aktualisiert am: 10.05.2002
niedersaechsisches aerzteblatt
 

05/2002


Die Internationale Kampagne zur Ächtung von Landminen: Auch Anti-Tank-Minen töten und verstümmeln Menschen


Experten schätzen, daß 100 Millionen nicht detonierter Landminen auf dem Boden von 62 Staaten der Erde liegen. In jeder Woche werden weltweit 500 Personen durch diese tückischen Waffen getötet oder schwer verletzt, alle 20 Minuten tritt jemand irgendwo auf der Welt auf eine dieser Minen. Ihr Einsatz verursacht also eine der größten humanitären Katastrophen dieser Welt.

Zwar wurde im Dezember 1997 das erste Internationale Abkommen zur Ächtung und zum Verbot der Landminen im kanadischen Ottawa unterzeichnet, das später nach der Ratifizierung durch 40 Staaten der Erde in Kraft trat, doch schon damals war man sich darüber im klaren, daß nicht nur die Anti-Personen-Minen, sondern auch die Anti-Tank-Minen geächtet werden müßten, denn auch sie töten und verstümmeln Menschen.

Gleichfalls 1997 wurde die "Internationale Kampagne für das Verbot von Landminen" (ICBL) mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Das Nobelpreiskomitee hob damals hervor, daß die Kampagne nicht nur eine wichtige Rolle beim Erreichen eines Vertrages gespielt, sondern auch eine neue Form der internationalen Diplomatie vorangebracht habe.

Wir sprachen mit Dr. James Cobey, Chirurg in Washington, D.C., Mitglied von "Physicians for Human Rights" und Autor des Buches "Medical and Social Consequences of Landmines in Cambodia" bei einem Deutschlandbesuch über seine Erfahrungen bei Mineneinsätzen, seine Einschätzung zum Stand der Ächtung von Minen und zu Einsatzbereichen humanitärer Hilfe:

"Ich war viele Male in Kambodscha. Der normale Weg um Minen zu finden ist der, militärische Karten zu Rate zu ziehen (die stehen aber meist nicht zur Verfügung) oder die Gegend, in der es zu Minenopfern gekommen ist, zu untersuchen. Die Umgebung wird mit Detektoren abgesucht. Große Bereiche abzusuchen ist aber sehr mühsam und teuer. Wenn sie die Gegend mit einem Detektor absuchen, wird natürlich auch jeder im Boden liegende Verschluß einer Flasche gemeldet. Auch Hunde können eingesetzt werden. Wir glauben, daß sie das in den Minen enthaltene Nitrit riechen können, wir wissen aber nicht genau, was sie riechen. Oft weiß man nicht, wo Minen liegen, bis jemand verletzt oder getötet wird. Ich habe mit Soldaten gesprochen, die Minen gelegt haben und selbst auf welche traten, die sie zwei Monate zuvor ausgelegt hatten.

Heute haben 138 Staaten das Abkommen von Ottawa unterzeichnet, doch nur 100 haben es auch ratifiziert. In der westlichen Hemisphäre haben nur die USA und Kuba nicht unterzeichnet, Jordanien hat unterzeichnet, Israel nicht. Es ist notwendig, bald Rußland, China, Indien und Pakistan für die Unterzeichnung zu gewinnen. Es sollte Allgemeingut werden, daß es unmoralisch ist, einen Sprengkörper im Boden zu versenken und zu verschwinden. Die zweite große Aufgabe ist, die Minen zu entfernen, und die dritte Opferunterstützung. Ich habe viele lokale Gruppen kennengelernt, die Ärzte zur Versorgung der Verwundeten schicken wollten. Wirklich notwendig sind aber auf lange Zeit ausgerichtete Bemühungen zur Entwicklung der jeweiligen lokalen Gesundheitssysteme. Es reicht nicht, Prothesen für Patienten herzustellen, es müssen selbständige Prothetik- und Rehabilitationsprogramme geschaffen werden.

Viele wollen etwas gegen Landminen tun und ich sage, wenn Sie vor Ort helfen wollen, schließen Sie sich für einen kurzen oder längeren Aufenthalt einer etablierten NGO an. Es kann sein, daß man helfen kann, Opfer von Landminen zu versorgen oder Programme zu entwickeln. Viele Chirurgen wollen vor Ort helfen und Opfer operieren. Das sind ja schreckliche Verletzungen, aber wesentlich seltener als Opfer von Verkehrsunfällen. Wenn man sich auf einen Einsatz vor Ort einläßt, sollte man vorbereitet sein, mit vielen Problemen konfrontiert zu werden. Internationale Hilfe kann im wesentlichen aus drei Formen bestehen: die erste ist das Lehren. ÔHealth Volunteers OverseasÕ, für die ich vor zehn Jahren zu arbeiten begann, z.B. schickt sein Personal in verschiedene Länder um Unterricht zu geben. Der zweite Einsatzbereich ist der Katastropheneinsatz und der dritte schließlich ist der Servicebereich. Ich bin allerdings gegen Einsätze, die nur zwei oder drei Wochen dauern, weil sie zwar dem Hilfeleistenden ein gutes Gefühl geben, aber dem jeweiligen Land vergleichsweise wenig nützen."

In der Bundesrepublik hat sich ein "Deutscher Initiativkreis für das Verbot von Landminen" gegründet, der bereits kurz nach seiner Gründung 1995 ca. 450 000 Unterschriften für die von ihm entwickelten fünf zentralen Forderungen sammeln konnte:
• Ein weltweites Verbot der Entwicklung, der Produktion, des Exports (einschließlich des Technologietransfers) und des Einsatzes aller Landminentypen

• Offenlegung aller Forschungsobjekte und Exporte, aller militärischer Einsatzplanungen und aller Minenbestände und -lager, einschließlich solcher von Armeen auf ex-territorialem Boden

• Nachweisbare Vernichtung aller existierenden Minen

• Umwidmung der für die Entwicklung von Minen und Minenverlegesystemen bereitgestellten Gelder zugunsten der Rehabilitation und Entschädigung von Minenopfern

• Umfassende Unterstützung der weltweiten Minenräumung und Opferhilfe unter Aufsicht der UNO und der humanitären Hilfsorganisationen durch Finanzierung z.B. eines Fonds zur Minenräumung
Deutscher Initiativkreis
für das Verbot von Landminen
Rykestr. 13
10405 Berlin
Tel.: (0 30) 44 68 58-14
Fax: (0 30) 44 10 221
E-Mail info@landmine.de
Internet:
http://www.landmine.de/de.titel/index.html

Weitere Informationen:

International Campaign to Ban Landmines
Internet: http://www.icbl.org

Landmine Survivors Network
Internet: http://www.landminesurvivors.org/

UN Mine Action Service
Internet: http://www.mineaction.org/index.cfm





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