aktualisiert am: 10.03.2003
niedersaechsisches aerzteblatt
 

03/2003


Wie viele Geburtskliniken braucht das Land?

Viele Teilnehmer und lebhafte Diskussionen bestimmten die Atmosphäre der Jahresversammlung der Niedersächsischen Perinatalerhebung Anfang Februar im Ärztehaus Hannover


Mit einem umfangreichen Programm für die beteiligten Geburts- und Kinderkliniken hat die Niedersächsische Perinatalerhebung am 1. Februar zu ihrer Jahresversammlung 2003 eingeladen. Die Themenvielfalt reichte diesmal über die Kernaufgaben und Ziele des Qualitätssicherungsverfahrens hinaus. Das Programm zog nicht nur zahlreiche Klinikmitarbeiter, sondern auch andere Interessierte zu der eintägigen Veranstaltung in das hannoversche Ärztehaus. Die rund 90 Teilnehmer - darunter in diesem Jahr auch zahlreiche Chefärztinnen und -ärzte - analysierten, diskutierten und präsentierten unter den Aspekten Wirtschaftlichkeit, Management und Qualität die Zukunft ihrer Kliniken und Ansätze für die weitere Qualitätsentwicklung.

Tätigkeitsbericht

Prof. Dr. med. Rüdiger Rauskolb (Northeim), Vorsitzender der Ständigen Kommission der Niedersächsischen Perinatalerhebung, eröffnete die Jahresversammlung mit dem Tätigkeitsbericht der Kommission für das Jahr 2002. Dessen zentrales Thema ist die abschließende Bearbeitung der bereits 1993 erstmals formulierten "Zehn Qualitätsziele für die Niedersächsische Perinatal- und Neonatalerhebung". Diese damals schon innovativen und weitreichenden Ansätze haben nichts von ihrer Aktualität, auch über Niedersachsen hinaus, verloren. Beispielhaft leitet der Bericht anhand zweier ausgewählter Ziele die Methodik, den aktuellen Zielerreichungsgrad sowie Maßnahmen für die Zukunft ab (ein ausführlicher Beitrag dazu folgt in der Aprilausgabe des niedersächsischen ärzteblattes).

Ein weiterer Schwerpunkt der Ständigen Kommission der Niedersächsischen Perinatalerhebung war im Jahr 2002 die Erarbeitung eines Konzeptes zur Intensivierung der Qualitätsentwicklung anhand eines strukturierten Dialogs mit den Kliniken. Letzterer soll auf der Basis der vergleichenden Klinikstatistiken, Sonderauswertungen sowie Arbeitsgruppen- und Qualitätszirkelanalysen erfolgen. Das Konzept soll in diesem Jahr, mit methodischer Unterstützung des Zentrums für Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen (ZQ), fertiggestellt und umgesetzt werden.

Die Vorträge

Die anschließende Vortragsreihe startete Dr. Ernst Bruckenberger vom Niedersächsischen Sozialministerium mit seinem Beitrag
"Wie viele und welche Geburts- und Kinderkliniken braucht Niedersachsen". Die Darstellung der aktuellen Klinikstruktur in Niedersachsen zeigt deutliche regionale Unterschiede bei der Verteilung von Einrichtungen mit nur wenigen versorgten Neugeborenen einerseits und Zentren der geburtshilflichen und neonatologischen Maximalversorgung andererseits.
Weiter sinkende Geburtenzahlen und die Einführung des pauschalierten Vergütungssystems (DRG) ab 2004 mit seinen gänzlich neuen finanziellen Rahmenbedingungen werden den Druck auf die Kliniken verstärken, umzustrukturieren und mehr miteinander zu kooperieren. Ergänzend dazu ist internes Qualitätsmanagement, gepaart mit einem transparenten Leitungsnachweis, erforderlich. So schlug Dr. Bruckenberger den Bogen zu Zielen, Aktivitäten und Ergebnissen der Niedersächsischen Perinatalerhebung. Sein Vortrag löste eine angeregte Diskussion im Auditorium aus.

