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04/2003 |
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Es steht im Wahlprogramm: Rot-Grün will "das Kartell der Kassenärzte brechen". Seit die Koalitionäre den Kassenärzten den Krieg erklärt haben, wittert die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) ihre Chance. So konnte man im Handelsblatt vom 10. Februar 2003 über die Position der DKG lesen: "... hat die deutsche Krankenhausgesellschaft gestern gefordert, künftig stärker bei der ambulanten Versorgung mitmischen zu können... Bislang sind die Kliniken auf die stationäre Behandlung und die ambulante Notfallversorgung beschränkt. Das ist durchaus eine Kampfansage an die Praxisärzte, kommentierte Jörg Robbers, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft, den Vorstoß."1 Manche hausärztliche Kollegen wähnen sich trotz solcher Äußerungen immer noch in Sicherheit: Das konzertierte Vorgehen von Krankenkassen, DKG und der gegenwärtigen Berliner Koalition gegen den Sicherstellungsauftrag richte sich nur gegen die Fachärzte. Für die Hausärzte werde sich schon nicht viel ändern, ist gelegentlich zu hören. Diese Lagebeurteilung war mir schon immer fragwürdig erschienen. Krankenkassen und DKG zielen ja nicht speziell auf die Fachärzte, sondern auf eigenen Macht- und Einflußgewinn. Die Hausärzte werden nur dann und nur so lange verschont, wie es in die eigene Strategie von Krankenkassen und DKG paßt. Jetzt liegt der Beweis dafür auf dem Tisch. Nach dem Rohentwurf eines "Gesundheitssystemmodernisierungsgesetzes" (GMG) sollen die Hausärzte nach und nach in Gesundheitszentren, die mit Hausärzten, Augenärzten und Frauenärzten besetzt sind, abgedrängt werden. Daß Einzelverträge zwischen Krankenkassen und Fachärzten und auch die Öffnung der Krankenhausambulanzen angestrebt waren, ist nichts Neues. Die Einrichtung von Gesundheitszentren (mit dem Schwerpunkt Hausärzte) ist aber neu und zielt direkt auf die Hausärzte. Seit längerem ist es Ziel der DKG, das Krankenhaus als Gesundheitszentrum auszubauen (z.B. "Das Krankenhaus als Anbieter von Leistungen der integrierten Versorgung, Januar 2001"). In dieses Konzept paßt auch das Bestreben von Klinikkonzernen, über Gesundheitszentren im ambulanten Bereich Zulieferer für den stationären Sektor und auch unmittelbare Profitquellen zu erschließen. Damit werden die Hausärzte unter Konkurrenzdruck gesetzt und zum Wohlverhalten gegenüber mächtigen Krankenhausinteressen gezwungen. Dies alles ist nicht ein spontaner Einfall eines Referenten im Bundesministerium für Gesundheit und Soziales. Vielmehr brüstet sich die "Rhön-Klinkum AG" mit ihren exzellenten Beziehungen zu wichtigen Entscheidungsträgern. In einer ihrer Broschüren heißt es dazu: > "Prof. Dr. med. s.c. Karl W. Lauterbach, enger Berater von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD), ist Mitglied des Rhön-Aufsichtsrates und des Beirates." > "Auch Dr. rer. pol. Klaus-Theo Schröder (SPD), seit dem 17.01.2001 beamteter Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, stand im Kontakt mit dem Rhön-Klinikum-Konzern: Schröder war im Dezember 2001 aus seinem Amt als Staatssekretär in der Berliner Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales und Frauen ausgeschieden, um als Bereichsleiter in die Rhön-Geschäftsleitung einzutreten. Schon bald sollte er in den Vorstand aufrücken. Dazu kam es aber nicht, weil er dem Ruf Ulla Schmidts ins Bundesgesundheitsministerium folgte." Aus dieser geballten Macht von Krankenkassen, DKG, Klinikkonzernen und Politik sollten wir vor allem zwei Schlußfolgerungen ziehen: 1| Auseinandersetzungen zwischen Hausärzten und Fachärzten sind heute schädlicher denn je und müssen der Vergangenheit angehören. 2| Wir sollten vor Ort Strukturen aufbauen, die es uns erlauben, künftigen Gesundheitszentren mit Hausärzten entgegenzutreten. Dazu gehören vor allem Notfallpraxen in der Regie der organisierten niedergelassenen Vertragsärzteschaft. So läßt sich einer Patientensteuerung durch übermächtige Gesundheitszentren entgegenwirken. Holger Schmidt 1 Artikel "Rhön-Klinium AG - Strategische Kontakte - Der wirtschaftliche Erfolg des größten börsennotierten Krankenhauskonzerns beruht auch auf den exzellenten Beziehungen zu wichtigen Entscheidungsträgern." | ||||||
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