aktualisiert am: 08.03.2001
niedersaechsisches aerzteblatt
 

03/2001


Mehr ambulante Leistungen - weniger Honorar


Der Bedarf an ambulanter medizinischer Versorgung der niedersächsischen Bevölkerung durch die niedergelassenen Vertragsärzte hat auch im vergangenen Jahr weiter zugenommen. Im ersten Halbjahr 2000 rechneten Vertragsärzte in Niedersachsen rund 22,61 Millionen Behandlungsfälle ab, 650.000 mehr als im ersten Halbjahr 1999. Ein wesentlicher Grund für diesen Anstieg ist die zunehmende Verlagerung von stationären Krankenhausleistungen in den ambulanten Bereich.

"Immer mehr Behandlungen, die früher fast nur im Krankenhaus erfolgten, werden heute von niedergelassenen Ärzten durchgeführt", sagte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN), Eberhard Gramsch, am 14. Februar 2001 vor Medienvertretern in Hannover. Teure Klinikaufenthalte würden durch die Verlagerung in den ambulanten Bereich vermieden oder drastisch verkürzt werden. Durch das engmaschige und wohnortnahe ambulante Versorgungsnetz in Niedersachsen könnten die Patienten häufig eher als in der Vergangenheit aus dem Krankenhaus entlassen werden. "Auch schwerkranke Patienten müssen seltener in die Klinik eingewiesen werden", so Gramsch.

Der Vorsitzende verdeutlichte diese Entwicklung anhand konkreter Zahlen, die die KVN kürzlich ermittelt hat. So wurden im 1. Quartal 2000 von niedergelassenen Vertragsärzten rund 174 Millionen Punkte für Zuschlagpositionen bei größeren ambulanten Operationen abgerechnet. "Vor neun Jahren waren es im ersten Quartal 1991 nur rund 38 Millionen Punkte", erläuterte Gramsch. Der Leistungsbedarf sei im Bereich "ambulantes Operieren" in knapp einer Dekade um 357,9 Prozent gestiegen. Im Bereich der "ambulanten Dialyse" von Nierenkranken lag die Steigerung des ambulanten Leistungsbedarfs in den vergangenen neun Jahren bei 75,3 Prozent, bei Katarakt-Operationen gar bei 2.994,1 Prozent, bei Arthroskopien bei 615,6 Prozent, bei Angiographien bei 4.691,7 Prozent und bei Herzkatheteruntersuchungen bei 168.472,8 Prozent. "Die politische Forderung 'ambulante vor stationäre Behandlung' wird in Niedersachsen konsequent umgesetzt", sagte der KVN-Vorsitzende.
Trotz der steigenden Behandlungszahlen im kostengünstigen ambulanten Bereich sinkt die Vergütung je Fall besonders bei den niedersächsischen Fachärzten. Erhielten Hals-Nasen-Ohren-Ärzte im 1. Quartal 1999 noch durchschnittlich 80,93 DM je Fall, so sank die Vergütung im 1. Quartal 2000 auf 62,71 DM (-22,51 Prozent). Verlierer waren auch die Chirurgen. Ihre Vergütung sank von 119,00 DM im
1. Quartal 1999 auf 98,13 DM (-17,54 Prozent) im 1. Quartal 2000. Hautärzte verloren 14,47 Prozent (1/1999: 45,60 DM; 1/2000: 39,00 DM), Augenärzte 13,41 Prozent (1/1999: 53,25 DM; 1/2000: 46,11 DM), Orthopäden 7,47 Prozent (1/1999: 89,64 DM; 1/2000: 82,94 DM), Anästhesisten 5,71 Prozent (1/1999: 209,65 DM; 1/2000: 197,68 DM) Urologen 5,27 Prozent (1/1999: 93,78 DM; 1/2000: 88,84 DM) und Frauenärzte 2,12 Prozent (1/1999: 66,84 DM; 1/2000: 65,42 DM). Insgesamt ist die durchschnittliche Vergütung je Fall bei den Fachärzten im 1. Quartal 2000 gegenüber dem 1. Quartal 1999 um 9,63 Prozent gesunken.

Wo es Verlierer gibt, gibt es auch Gewinner. Diese kommen aus dem hausärztlichen Bereich. So erhielten die Allgemeinärzte/Praktischen Ärzte im 1. Quartal 1999 durchschnittlich 79,36 DM je Fall und im 1. Quartal 2000 83,08 DM (+4,69 Prozent); die hausärztlichen Internisten im 1. Quartal 1999 82,76 DM und im 1. Quartal 2000 85,99 DM (+3,90 Prozent) sowie die hausärztlichen Kinderärzte im 1. Quartal 1999 75,65 DM und im 1. Quartal 2000 78,27 DM (+3,46 Prozent). Insgesamt ist die durchschnittliche Vergütung je Fall bei den Hausärzten im 1. Quartal 2000 gegenüber dem 1. Quartal 1999 um 5,20 Prozent gestiegen. Dieser "Gewinn" geht auf die gesetzlich vorgegebene Trennung der Gesamtvergütung in einen hausärztlichen und einen fachärztlichen Honoraranteil zurück, mit dem die Hausärzte gefördert werden sollen.

"Die Politik der Budgetierung hat in den vergangenen Jahren dazu geführt, daß die Honorarentwicklung bei den Vertragsärzten stagniert. Dies zeigen die angeführten Zahlen. Da jedoch die Kostenentwicklung in den vergangenen Jahren nicht bei Null stehengeblieben ist, mußten alle Ärzte real sinkende Einkommen verkraften", so der KVN-Vorsitzende. Er sagte auch für das laufende Jahr keine besseren Aussichten voraus. Das Bundesgesundheitsministerium gestehe den Vertragsärzten eine Erhöhung der Gesamtvergütung von maximal 1,6 Prozent zu (so- genannte Grundlohnsummensteigerung). Die Löhne der Arbeitnehmer würden dagegen voraussichtlich um 3 Prozent steigen, die Inflation bei 1,7 Prozent liegen. "Die Vertragsärzte werden erneut von der volkswirtschaftlichen Gesamtentwicklung abgekoppelt", empörte sich Gramsch.
Detlef Haffke
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