Zum DRG-Vergütungssystem nahm Prof. Dr. med. Erich Keller anhand der Erfahrungen, die das Klinikum Ingolstadt damit bereits gemacht hat, Stellung. Dort führt ausschließlich eine siebenköpfige DRG-Arbeitsgruppe, bestehend aus Ärzten und anderen Professionen, sämtliche Verschlüsselungen für das Krankenhaus durch. Die vorgelegten Zahlen belegen, daß sich diese Vorgehensweise in dem Klinikum bewährt hat. Intensiv diskutiert wurden bei der Veranstaltung auch die Dokumentationspflicht des Arztes und die Bedeutung finanzieller Anreizsysteme.

Die nachfolgenden Beiträge stellten innovative Konzepte, Angebote und Ergebnisse der Perinatalerhebung vor. Den Anfang machte ein neues modulares Konzept für Inhouse-Schulungen, das vom ZQ entwickelt wurde und unter dem Titel "Prozeßmanagement in der geburtshilflichen und neonatologischen Abteilung" von Brigitte Sens und Silvia Berlage (beide ZQ) präsentiert wurde. Die Schulungsinhalte mit einer Einführung in das Qualitätsmanagement, der Diskussion der Perinatalstatistiken, der Prozeßanalyse und -darstellung einer Entbindung in der Klinik sowie der Vorstellung der Arbeit mit Klinischen Pfaden (Clinical Pathways) haben bei einer ersten halbtägigen Klinikveranstaltung bereits großen Anklang gefunden.

Die Ergebnisse der erstmaligen "Bundesauswertung Geburtshilfe" haben Burkhard Fischer und Frank Peinemann von der Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung (BQS) vorgestellt. Ebenfalls auf der Basis von bundesweit gepoolten Daten hat PD Dr. Dr. med. Manfred Voigt aus Rostock eine umfassende Auswertung zum Thema "Rauchen in der Schwangerschaft" durchgeführt. Das Hauptergebnis der Perinataldaten mehrerer Jahrgänge aus nahezu allen Bundesländern liefert den Nachweis, daß rauchende Mütter ein signifikant erhöhtes Risiko zur Frühgeburt haben und retardierte Kinder bei ihnen häufiger als bei nicht rauchenden Mütter vorkommen.

Paul Wenzlaff (ZQ) präsentierte erste Eckdaten des Kollektivs der Frühgeborenen unter 1 500 Gramm Geburtsgewicht aus Niedersachsen von 1990 - 1999 (insgesamt mehr als 6 000 Fälle). Niedersachsen ist das einzige Bundesland, in dem für diese Kinder die Daten aus dem geburtshilflichen und neonatolgischen Qualitätssicherungsverfahren zusammengeführt werden und somit für Longitudinalanalysen der Versorgung genutzt werden können. Für das Jahr 2003 sind umfangreiche Detailauswertungen dieser Daten (inklusive der Jahrgänge 2000 und 2001) vorgesehen.
Prof. Dr. med. Karsten Harms aus Göttingen hat das Thema Longitudinalanalysen mit Langzeitergebnissen des niedersächsischen Modellprojektes "Nachuntersuchung von Frühgeborenen < 1 000 Gramm zum Zeitpunkt der U7, das heißt nach zirka zwei Jahren" fortgesetzt.

Die Workshops

In den beiden traditionellen Workshops zu Perinatal- und Neonatalerhebung informierten Mitarbeiter des ZQ und die Vertreter der Ständigen Kommission über die vorgestellten Statistiken sowie die Nutzung der EDV-Klinikprogramme. Auch hier kam es zu lebhaften Diskussionen mit den zahlreichen Teilnehmern.

Anschrift des Verfassers:
Paul Wenzlaff
Zentrum für Qualitätsmanagement
im Gesundheitswesen
Einrichtung der
Ärztekammer Niedersachsen
Postfach 4749
30047 Hannover

Tel.: 0049-(0)511-3 80-21 11
Fax: 0049-(0)511-3 80-21 18
E-Mail: paul.wenzlaff@aekn.de
Website: http://http://www.zq-aekn.de

 
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