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03/2000 |
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Herzlichen Glückwunsch zum Friedensnobelpreis" habe ich in den letzten Wochen immer wieder von Freundinnen und Freunden sowie Patientinnen und Patienten gehört. Danke, habe ich geantwortet, aber mein Friedensnobelpreis war schon 1985. Mein Verein sind nicht die "Ärzte ohne Grenzen", ich gehöre zur IPPNW. "Waren das nicht die Antiatomärzte? Gibt’s die noch?" Es gibt sie noch. Der etwas umständliche Name ist "Internationale Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges" Den Zusatz "Ärzte in sozialer Verantwortung" hat die deutsche Sektion nach der Wiedervereinigung von den Ost-Kollegen übernommen. IPPNW ist eine berufsbezogene friedenspolitische Organisation, deren primärer Ansatz die Kriegsprävention ist. Vor fast 20 Jahren wurde IPPNW von den amerikanischen und russischen Kardiologen Lown und Tschasow gegründet und fand in Deutschland in der Zeit der Nachrüstung schnell Zulauf bei den Ärzten aller gesellschaftlichen Richtungen. IPPNW hat einen beträchtlichen Anteil am Zustandekommen der Abrüstungsabkommen der 80er Jahre und am Ende des Kalten Krieges. Und heute? Noch immer bedrohen 40 000 Atomsprengköpfe die Welt, lagern amerikanische Atomwaffen auf deutschem Boden, hält die Nato an ihrer Strategie des Erstschlags mit Atomwaffen fest, unterlaufen die USA den Atomwaffensperrvertrag, droht Rußland mit seinen Atomwaffen, haben Indien und Pakistan atomare Sprengköpfe. Die Situation ist brenzlig wie nie zuvor. Für die Kolleginnen und Kollegen in der IPPNW besteht also kein Grund, sich auf irgendwelchen Lorbeeren auszuruhen. In Deutschland gibt es zur Zeit fast 9 000 Mitglieder. Sie arbeiten in Regionalgruppen, in bundesweiten Arbeitskreisen und Kampagnen und international. Dazu kommt eine rege Arbeit mit Studentinnen und Studenten. Weltweit gibt es IPPNW-Zusammenarbeit in mehr als 65 Ländern. Drei Hauptaufgaben charakterisieren die Arbeit in Deutschland: 1. Für eine Welt ohne atomare Bedrohung. Dazu gehört: die atomare Abrüstung voranzutreiben aber auch über die Atomwirtschaft mit ihren Risiken und ihrer Verflechtung mit der nuklearen Rüstung aufzuklären. So fordert IPPNW neben der völkerrechtlich gebotenen Abschaffung der Atomwaffen auch den Ausstieg aus der Atomenergie. 2. Für eine Welt ohne Krieg. Konflikte müssen mit friedlichen Mitteln beigelegt werden. Die Waffenexporte der Industrieländer machen neue Kriege führbar. Wir wollen Rüstungsforschung und -Export begrenzen und zugleich präventive Konflikt und Krisenhilfe-Initiativen der UNO stärken. Die zunehmende Militarisierung auch der deutschen Politik halten wir für gefährlich und unverantwortlich. 3. Für eine Welt in sozialer Verantwortung. Als Ärztinnen und Ärzte erkennen wir unsere Mitverantwortung für ein soziales, gerechtes und umweltbewußtes Zusammenleben der Menschen und Völker. Wir setzen uns kritisch mit Vergangenheit und Gegenwart der Medizin auseinander, wenden uns gegen den Mißbrauch gentechnischer Diagnostik und Transplantationsmedizin. Wir beteiligen uns an der Diskussion um die Reform unseres Gesundheitswesens und glauben nicht, daß sie einen Abbau der sozialen Elemente beinhalten muß. Ich bin seit 18 Jahren als Landärztin in Niedersachsen niedergelassen und fast ebenso lange Mitglied der IPPNW. Ein Freund hat es einmal so formuliert: "In der IPPNW treffe ich Kolleginnen und Kollegen, mit denen ich nicht über die Gebührenordnung rede." Die tägliche Arbeit mit unseren Patienten schärft die Sensibilität für eine Welt, die krank macht. Sie bringt uns dazu, auch über die tägliche Arbeit hinaus für Leben und Gesundheit tätig zu werden und uns politisch einzumischen. In nächster Zeit gibt es einige wichtige Ereignisse, die Kolleginnen und Kollegen Gelegenheit bieten, IPPNW kennenzulernen. 1. werden wir uns vom 2. bis 4. Juni am Gesundheitstag 2000 in Berlin beteiligen 2. vom 29.6. bis 2.7.2000 findet in Paris der 14. IPPNW-Weltkongress statt 3. vom 8. bis 10. 12. 2000 plant die IPPNW einen Friedenskongreß in Berlin unter der Federführung von Prof. H. E. Richter 4. Im Mai 2001 gibt es in Erlangen einen großen Kongreß zum Thema Medizin und Gewissen G.P. Informationen gibt es in der Geschäftsstelle, Körtestr. 10, 10967 Berlin im Internet unter www.ippnw.de und bei Dr. Gisela Penteker Am Deich 17, 21784 Geversdorf. |
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