskop, ein Bildbearbeitungsprogramm und einen PC mit Internetzugang. In Industrieländern mit hohem Ausbildungsstandard der Pathologen, einem dichtem Netz von Laboratorien und schnellen Versandwegen wird diese Technik bisher nur in wenigen Fällen genutzt (Weinstein 2001).

In den Ländern der 3. Welt besteht jedoch ein Mangel an Pathologen und Laboratorien. Histologie- und Cytologiepräparate sind nur mit erheblicher Verzögerung zu versenden; Expertenmeinungen sind mit großem Zeitverzug und hohen Kosten zu erhalten. Deshalb ermöglicht die Technik der Telepathologie den Kollegen aus der 3. Welt an Expertenrunden teilzunehmen und rasch eine Zweitmeinung einzuholen.

DIAGAID, eine Gruppe Deutsch-Thailändischer Pathologen, bemüht sich, diese Technik in den Entwicklungsländern Südostasiens für Kollegen nutzbar zu machen. Durch persönliche Empfehlungen entwickelte sich eine Zusammenarbeit mit dem Sihanouk Hospital Center of Hope in Phnom Penh und ein Zugang zum I-Path-Projekt (Basel). Gleichzeitig wurde eine Task Force Group for Telepathology in Developing Countries aufgebaut. Das Sihanouk Hospital ist ein von einer amerikanischen NGO (Non-Governmental Organisation) gemanagtes Lehrkrankenhaus, das monatlich 5 500 Patienten aus den Slums von Phnom Penh kostenlos versorgt. Dabei fallen pro Monat 50 histologische und cytologische Untersuchungen an.

Das im November 2001 beschlossene Projekt führte im Juli 2002 zum Aufbau eines durch Spendenmittel aus Deutschland zusammengestellten Labors am Krankenhaus und zu einer von der Olympus Optical Co GmbH gesponserten Telepathologiestation. Den Aufbau leistete der Autor zusammen mit einheimischen Kollegen.
Kurz zuvor wurde der Kambodschaner Dr. Vathana am Institut für Pathologie in Aurich in die Telepathologietechnik eingearbeitet.

Bisher wurden 49 histologische, cytologische und dermatologische Fälle mit Röntgenbildern per E-Mail einer Expertenrunde vorgestellt. Innerhalb von 24 Stunden erhielten die kambodianischen Kollegen eine zweite Meinung. Die Auswertung der ersten Ergebnisse zeigt dabei: Kollegen aus der 3. Welt können durch die neue Technik mit therapierelevanten Diagnosen unterstützt werden. Aufgrund limitierter Daten und Informationsmenge ist die Diagnostik zwar eingeschränkt, doch sind Aussagen zur Dignität eines Tumors und zur Spezifität einer Erkrankung mit hoher Sicherheit zu machen. Eine weitergehende Diagnostik ist eingeschränkt möglich, jedoch bei begrenzten therapeutischen Möglichkeiten nicht zwingend erforderlich. Bildauswahlfehler, die zur diagnostischen Fehleinschätzung führen können, sind nach einem erfolgreichen Basistraining der Kollegen sehr gering. Experten können die Lehrfälle übersenden und die Ausbildung einheimischer Ärzte unterstützen und somit eine Hilfe zur Selbsthilfe leisten.

Telecytologiekonsultation von Ausstrich-, Punktions- und Abtupfpräparaten führt zumeist zu therapierelevanten Diagnosen und ist selbst unter schwierigen Bedingungen in den Entwicklungsländern mit einfachen Mitteln durchzuführen. Somit stellt speziell diese Technik eine wertvolle diagnostische Hilfe (z.B. bei Katastropheneinsätzen) mit mobilen Medizineinheiten dar.
Mit einem einfachen Mikroskop, einer Chip-Kamera und simpler Hard- und Software mit Internetzugang sind Telepathologiesysteme für etwa 10 000 bis 15 000 Euro zu realisieren und somit der schwierigen ökonomischen Situation der Länder der 3. Welt bzw. NGOs mit eingeschränktem Budget angepaßt. Die Expertenkonsultationen sind bisher kostenlos, die laufenden Kosten sind zu vernachlässigen.

DIAGAID hat im Herbst 2002 der medizinischen Fakultät in Vientiane ebenfalls ein Telepathologiesystem zur Verfügung gestellt, über das mittlerweile die ersten drei Fälle via Internet übermittelt worden sind.
Ein weiterer Ausbau der Telecytologie in Kambodscha ist geplant, um NGO an peripheren Krankenhäusern zu unterstützen.
- Dr. med. Gerhard Stauch

Weitere Informationen:
Pathologisches Institut Aurich
Wallinghausener Str. 8, 26603 Aurich
Tel.: 04941/65439, Fax: 04941/66851
E-Mail: info@pathologie-aurich.de





 
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