aktualisiert am: 26.04.2001
niedersaechsisches aerzteblatt
 

04/2001


Onkologische Versorgung - Nachsorge für niedersächsische Krebspatienten wird erheblich verbessert


Die Niedersächsische Krebsgesellschaft hat am 14. März 2001 ihren Förderpreis 2000 an das Modellprojekt SUPPORT (Südniedersächsisches Projekt zur Qualitätssicherung der palliativmedizinisch orientierten Versorgung von Patienten mit Tumorschmerzen) verliehen. Dieser Wissenschaftspreis ist mit einem Preisgeld in Höhe von 10.000 D-Mark dotiert. Verliehen wurde der Preis an die beiden SUPPORT-Projektleiter, die am Zentrum Anästhesiologie, Rettungs- und Intensivmedizin der Universitätsklinik Göttingen tätigen Wissenschaftler Dr. med. Franz Bernhard Ensink und Dr. med. Gerd-Gunnar Hanekop. Mit ihrer Auszeichnung unterstreicht die Niedersächsische Krebsgesellschaft die Bedeutung von SUPPORT als beispielhaftem Versorgungsansatz für eine Gruppe von Tumorpatienten mit besonders intensivem Betreuungsbedarf.
Im Rahmen einer Pressekonferenz in Hannover, in der das SUPPORT-Projekt gewürdigt wurde, stellte Dr. med. Klaus Rittgerodt das sogenannte onkologische Nachsorgemodell der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) als weiteren Baustein der onkologischen Versorgung in Niedersachsen vor. Rittgerodt ist Beisitzer im KVN-Vorstand und hier für das Themengebiet "Onkologie" zuständig.
Mit dem onkologischen Nachsorgemodell Niedersachsen hat die KVN bereits seit 1988 die strukturellen Voraussetzungen für eine einheitliche und transparente Langzeitbetreuung von Krebspatienten durch niedersächsische Vertragsärzte geschaffen und die Nachsorge dadurch in den vergangenen Jahren erheblich verbessert.
Wichtiger Bestandteil des Modells ist eine standardisierte Verlaufsdokumentation der Krebserkrankungen sowie ein Netzwerk von sechs flächendeckend tätigen "Onkologischen Nachsorgeleitstellen". Die Nachsorgeleitstellen sind an die Bezirksstellen der KVN in Braunschweig, Göttingen, Hannover, Oldenburg, Osnabrück und Stade angebunden. Mit der Dokumentation sowie der Datenerfassung und Datenspeicherung des individuellen Krankeitsverlaufes eines Patienten in den sechs Nachsorgeleitstellen sind folgende Zielsetzungen verbunden:

- eine verbesserte Information der an der Betreuung der Krebspatienten beteiligten Ärztinnen und Ärzte,
- die Unterstützung der ärztlichen Tätigkeit und der Langzeitbetreuung vor Ort,
- die Unterstützung von qualitätssichernden Maßnahmen in der vertragsärztlichen Versorgung und
- die Schaffung einer Datenbasis zur Beschreibung, Analyse und besseren Transparenz des onkologischen Versorgungsgeschehens in Niedersachsen.

Rittgerodt, Allgemeinarzt in Königslutter, beschrieb vor Medienvertretern in Hannover die Hauptaufgaben der "Onkologischen Nachsorgeleitstellen" wie folgt: "Die Leitstellen tragen Sorge dafür, daß Tumorpatienten in Niedersachsen nach Abschluß der Ersttherapie auch weiterhin regelmäßig ärztlich betreut werden. Diese Nachsorgeuntersuchungen haben zum Ziel, wiederauflebende oder Zweittumoren rechtzeitig zu erkennen und Hilfestellung bei der sozialen und beruflichen Rehabilitation der Patienten zu geben. Die Untersuchungen in den Arztpraxen werden durch die Leitstellen mittels tumorspezifischer Nachsorgeprotokolle organisatorisch vorbereitet und unterstützt".
Die "Onkologischen Nachsorgeleitstellen" in Niedersachsen werden durch eine Onkologie-Kommission der KVN unterstützt. Dieser Kommission gehören Krankenhausärzte und niedergelassene Ärzte an, die onkologisch tätig und mit der Materie vertraut sind. Sie sind auf der vergangenen Februar-Vorstandssitzung der KVN neu berufen worden. "Der Vorstand der KVN hat der Onkologie-Kommission außerdem erweiterte Aufgaben für die Zukunft zugewiesen, die sie in Kooperation mit dem Referat âOnkologieÔ der KVN umsetzen soll. Dies wird die Betreuung der niedersächsischen Krebspatienten zukünftig erheblich verbessern", sagte Rittgerodt.

Zu den erweiterten Aufgaben gehören:
- die Vorbereitung und Durchführung onkologischer Arzt-Kolloquien zur Fortbildung,
- die Erarbeitung von Vorschlägen zum Inhalt, Umfang und Ausgestaltung der niedersächsischen Tumordokumentation,
- die Erarbeitung von Vorschlägen zur verbesserten Arbeitsweise und Organisation der "Onkologischen Nachsorgeleitstellen",
- die konzeptionelle Weiterentwicklung der niedersächsischen Nachsorgeleitstellen,
- das Initiieren spezieller Dokumentations- und Qualitätssicherungsprojekte für bestimmte Krebserkrankungen und
- die Intensivierung der Zusammenarbeit mit dem "Epidemiologischen Krebsregister Niedersachsen" und den klinischen Krebsregistern der Medizinischen Hochschule Hannover und dem Universitätsklinikum Göttingen.

"Die Vertreterversammlung der KVN wird auf einer der kommenden Sitzungen darüber hinaus neue Richtlinien zur Qualitätssicherung der onkologischen Befunddokumentation der Nachsorgeleitstellen beschließen", sagte Rittgerodt.
Detlef Haffke
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