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03/2000 |
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Die Lebenssituationen von Frauen zwischen dem 20. und dem 40. Lebensjahr sind durch ein Spektrum hoher Leistungsanforderungen gekennzeichnet. In der Regel verlaufen die Familiengründung und die Kindererziehung parallel zu den Anstrengungen um ein berufliches Fortkommen. In der Wissenschaft wird die Gesundheit von Frauen bisher als randständiges Forschungsthema angesehen (Kersting u. Arolt 2000). Demgegenüber steht, daß in 114 bundesdeutschen Müttergenesungeinrichtungen jährlich 35 000 Mütter in 4-wöchigen Kuren betreut werden (Sieverding 1995). Diese Mütter leiden an einer Vielzahl gesundheitlicher Beschwerden vorwiegend psychosomatischer Natur (Dokter u. Freitag 1992). Der tatsächliche Behandlungsbedarf wird auf mindestens 5 Prozent aller Mütter geschätzt. Besonders alleinstehende Mütter und Mütter mit vielen Kindern leiden unter gesundheitlichen Problemen (Collatz et. al. 1994). Hintergründe psychosomatischer Erkrankungen von MütternDie Müttergesundheitsforschung beschäftigt sich vorrangig mit den aktuellen Lebensbedingungen der Mütter. Dabei stehen rollentheoretische und die geltenden Mutter-Kind-Ideologien als Einflußfaktoren im Vordergrund, psychodynamische Zusammenhänge werden in der Literatur kaum erwähnt. Unsere klinischen Erfahrungen aus der Behandlung dieser Patientinnen zeigen indes, daß psychodynamische Faktoren bei den Ursachen psychosomatischer Erkrankungen von Müttern eine erhebliche Rolle spielen. Insgesamt kristallisieren sich in unserer Patientinnenklientel drei verschiedene Gruppen von Müttern heraus.Mutterschaft als Überforderung:Patientinnen der ersten Gruppe fühlten sich von den mit der Mutterschaft einhergehenden Veränderungen überfordert. Auf die alltäglichen Belastungen reagierten sie mit psychosomatischen Beschwerden. Ein Teil dieser Mütter war alleinerziehend und erhielt wenig Unterstützung vom Vater des Kindes, den eigenen Eltern oder Freunden. Andere Mütter hatten idealisierte Vorstellungen von der Mutterschaft. Sie unterschätzten die Einschränkung des persönlichen Freiraums, die die enge Bindung an das Kind bedeutete. Diese Mütter äußerten, daß sie "völlig falsche Vorstellungen von der Mutterschaft" gehabt hätten. "Das hat mir niemand gesagt, daß das so anstrengend ist, jetzt kann ich noch nicht einmal mehr eine Woche wegfahren".Kinderwunsch als Kompensationsversuch:Neben diesen Frauen fiel uns eine zweite und eine dritte Gruppe von Müttern auf, bei denen psychodynamische Zusammenhänge von Bedeutung waren.So war der Kinderwunsch bei der zweiten Gruppe der Mütter mit einem mehr oder weniger bewußten Versuch verbunden, bereits vor der Geburt des Kindes bestehende Konflikte zu kompensieren. Diese können unterschiedlicher Herkunft sein: Der Wunsch nach Mutterschaft kann z. B. auch dazu dienen, eine unbefriedigende Partnerschaft festigen zu wollen. Der gewünschte Erfolg tritt allerdings selten ein. Im Gegenteil: Oft erleben beide Partner die Elternschaft als zusätzliche Belastung ihrer Beziehung. Mutterschaft, die unbewußte Konflikte Die dritte Gruppe von Müttern reagierte mit psychischen oder psychosomatischen Symptomen, weil durch die Erfahrung, jetzt selbst Mutter zu sein, seit der Kindheit ungelöste neurotische Konflikte aus der Beziehung zu den eigenen Eltern aktualisiert wurden, die von den Patientinnen nicht bewältigt werden konnten. Eine befriedigend erlebte Kindheit, die zu einer sicheren eigenen Identität geführt hat, ist eine stabile Basis für die Anforderungen des mit der Mutterschaft beginnenden Lebensabschnitts. Verlief die kindliche Entwicklung traumatisch, können mit der Mutterschaft eigene, bis dahin unbewußte Konflikte wiederbelebt und im Sinne einer neurotischen Wiederholungssituation reinszeniert werden. Entgegen der bewußten Absicht werden belastende und nicht ausreichend verarbeitete Kindheitssituationen in der Gegenwart unbewußt wiederholt. Die frühere Situation kann dabei nicht erinnert werden. Ziel der Psychotherapie ist es, daß sie der Patientin bewußt wird und dann bearbeitet werden kann. |
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Literatur |
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Literatur Collatz J, Borchert H, Brandt A, Tietze S (1994) Effektivität, Bedarf und Inanspruchnahme von medizinischen und psychosozialen Versorgungseinrichtungen für Frauen und Mütter mit Kindern. Schriftenreihe des Bundesministeriums für Frauen und Jugend. Kohlhammer, Stuttgart 17 Dokter A, Freitag E (1992) Müttergenesung - Ein frauenspezifisches Gesundheitsangebot. In: Verband Deutscher Rentenversicherungsträger (Hrsg) Modelle der Rehabilitation - Psychologischer und gesellschaftlicher Kontext. Klinische Psychologie in der Rehabilitationsklinik. Dissertations Druck, Darmstadt 5: 111-128 Kersting A, Lamprecht F (1995) Zur Situation von psychosomatisch erkrankten Müttern mit Kindern im Vorschulalter. In: Familienbilder. Kontroversen um eine Lebensform. Deutscher Psychologenverlag, Bonn, S57-65 Kersting A, Lamprecht F (1996) Ein integratives psychoanalytisches ambulantes Behandlungskonzept zur Behandlung psychosomatisch erkrankter Mütter mit Kindern im Vorschulalter. Ein Projektbericht. Psychotherapeutin 4: 109-112 Kersting A, Arolt V (1999) Psychosomatische Störungen bei Müttern - Historische Hintergründe, Erkrankungsursachen und psychotherapeutische Behandlungskonzepte. Psychotherapeut im Druck Sieverding M (1995) Die Gesundheit von Müttern. Ein Forschungsüberblick Zeitschr Med. Psychologie 4: 6-16 niedersächsisches ärzteblatt |
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