aktualisiert am: 12.05.2003
niedersaechsisches aerzteblatt
 

05/2003


Seniorenpraxis

Ältere Patienten sind eine dankbare Zielgruppe - wenn man sich auf sie einstellt


Laut KBV-Statistik waren 1997 knapp 29 Prozent der GKV-Versicherten Rentner. Und ein Blick auf die Alterspyramide zeigt, daß in Zukunft immer mehr alte Menschen in die Praxen kommen werden. Warum machen Sie sich diesen Umstand nicht schon heute zu Nutze und werden zum "Facharzt für Senioren"?

Senioren sind eine dankbare Zielgruppe. Die Praxistreue bei Rentnern ist deutlich höher als beim sogenannten Mittelalter. Wenn ein Rentner mit seinem Doktor zufrieden ist, dann ist er ein sehr guter Werbeträger, weil es zwischen älteren Leuten häufig Gespräche über ihre Gesundheit gibt. Mit Nachwuchs in dieser Patientengruppe können Sie dann immer rechnen. Sie und ihr Team erhalten so auch mehr Anerkennung. Und Senioren sind nach einer EMNID-Umfrage auch eher bereit, ein paar Mark draufzuzahlen, wenn eine Behandlung nicht durch die Kasse bezahlt wird. Wenn Sie sich aber auf diese Zielgruppe einlassen wollen, müssen Sie sich im Vorfeld über ein paar Dinge bewußt werden:

1| Senioren brauchen eine erhöhte Zuwendung.
2| Die Praxiseinrichtung muß für Senioren angepaßt werden.
3| Rein wirtschaftlich gesehen kosten Rentner einfach mehr.

Zur Wirtschaftlichkeit

Rentner ist nicht gleich Rentner. Ein 90-Jähriger hat z.B. einen höheren Medikamentenbedarf als ein 65-Jähriger. Sie werden also mehr Punkte Ihres Budgets für diesen 90-Jährigen verbrauchen. Sie sollten entsprechende Listen über höheren Medikamentenverbrauch vorbereiten. Dann können Sie eine Praxisbesonderheit leichter geltend machen und einem Wirtschaftlichkeitsverfahren zuvorkommen:

1| Listen Sie Ihre Altersgruppen in Fünf-Jahresschritten auf.
2| Zeigen Sie damit, daß mit dem Alter auch der Behandlungs- und Arzneimittelbedarf steigt.
3| Listen Sie besonders schwere Fälle separat auf, damit diese unter Umständen aus der Berechnung herausgenommen werden können.
4| Dokumentieren Sie Ihre Behandlungsweise sehr genau.

Geben Sie diese Listen bei der Quartalsabrechnung zu den KV-Unterlagen. Damit erleichtern Sie den Prüfgremien die Arbeit.

Seniorengerechtigkeit

Wahre Profis, was die Belange von Senioren angeht, sind Leiter von Altenheimen. Laden Sie diese zur Vorbereitung auf die neue Zielgruppe zu einem Gespräch ein. Sie werden viel erfahren, was Sie in Ihrer Praxis baulich oder an Ihrem Mobiliar verändern müssen. Lassen Sie sich auch Adressen von Möbellieferanten oder anderen Geschäften geben, die sich auf Senioren spezialisiert haben. Und befragen Sie auch Ihre Patienten direkt nach deren Änderungsvorschlägen. Auch Ihre Mitarbeiter können mit Vorschlägen beitragen.

Auf die Mitarbeiter kommt es an

In einer Vorbereitungsphase müssen Sie mit Ihren Mitarbeitern sprechen und sie auf die neue Situation vorbereiten. Weisen Sie sie darauf hin, daß Altersprobleme oft verdrängt werden. Das hat Konsequenzen für die Kommunikation:
- Ältere Menschen brauchen eine persönliche Ansprache und etwas mehr Geduld.
- Bei der Sprechweise ist z.B. darauf zu achten, daß man gut hörbar spricht. Ältere Menschen muß man nicht anschreien, sondern meist nur nicht so schnell sprechen.
- Bilden Sie kurze Sätze und geben Sie immer nur eine Information in einen Satz. Überbetonung ist nicht nötig.

Tipp

Planen Sie Seniorensprechzeiten. Viele Senioren wünschen sich Ruhe, deshalb sollten Sie wenn möglich vermeiden, daß Kinder und Senioren gleichzeitig im Wartezimmer sitzen.
 
Alle Inhalte © Hannoversche Ärzte-Verlags-Union 1998-2003.
Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am: 12.05.2003.

Design by Tim Schmitz-Reinthal, webmaster@haeverlag.de.