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05/1999 | |||||
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(vollständiger Text im nä 05/99 (Printausgabe)) Um ein Bild über die Attraktivität, mögliche Mängel des Weiterbildungsganges 'Allgemeinmedizin' und die Motivationslage der Kolleginnen und Kollegen zu erhalten, führte die Ärztekammer Niedersachsen im August/September 1998 unter allen Ärztinnen und Ärzten, die in der Zeit zwischen Januar 1997 und Juni 1998 ihre Weiterbildung 'Allgemeinmedizin' im niedersächsischen Kammerbereich durch die Facharztprüfung abgeschlossen hatten, eine Befragung durch. Methodik Das Ziel war zum einen, die Entscheidungsgründe für diese Qualifizierungsmaßnahme, die daran geknüpften Erwartungen und die daraus resultierende berufliche Entwicklung, z.B. eine erfolgreiche Niederlassung, zu ermitteln. Ferner wurde nach dem Verlauf der Weiterbildung, u.a. Dauer, Zusatzqualifikationen, Vergütungen, Belastungen und Erschwernisse gefragt. Auch eine spezielle Beurteilung des 240-Stunden-Kurses und eine prospektive Bewertung der Anfang Mai eingeführten 5-jährigen Weiterbildung 'Allgemeinmedizin' wurde erfragt. Ergebnisse 54 Ärztinnen (= 38,3 Prozent) und 87 Ärzten (= 61,7 Prozent) haben die 141 Antwortbögen zurückgesandt. Dies entsprach auch annähernd dem Verhältnis in der Grundgesamtheit aller 248 Angeschriebenen. Auch das Durchschnittsalter von 37,3 Jahren ( 4,7 Jahre Standardabweichung) war vergleichbar mit dem in der Grundgesamtheit. Dabei wurde das niedrigste mit 29 und das höchste Alter mit 58 Jahren angegeben. Bei der Analyse des Verlaufs 'Weiterbildung Allgemeinmedizin' ergab sich bis zum Abschluß eine mittlere Gesamtdauer von 6,2 Jahren ( 2,7 Jahre Standardabweichung). Nur ca. ein Drittel (48 = 33 Prozent) der Befragten hatten ihre Weiterbildung innerhalb von vier Jahren abgeschlossen. Insgesamt 73 (= 51,8 Prozent) der Ärztinnen/Ärzte hatten sich von Anfang an für die Weiterbildung 'Allgemeinmedizin' entschieden. Diese Gruppe war mit 56,2 Prozent stärker unter den Absolventen vertreten, die innerhalb von vier Jahren oder weniger die Weiterbildung abgeschlossen hatten. Als Hauptgründe nannten 37,0 Prozent dieser Gruppe beruflich-fachliche Interessen bzw. Neigungen und soziales Engagement, wie 'eine umfassende Patientenbetreuung', 'ganzheitliche Medizin', 'enge persönlichere Patientenbeziehung mit Familienbetreuung', 'Basismedizin mit breitem Spektrum'. Die umfassende Analyse der zusätzlichen 'Klartext-Auskünfte' auf allen 141 Antwortbögen über berufliche und persönliche Erwartungen an die Weiterbildung (von Beginn an oder später), zeigte deutlich zwei große Hauptgruppen. Die erste Gruppe waren die schon beschriebenen Ärztinnen und Ärzte, deren Entscheidungen sich allein auf die spezifischen Gegebenheiten des Fachgebietes Allgemeinmedizin, verbunden mit den humanen und sozialen Aufgaben, u.a. '... Hausarzt werden', gründeten. Dies waren insgesamt 53 (= 37,6 Prozent). Die zweite Gruppe (68 = 48,3 Prozent Ärztinnen und Ärzte) gab eher pragmatisch-wirtschaftliche Gründe an, wie 'Ärger über Strukturen im Krankenhaus', 'Selbständigkeit', 'Übernahme der väterlichen Praxis', 'einfachere Ausbildung und Stellensuche'. Annähernd ein Drittel von ihnen führte zusätzlich noch beruflich-fachliche und soziale Aspekte an. Ärztinnen gaben häufiger die Möglichkeit eines 'engeren Patientenkontakts' o.