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04/2003 |
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Alle reden von Pockenschutz. Der niedergelassene Arzt Dr. Thomas Suermann fordert, Patienten auch vom Impfschutz gegen Mumps, Masern oder Diphtherie zu überzeugen Die Angst vor einen Terrorangriff mit Pockenviren ist derzeit groß. Doch während in Deutschland bereits Pläne für eine flächendeckende Impfung gegen Pockenviren erarbeitet werden, ist die Furcht vor herkömmlichen Infektionskrankheiten wie Keuchhusten, Tetanus, Diphtherie, Röteln oder Mumps weitgehend einer gewissen Sorglosigkeit gewichen. Der große Erfolg der bisher durchgeführten Schutzimpfungen sollte jedoch nicht leichtsinnig stimmen. Die eben genannten ansteckenden Krankheiten gibt es nach wie vor. Dabei kommt es immer wieder, vor allem bei Kindern oder abwehrgeschwächten Menschen, zu schweren Erkrankungen mit Schädigungen wie Lähmungen, Erblinden oder Gehörverlust, vereinzelt sogar zu Todesfällen. Impfungen gegen diese Erkrankungen werden flächendeckend angeboten und sind mit geringen bis gar keinen Nebenwirkungen verbunden. Die Impfraten sind hoch (86,8 Prozent zum Beispiel im niedersächsischen Landkreis Verden), aber längst nicht ausreichend. Experten schätzen, daß jährlich etwa 50 000 bis 60 000, in machen Jahren sogar bis zu 100 000 Personen in Deutschland an Masern erkranken. Kritiker warnen zwar gerade bei der Masernimpfung immer vor deren potentiellen Risiken: Pro 200 000 Impfungen ist mit einem Fall zu rechnen, der bleibende Schäden nach sich zieht. Doch auch wer an Masern erkrankt, muß mit Komplikationen rechnen. Die Wahrscheinlichkeit von Folgeschäden und vor allem die Todesrate liegt bei geimpften Personen deutlich niedriger. Die Diphtherie ist zwar durch aktive Impfung zurückgedrängt worden, aber nicht vollständig verschwunden. Sie tritt aufgrund von Impflücken immer wieder lokal begrenzt auf und ist mit einer hohen Sterblichkeit verbunden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt vor einer neuen Epidemie, vor allem in der ehemaligen Sowjetunion, wo es beispielsweise im Jahr 1994 rund 48 000 Diphterie-Fälle gab, an denen 1 700 Personen starben. In Deutschland hatten in jenem Jahr nur etwa ein Viertel aller Erwachsenen einen ausreichenden Impfschutz gegen Diphtherie. Ähnlich gering ist der Schutz älterer Menschen gegen Tetanus. Dabei können schon kleinste Verletzungen, beispielsweise bei der Gartenarbeit, die Krankheit hervorrufen, an deren Folgen noch heute rund 30 Prozent der Erkrankten sterben. Eine konsequente Hepatitis-B-Impfung von Jugendlichen hingegen ist in einigen Bundesländern bereits Alltag. Die etwa 50 000 Neuerkrankungen pro Jahr würden durch bundesweit konsequentes Impfen in der Schulzeit deutlich reduziert werden. Die Ende Februar auf ihrem Hochstand angekommene Grippewelle in Deutschland hat gezeigt, daß die Durchimpfungsrate gegen Influenza ebenfalls unzureichend ist. Außerdem sollten gerade Patienten mit chronischen Atemwegserkrankungen auch gegen die Pneumokokken (alle sechs Jahre) geimpft werden. Die mit der Globalisierung einhergehende Migration und ein wachsendes Reiseaufkommen wirken sich ebenfalls auf die Verbreitung ansteckender Krankheiten aus. 1998 fanden weltweit mehr als 600 Millionen grenzüberschreitende Reisen statt, 90 Millionen davon fallen auf Deutsche, Österreicher und Schweizer. Etwa sieben Millionen dieser Reisen führten in tropische und subtropische Länder. Hinzu kommt, daß Deutschland ein Einwanderungsland geworden ist. Zur Zeit sind etwa neun Prozent der Bevölkerung Ausländer, die zu mehr 70 Prozent aus Nationen außerhalb der Europäischen Gemeinschaft stammen. Ärzte in Praxis und Klinik müssen sich deshalb auch in der Diagnose von Infektionskrankheiten aus sogenannten Entwicklungsländern üben und eine effektive Prophylaxe dagegen entwickeln. Die Reisemedizin ist eine urärztliche Aufgabe und darf nicht den sogenannten Gesundheitsanbietern überlassen werden. In Deutschland gibt es keinen Impfzwang. Ärzte in Praxis, Klinik und Gesundheitsamt sind jedoch aufgerufen, entsprechend den Empfehlungen der ständigen Impfkomission des Robert-Koch-Institutes für die notwendigen Impfungen in der Bevölkerung zu werben. Anschrift des Verfassers: Dr. med. Thomas Suermann Internist - Sportmedizin Sternstraße 3 37083 Göttingen | ||||||
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