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03/1999 | |||||
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Wo 'med' drauf steht, muß eigentlich auch etwas für den Arzt drin sein, sollte man meinen. 'Med' auf bestimmten Produkten wird nur allzu gern benutzt, um Ärzten zu suggerieren, dies sei ein Qualitätsprodukt, ausschließlich für Ärzte entwickelt und speziell auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten. Pustekuchen. Denn genau dieser Umstand wird nur allzugern benutzt, um den Niedergelassenen das Geld aus der Tasche zu ziehen. So denken wohl auch manche EDV-Häuser, die ihr Dach in großen Lettern mit den Begriffen 'Medizintechnik' und 'Medizin-EDV' gestrichen haben, um dem Preisverfall in der EDV eine einträgliche Variante entgegen zu setzen, um bei Ärzten zu kassieren, was im freien Handel nicht mehr zu erzielen ist. Denn der EDV-Preiskampf wurde mittlerweile bis an die Schmerzgrenze getrieben. Da wird teilweise abgezockt, was das Zeug hält. Wer sich nicht auskennt, erhält Lösungen aufs Auge gedrückt, die nur einem nutzen: dem EDV-Verkäufer. Und dies geht quer durch alle Anbieter. Große und namhafte Häuser sind da keine Ausnahme. Der Wettbewerb ist hart. Und wo es was zu verdienen gibt, sind Moral, und eine sachgerechte Beratung oft nur Fremdworte, die dem 'guten' Geschäft abträglich sind. Dazu einige Beispiele: Eine Kinderärztin aus dem Bremer Umland wollte mit ihrer Sonographie KV-gerechte Ausdrucke erstellen. Aufgeschwatzt wurde ihr von einem Diplom-Ingenieur, der ein Unternehmen für Medizintechnik in Ostdeutschland betreibt, eine teure Bildbearbeitungssoftware samt der dazugehörigen Hardware. Einem ersten Angebot, das sich noch auf rund 4 700 DM belief, folgte ein weiteres, weit höheres. Am Ende sollte sie für die technische Aufrüstung rund 8 800 DM bezahlen. Eine erheblich überteuerte Lösung, wie sich bei einer neutralen Überprüfung herausstellte. Denn: Ihrer Forderung genügt hätte schlicht ein Videoprinter, mit dem sich Sonographien im Maßstab 1:1,7 ausdrukken lassen. Preis für das Gerät des japanischen Herstellers Mitsubishi (übrigens, der einzige, der ein solches Gerät anbietet): 2 600 DM. Preisdifferenz: 6 200 DM! Auf Rückfrage bei der Bremer Vertretung des Softwareherstellers wurde darauf verwiesen, daß es sich dabei schließlich um eine skalierbare Software handele, die entsprechend ausbaufähig sei. Deutlicher ausgedrückt, diese Software hätte einer radiologischen Gemeinschaftspraxis zur Ehre gereicht. In diesem Falle aber: ein Rolls-Royce mit Holzbänken und Vollgummireifen, wo ein VW genügt hätte. Ein Einzelfall? Keineswegs. Zu Bildverarbeitungs- und Speichersystemen gehören sogenannte Grabber-Karten, Hardwarekarten, die Bilder von bildgebenden Geräten wie Sonographen oder auch Videorecordern digitalisieren, um sie anschließend bearbeiten, speichern, katalogisieren und ausdrucken zu können. Die Recherche über die Kosten dieser Karten ergab Preisspannen von über tausend Mark. Eine brauchbare Karte für die Arztpraxis wird im Computerfachhandel bereits für unter 1 000 DM angeboten. Bei sogenannten medizinischen EDV-Häusern wurden im Schnitt 300 bis 400 DM mehr verlangt. Die Spitze des Rechercheergebnisses belief sich auf sage und schreibe 2 200 DM, fast das eineinhalbfache für die gleiche Hardware. In den Kreis