aktualisiert am: 04.04.2003
niedersaechsisches aerzteblatt
 

04/2003


Information und Motivation zum Impfen für Ärzte, Hebammen, Arzthelferinnen und die Bevölkerung


orbeugende gesundheitserhaltende Maßnahmen absichtlich oder versehentlich nicht zu treffen ist meist die Folge fehlender oder mangelhafter Information über deren Bedeutung. Erst wenn eine akute oder vermeintliche Gefahr der Ansteckung erkennbar ist, wächst der Wunsch, sich zu schützen - und mit ihm die Bereitschaft, sich impfen zu lassen. Zwar kann sich die Durchimpfungsrate niedersächsischer Kinder durchaus sehen lassen, doch gibt es auch Bevölkerungs- und Altersgruppen, die kaum Impfschutz aufweisen. Gerade für sie bedarf es einer umfangreichen Aufklärung und Motivation, für die alle im Gesundheitswesen Tätigen Mitverantwortung tragen.

Damit Mediziner, Arzthelferinnen oder Hebammen als Multiplikatoren in Sachen Prävention auftreten können, benötigen sie entsprechende Fortbildungen. Welcher Arzt erhält bislang fundierte Information über Impfungen? An den Hochschulen gibt es keine entsprechenden Kurse. Wer schult Arzthelferinnen, die wichtige Vermittlerinnen zwischen ärztlichem Wissen und Patient sind, und wer bereitet die vorrangigen Ansprechpartnerinnen junger Mütter, die Hebammen, auf diese Arbeit vor? Hier setzt die Arbeit der Impfinitiative Niedersachsen an, die bereits seit Jahren ihr Augenmerk auf Information und Schulung für dieser Multiplikatorengruppen legt:

Fortbildung ist eine Hauptaufgabe

Das Niedersächsische Landesgesundheitsamt (NLGA) bietet in Kooperation mit der Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN) zertifizierte Impfkurse sowie daran anschließende Aufbaukurse an. Seit 1999 haben schon mehr als 1 100 niedergelassene Ärzte der verschiedenen Fachgruppen diese Kurse besucht.

Auch für Arzthelferinnen veranstaltet das NLGA in enger Zusammenarbeit mit der ÄKN seit dem Jahr 2000 zertifizierte Impfkurse. Bisher haben sich mehr als 600 Teilnehmerinnen in den zwei- bis dreitägigen Grund- und Aufbaukursen fortgebildet.

In Kooperation mit dem Hebammenverband Niedersachsen und der Kinderklinik Auf der Bult in Hannover führt das NLGA zudem jährlich eine Niedersächsische Hebammentagung durch. Dort stehen Impfthemen konsequent und aufeinander aufbauend auf der Tagesordnung. Seit 2003 zählt Impfen/Infektionsschutz zu den Pflichtweiterbildungsthemen von Hebammen.

Mit dem Niedersächsischen Impfforum koordiniert die Impfinitiative zudem das Engagement gesellschaftlich relevanter Gruppen mit dem Ziel, einen breiten Rückhalt für die Notwendigkeit des Impfens zu erreichen.

Gezielte Information der Bevölkerung

In den Klassen der Orientierungsstufe weisen Ärzte der Gesundheitsämter Jugendliche auf mangelnde Durchiimpfungsraten vor allem gegen Hepatitis B und der zweiten Mumps-Masern-Röteln-Impfung (MMR) hin. Die Schüler erhalten Impfkarten, die später vom niedergelassenen Arzt ausgefüllt und an das NLGA zurückgesandt werden. Die Motivation zum Nachholen fehlender Vakzinationen geschieht in enger Kooperation mit der niedergelassenen Ärzteschaft, Schulen und örtlicher Presse. Die Rücksendung der Impfkarten erlaubt eine zuverlässige Einschätzung des Erfolgs dieser Kampagne. Der Anstieg der Durchimpfungsrate von Jugendlichen bei der zweiten MMR-Impfung von rund 25 auf fast 50 Prozent und bei der Hepatitis-B-Impfung von 30 auf etwa 55 Prozent ist diesen regelmäßig durchgeführten Informationsveranstaltungen zu verdanken.
Dank der engagierten Partner auf Landes- und Kommunalebene kann die Niedersächsische Impfinitiative deshalb bereits als großer Erfolg gewertet werden. Sie zeigt zudem, daß einmalige spektakuläre Aktionen wie die Nationale Impfwoche zwar wichtig sind, für eine dauerhafte Steigerung der Durchimpfungsraten jedoch vor allem eine kontinuierliche Information der Ärzte, Arzthelferinnen, Hebammen und der Bevölkerung erforderlich ist.

Anschrift des Verfassers:

Prof. Dr. med. Adolf Windorfer
Niedersächsisches Landesgesundheitsamt
Roesebeckstr. 4 - 6
30449 Hannover

 
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