ä. an (18 = 34,0 Prozent) als ihre männliche Kollegen (= 22,0 Prozent). Auch der Wunsch, 'In einer eigenen Praxis auf dem Lande zu arbeiten' ist bei ihnen mit 9,4 % Prozent häufiger vertreten als bei den männlichen Kollegen (= 1,2 Prozent). Bei den Ärzten steht dagegen der generelle Wunsch nach 'Selbständigkeit' (21 = 25,6 Prozent) gegenüber 17,0 Prozent bei den Ärztinnen im Vordergrund. Ausgeglichen wird dies allerdings durch den vermehrten Wunsch der Ärztinnen nach Gründung einer eigenen Praxis oder einer möglichen Praxisübernahme, so daß insgesamt ca. 50 Prozent aller Ärztinnen und Ärzte des Weiterbildungsgangs 'Allgemeinmedizin' eine berufliche Zukunft in einer (eigenen) Praxis als Ziel anstrebten. Nicht nur die Schwierigkeiten während der Weiterbildung 'Allgemeinmedizin', sondern auch der Erwerb von Zusatzqualifikationen (vor oder im Rahmen der Weiterbildung) könnten einen Einfluß auf die Weiterbildungsdauer gehabt haben. Insgesamt hatten 76 (= 53,9 Prozent) zusätzliche Weiterbildungsangebote nach der WBO genutzt. Im Mittel waren dies 1,7 Zusatzqualifikationen (minimal eine und maximal fünf). Die häufigsten waren dabei die Rettungs- und Notfallmedizin (26 = 18,4 Prozent), Naturheilverfahren/Homöopathie (12 = 8,5 Prozent), Psychosomatik/Psychotherapie (11 = 7,8 Prozent), Chirotherapie und Sportmedizin (jeweils 8 = 5,7 Prozent), Innere Medizin/Internist (7 = 5,0 Prozent) u.v.a.m. Neben der Frage nach der Dauer der Weiterbildung wurde detailliert nach Erschwernissen und Belastungen während dieser Zeit gefragt. Die Globalauswertung zeigte, daß 28 (= 15,1 Prozent) der Ärztinnen und Ärzte die Belastungen als gering bzw. keine Belastung angaben. Der Rest empfand diese als hoch oder sehr hoch. Diese Beurteilung war unabhängig vom Alter und dem Geschlecht der Befragten. Neben den immerhin 23 Personen (= 16,3 Prozent), die explizit angaben, keinerlei Erschwernisse erfahren zu haben, war die Gruppe, die große Probleme allein mit dem Weiterbildungs-Stellenangebot (Kliniken und Praxis) hatten, die größte (33 = 23,4 Prozent). Insgesamt wurde in 58 (= 41,1 Prozent) Fällen das Stellenangebot als ein gravierendes Manko des Ausbildungskonzepts aufgeführt. Hauptproblemfelder waren die Fachgebiete Chirurgie und Innere Medizin sowie, etwas weniger stark, die Pädiatrie. Nimmt man die Erschwernisse/Belastungen durch die Kurskosten ('... zu hohe Kursgebühren'), die Kritik an dem Weiterbildungskonzept ('... keine strukturierte Weiterbildung', '... dauernder Stellenwechsel ohne gesicherte Anschlußstellen', '... zu wenig Angebote, nur überregional, die vorgeschriebenen Kurse zu erfüllen', etc.) und die Kritik an den Weiterbildern ('... Desinteresse', '... willkürhafte Machtausübung von Chefärzten', etc.) hinzu, so umfaßt die Gruppe, die einzig Mängel des Weiterbildungskonzepts als Hauptbelastung angibt, insgesamt 43 (= 30,4 Prozent) Ärztinnen und Ärzte. Im Zusammenhang mit der oder als Ergänzung zur Stellenproblematik erschien das Mobilitätsproblem ('... häufiger Stellen- und Ortswechsel', '... 7 Umzüge mit Familie') in 28 Fällen (= 19,9 Prozent) als gravierender Belastungsgrund. Arbeitsbelastung ('... wechselnde Arbeitsstellen', '... schlechte Arbeitsbedingungen/Zeiten', '... kaum Urlaub oder Freizeit', etc.), die Belastungen für die Familie und generelle Zukunftsängste wurden in 28 Fällen (= 19,9 Prozent) aufgeführt. Belastungen resultierten aber auch aus eingeschränkten Einkommen/Vergütungen, befristeten Verträgen, verbunden mit zeitweiliger Arbeitslosigkeit und der allgemeinen Kostenbelastung (43 = 30,5 Prozent). Die gezielte Frage nach der Einkommenssituation ergab eine tarifliche Vergütung für 103 (= 73,1 Prozent) Ärztinnen und Ärzte; dagegen wurden 31 (= 22,0 Prozent) unter Tarif bezahlt, während 19 (= 13,5 Prozent) zumindest zeitweise sogar ohne Vergütung arbeiteten. Insgesamt erhielten nur 90 (= 63,8 Prozent) der Befragten während der Weiterbildungszeit durchgehend eine Vergütung nach Tarif. Die Gesamtbeurteilung der zum Befragungszeitpunkt gültigen Weiterbildung ergab, daß 54 (= 38,3 Prozent) Ärztinnen und Ärzte ihn als geeignet bewerteten. 