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04/2002 |
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In den 208 niedersächsischen Krankenhäusern werden die Arbeitskräfte knapp. Sowohl im ärztlichen Dienst als auch in der Pflege sei die Stellenbesetzung "zunehmend problematisch", hieß es auf der Mitgliederversammlung der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft (NKG) am 6. März in Hannover. Genaue Zahlen nannte die NKG zwar nicht - eine eigene Umfrage zeige aber den deutlichen Rückgang in der Krankenpflege. Laut NKG gibt es mehrere Ursachen: Weniger junge Menschen, die sich um einen Ausbildungsplatz bemühen; wegen des hohen wirtschaftlichen Drucks werden freie Stellen selbst dann nicht besetzt, wenn Personal zur Verfügung steht; nicht zuletzt konkurrieren die Kliniken mit dem hohen Bedarf an ärztlichem und pflegerischen Personal außerhalb der Krankenhäuser. Im Streit um die Arbeitszeit von Klinikärzten (zählt der Bereitschaftsdienst zur Arbeitszeit oder nicht?) pocht die Krankenhausgesellschaft allerdings auf eine angemessene Übergangszeit, um neue Arztstellen einzurichten. NKG-Verbandsdirektor Helmut Fricke warf dem anwesenden Staatssekretär im Sozialministerium, Heinz-Hermann Witte (SPD), dabei den Bruch von Verabredungen vor. So habe die NKG die Überprüfung der niedersächsischen Kliniken in Sachen Bereitschaftsdienst und überlanger Arbeitszeiten durch das Gewerbeaufsichtsamt unterstützt, weil im Vordergrund der Aktion "die Belehrung der Kliniken, nicht die Bestrafung stehen sollte". Doch die jetzt aufgefallenen 71 Krankenhäuser seien mit Bußgeldbescheiden überzogen worden. Genau das sei aber nicht im Sinne der NKG. Der DKG-Präsident Burghard Rocke nannte in diesem Zusammenhang den vom Marburger Bund geplanten Computerstreik der Krankenhausärzte "rechtswidrig". Ein Streik sei nämlich nur zulässig, wenn er auf ein "tariflich regelbares Ziel" hinwirke. Die angekündigte Aktion ziele dagegen auf den Gesetzgeber - nicht auf die Klinikträger. Für Rocke sind die Probleme der Kliniken mit der Einführung der DRGs nicht gelöst. Die Leistungsmenge im Krankenhaus müsse auch dann begrenzt bleiben, wenn das Fallpauschalengesetz 2007 auslaufe, forderte er. Ansonsten drohe im Krankenhaus das Hamsterrad. Mit dem Beschluß für das Gesetz zur Einführung der DRGs am 1. März habe bereits der Kampf um die Nachfolgeregelung begonnen. Egal, ob sich die Einzelfallpauschalen bis Ende 2006 bewähren würden oder nicht: "Die entscheidende Frage wird sein, ob in der Regelung ab 2007 die Mengen freigegeben werden." Der DKG-Präsident warnte vor der Freigabe - denn dann würde der Kuchen für jede Klinik immer kleiner. "Jeder Krankenhausdirektor würde seine Chefärzte bitten, noch mehr Fälle zu erledigen". Nach Einschätzung von Friedrich-Karl Böttcher, dem Vorsitzenden der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft (NKG), sind die Kliniken aber schon jetzt in der schwierigsten Phase ihrer Geschichte: "Sie sind selbst Patienten geworden." Kritik übte er wie auch NKG-Verbandsdirektor Hellmut Fricke an der Landesregierung: Für dringend notwendige Investitionsmaßnahmen brauche man eigentlich über eine Milliarde Euro - doch die Förderung sei nicht erhöht, sondern im laufenden Haushalt eher abgerundet worden. Daß viele Klinikträger aus Angst vor den DRGs über Fusionen nachdenken, ist nach Ansicht von Rocke nur natürlich. Allerdings dürfe man hier nichts überstürzen: "Jede Fusion bringt massive Reibungsverluste und Tempoverluste mit sich." Die Leitungsebene sei im Schnitt zwei Jahre mit der Kulturangleichung der Häuser beschäftigt - Zeit, in der die eigentliche Arbeit liegenbleibe. Eine gute Kooperation sei schon wichtig - aber erst wenn diese "Verlobungszeit" hervorragend laufe, sei auch eine Heirat nicht ausgeschlossen. Als weiteren Problemfall in der Krankenhauslandschaft skizzierte er die Tarifstruktur und Altersversorgung der Mitarbeiter. Die Haltung der Gewerkschaft Ver.di, bei der Anpassung des Bundesangestelltentarifes (BAT) hart zu bleiben, zwinge die Krankenhäuser, neue Servicebetriebe wie Wäschereien, Hol- und Bringdienste und die Haustechnik zu gründen. "Wer auslagert, sollte sich den Rückweg aber freihalten", meinte Rocke - schließlich könnten sich die Rahmenbedingungen auch wieder verbessern. Ähnliche Probleme habe man mit der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL): Die Bundesregierung habe zugelassen, daß zum Beispiel Bedienstete der Lufthansa und Zivilangestellte der Bundeswehr aus der VBL abwandern konnten - was im Endeffekt die kommunalen Kliniken mit bezahlen müßten. Ob sich ein Austritt der Krankenhäuser aus der Versorgungsanstalt lohne - unter anderem seien hohe Abstandszahlungen für die Rentner zu leisten - ist laut Rocke zwar noch unklar. Falls der Bund in dieser Frage aber nicht zum Einlenken bereit sei, würden die Kommunen dagegen prozessieren, prognostizierte Rocke, der gleichzeitig Landrat des Kreises Steinburg ist. | ||||||
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