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| aktualisiert am: 04.04.2003 | ||||||
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04/2003 |
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Ausländische Mitbürger sprechen nicht nur anders, auch ihr Umgang mit dem eigenen Körper, Krankheit und Gesundheit kann ein anderer sein. Das kann eine Integration in das Gesundheitswesen erschweren. Man stelle sich vor, ein Patient klagte seinem Hausarzt, er sei von einem Geist besessen. In Deutschland oder einem anderen westlich geprägten Land würde der Mediziner unter Umständen eine Schizophrenie oder Psychose diagnostizieren. Ein Arzt eines anderen Kulturkreises hingegen käme vielleicht zu einer ganz anderen Diagnose. Denn in verschiedenen Kulturen werden auch Krankheitssymptome unterschiedlich wahrgenommen und bewertet. Viel zu häufig wird im deutschen Gesundheitssystem davon ausgegangen, daß Menschen aus anderen Kulturen unter Begriffen wie Körper und Seele, krank und gesund das Gleiche verstehen wie Einheimische. Dabei präsentieren ausländische Patienten ihre Beschwerden nicht selten in einer Form, die einem westlichen Mediziner völlig fremd sind. Um die Gesundheit von Migranten ist es oft schlecht bestellt Gesundheit spielt für die erfolgreiche Integration von Migranten in die Gesellschaft des Gastlandes eine wichtige politische und ökonomische Rolle. Denn das Leben in einer fremden Kultur bringt für die Betroffenen mehr oder weniger große innere (psychische) und äußere (soziale) Veränderungen mit sich, die ihre Gesundheit langfristig beeinträchtigen können. Die höhere Gesundheitsgefährdung beginnt bei der Sterblichkeit und Krankheitsrate von Säuglingen und reicht über Morbidität im Kindesalter (psychosomatische Befindlichkeitsstörungen, Infektionskrankheiten, Unfälle) bis zu Erkrankungen im Erwachsenenalter (Unfälle, psychosomatische Befindlichkeitsstörungen, Magen-Darm-Erkrankungen, Erkrankungen des Skelett- und Stützsystems). Viele somatische wie psychosomatische Krankheiten von Migranten fußen zudem auf körperlich und seelisch belastenden Arbeitsbedingungen, in denen sie vorrangig tätig sind. Ein hoher Anteil ausländischer Arbeitnehmer scheidet frühzeitig aus dem Erwerbsleben aus. Zahlreiche Studien belegen eine Fehlernährung und eine geringere Durchimpfungsrate ausländischer Kinder sowie einen hohen Anteil an Rauchern unter den männlichen ausländischen Jugendlichen und Männern. Die Drogenprobleme von Heranwachsenden Aussiedlern und türkischen Männern sind in jüngster Vergangenheit ebenfalls verstärkt ins Blickfeld geraten. Eine besondere Gefährdung von Migranten im Bereich der Mundgesundheit ist ebenfalls belegt. Für Hannover etwa ist nachgewiesen, daß in Stadtteilen mit sozialen Brennpunkten Migranten eine bis zu 68 Prozent überhöhte Karieshäufigkeit aufweisen. Auch an Aids erkranken ausländische Mitbürger überdurchschnittlich. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts in Berlin waren in Deutschland im Juni 1999 13,8 Prozent aller Aids-Fälle der nichtdeutschen Bevölkerung zuzuordnen. Der Anteil der Zuwanderer an der Gesamtbevölkerung macht aber lediglich 8,9 Prozent aus. Die Tuberkulose-Inzidenz der zugewanderten Bevölkerung steigt gleichfalls. 1998 erkrankten 10 440 Menschen in Deutschland an einer aktiven Tuberkulose, darunter 3 291 Ausländer. Der meist niedrigere Sozialstatus von Ausländern in der Bundesrepublik bedingt in der Regel schlechtere und beengte Wohnverhältnisse, was das Auftreten von TBC zusätzlich begünstigt. Bei Flüchtlingen haben sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten posttraumatische Erkrankungen gehäuft, ausgelöst durch extreme Lebensbedingungen in Lagern und durch Zukunftsängste. Und auch die oftmals als diskriminierend empfundenen bürokratischen Prozeduren im Asylanerkennungsverfahren können krank machen. Ärztekammer ruft zur Hilfeleistung auf Während Arbeitsmigranten und Aussiedler zumindest formal Zugang zu sämtlichen Angeboten unseres Gesundheitswesens und der gesetzlichen Krankenkassen haben, stehen Asylbewerbern lediglich "unbedingt notwendige" Versorgungsleistungen bei akuten Beschwerden zu. Vorbeugende Behandlungen gelten gemeinhin als integrierende Leistungen, die dazu führen könnten, den Aufenthalt der Flüchtlinge im Land fortdauern zu lassen. Das Sozialamt trägt nur die Kosten für Behandlungen, die aufgrund akuter Schmerzen oder Erkrankungen erforderlich sind, beispielsweise bei Zahnproblemen oder Infektionskrankheiten. Präventive medizinische Maßnahmen sind von Amts wegen für Flüchtlinge nicht vorgesehen. Sie sind deshalb im besonderen Maße auf den guten Willen und die Integrationsbereitschaft der öffentlichen Gesundheitsdienste und niedergelassener Ärztinnen und Ärzte angewiesen. In Niedersachsen ist die in hohem Maße vorhanden: Die Ärztekammer (ÄKN) ruft ihre Mitglieder regelmäßig auf - bei Bedarf auch kostenlos - Flüchtlinge medizinisch zu versorgen. Es sind viele Fälle bekannt, in denen die niedersächsischen Ärzte unbürokratisch und oft auch unentgeltlich geholfen haben. | ||||||
Literatur |
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