53 (= 37,6 Prozent) der Ärzte und Ärztinnen beurteilten den Weiterbildungsgang als nicht geeignet.Weitere 14 (= 9,9 Prozent) Personen stuften ihn als überfrachtet ein. Die Analysen der Klartextangaben ergab als Hauptkritikpunkte den mangelnden Praxisbezug in 22 Fällen (= 15,6 Prozent) ('... größter Lerneffekt liegt in praktischer Arbeit', '... Kurse sind unsinnig', etc.), den Wunsch nach mehr und qualitativ anderer Ausbildung in verschiedenen Fächern, wie Dermatologie, Ortho-pädie, Pädiatrie (15 = 10,6 Prozent) und in 11 Fällen (= 7,8 Prozent) die zu kurze Zeit von drei Jahren. Eine Einzelbeurteilung des 240-Stunden-Weiterbildungskurses gaben 90 (= 63,8 Prozent) der Befragten ab. Von 31 (= 34,4 Prozent) Ärztinnen und Ärzten wurden die Kurse als geeignet/angemessen beurteilt. Ein hoher Anteil von 26 Personen (= 28,9 Prozent) stufte ihn als überfrachtet ein und die restlichen 33 (= 36,7 Prozent) lehnten ihn schlicht ab. Die hohe Kritikrate (32 = 35,5 Prozent) am mangelnden Praxisbezug belegten Stellungnahmen wie '... zu wenig fundiert und zu geringer Bezug zur Tätigkeit', '... überflüssig, bringt für die wirklichen Anforderungen in Krankenhaus und Praxis gar nichts', '... es wird zu wenig praktische Erfahrung gesammelt'). Die Kurskosten kritisierte man ebenfalls deutlich (11 = 12,2 Prozent). Härtere Kritik wurde auch an der Qualität dieses Kurses geübt (15 = 16,7 Prozent); u.a. durch '... zu sehr verschult', '... Referenten besser auswählen', '... niedriges Niveau', etc. Der Kreuzvergleich beider Beurteilungen zeigte, daß schlechte Beurteilungen für den gesamten Weiterbildungsgang 'Allgemeinmedizin' nahezu ausschließlich (= 95,5 Prozent) auf eine schlechte Beurteilung des 240-Stunden-Weiterbildungskurses und/oder eines unzureichenden Stellenmanagements zurückzuführen ist. Die Beurteilung des neuen fünfjährigen Weiterbildungsgangs 'Allgemeinmedizin' fiel vom Grundtenor insgesamt positiver als die beiden vorherigen Beurteilungen aus. 68 (= 56,2 Prozent) der antwortenden Ärztinnen und Ärzte stufte ihn prinzipiell als geeignet, gut oder angemessen ein, wobei allerdings 40 (= 33,1 Prozent) Vorbedingungen geltend machten. Dies waren vor allen Dingen die Bereitstellung einer ausreichenden Zahl von Stellen in Kli-nik und Praxis sowie ein geeignetes Stellenmanagement und Quali-tätsverbesserungen im Ausbildungs-konzept. Ins-gesamt versprechen sich die Befürworter eine Entspannung und ein Na-chlassen des Arbeitsdrucks durch die längere Dauer. Dieser Zeitraum war für die 53 (= 43,8 Prozent) Kritiker wiederum ein Hauptablehnungsgrund; auch ein ausreichendes Stellenangebot wird schlicht als 'unwahrscheinlich' eingeschätzt. Ob wegen der besonders monierten Stellenbeschaffungsprobleme die Einrichtung einer zentralen Vermittlungseinrichtung bei der Ärztekammer Niedersachsen wünschenswert sei, beantworteten 119 (= 84,4 Prozent) Ärztinnen und Ärzte mit ja. Die abschließende Frage zur derzeitigen beruflichen Tätigkeit nach Abschluß der Weiterbildung (Oktober 1998) zeigte, daß 81 (= 57,4 Prozent) der Absolventen bereits als Allgemeinmediziner(in) in einer eigenen Praxis bzw. Gemeinschaftspraxis tätig sind. Dies sind nahezu 90 Prozent derjenigen, die eingangs als eines der Hauptziele ihrer Weiterbildung die Niederlassung angegeben hatten. Die 93 (= 65,8 Prozent) Ärzte und Ärztinnen, die sich bisher intensiv um eine Niederlassung bemüht hatten, berichteten überwiegend über nur geringe oder keine Probleme (= 72,7 Prozent). Schlußfolgerung Die zum Teil recht deutlichen Ergebnisse und ebenso deutlichen Stellungnahmen in dieser Umfrage können in alle weiteren Überlegungen zum 'Weiterbildungsgang Allgemeinmedizin' künftig einbezogen werden. Insgesamt sind die Informationen und Stellungnahmen aber auch geeignet, angehenden Allgemeinmedizinern frühzeitig die Komplexität, den Umfang, die Probleme und Belastungen dieses Weiterbildungsganges anhand der Fremderfahrungen zu vermitteln und somit auch Hilfen bei der eigenen Entscheidung und das Herangehen an die Aufgabe zu geben. Anschrift für die Verfasser: Paul Wenzlaff Zentrum für Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen Ärztekammer Niedersachsen Berliner Allee 20 30175 Hannover E-mail: wenzlaff@zq_aekn.de |
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