derer, die bei Ärzten das dicke Geschäft wittern, die allzu gerne kassieren anstatt praxisgerecht zu beraten, reihen sich auch Telefongesellschaften unrühmlich ein. Wie anders ist es zu erklären, daß in einem Bereich, wo Innovationen so kurzlebig sind, Ärzten Verträge aufgeschwatzt werden mit einer Laufzeit von zehn (!) Jahren. So wurde zum Beispiel von einem niedersächsischen Arzt für eine Telefon-Anlage , ein Fax samt Anrufbeantworter eine monatliche Mietrate von 244,10 DM bei einer Mindestlaufzeit von zehn Jahren verlangt. Insgesamt sind in dieser Zeit rund 30 000 DM fällig! Ganz abgesehen davon, daß bei dem derzeit rasanten Tempo in der Telekommunikationstechnik die Anlage in spätestens drei Jahren nur noch Museumswert hat, könnte man sich für dieses Geld eine eigene Telefonzentrale samt Bedienung installieren lassen. Derartige Verträge gehören mittlerweile auf den juristischen Prüfstand in Bezug auf ihre Sittenwidrigkeit. Denn anders kann man diese Verträge ja wohl kaum bezeichnen. Die Telefongesellschaften selbst täten gut daran, sich schleunigst von solchen Mitarbeitern zu trennen, die offenbar nur den eigenen Vorteil, nicht aber die Bedürfnisse des Kunden im Auge haben. Es soll aber an dieser Stelle nicht den Bastlern das Wort geredet werden. Will sagen: Es ist nicht jedermanns Sache, sich die EDV für seine Bedürfnisse individuell zusammenzustellen und sich die Hardware dann bedarfsgerecht in einem der vielen Computerfachhäuser zusammenbauen zu lassen. Denn dort hapert es nur allzu oft an der betreuenden Nachsorge, am Service. Dieser Service ist leider, so die Recherche, meist Glücksache. Da werden Fehler übersehen, Grundeinstellungen verändert mit der Folge, daß danach kaum noch etwas geht. Für eine Arztpraxis undenkbar. Zwar sind diese Häuser preislich nahezu unschlagbar, zumal mittlerweile alle 14 Tage Preisanpassungen nach unten erfolgen bzw. für den gleichen Preis immer leistungsfähigere Hard- und Software angeboten wird. Die Ärzte kann ein Bring-In-Service jedoch wenig befriedigen. Welcher Niedergelassene hat denn auch die Zeit und die Möglichkeit, seinen Praxis-Computer auszubauen, in eine Filiale zu schleppen, um dort sich in eine Schlange zu reihen und auf die Reparatur zu warten. Und die Erfahrung zeigt, daß die Experten dort eher mit Arroganz als mit Wissen und Können glänzen. Eine herstellerneutrale EDV-Systemberatung und eine Datenbank, die Preisvergleiche ermöglicht, könnten Abhilfe schaffen. Es mag die Beratung hier und dort auch schon geben. Nur scheint sie sich angesichts dieser, zugegeben krassen Beispiele, die jedoch keineswegs die Ausnahme sind, noch nicht allgemein herumgesprochen zu haben. Es macht in jedem Fall Sinn, sich verschiedene Lösungsvorschläge und Angebote unterbreiten zu lassen. Denn auch in diesem Punkte gilt es, Kosten zu senken, zumal für weniger Geld gleiches zu haben ist. Ärzte sollten nicht länger die Milchkühe einer EDV-Branche sein, die nicht selten hinter unverständlichem Fachchinesisch ihre Unkenntnis und Unfähigkeit zu verbergen trachtet, den Erfordernissen entsprechende Lösungen zu erarbeiten. Denn: Wo bei der EDV 'med' draufsteht, ist keineswegs immer Brauchbares für Ärzte drin. Anschrift des Verfassers: Dr. Jo Kanders Leinstraße 48 31535 Neustadt |
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