05/1999

Der 'Solare UV Index' und das 'IMIS'
 

In Anbetracht der sicherlich irgendwann in diesem Sommer zu erwartenden Schönwetterperioden liegt es nahe, sich mit der UV-Strahlung der Sonne auseinanderzusetzen. Unnötigerweise erleiden viele Menschen einen Sonnenbrand durch zu langes, unangepaßtes Verweilen in der Sonne. Etwa sechs Prozent der Sonnenstrahlung, die die Erde erreichen, gehören zu den unsichtbaren ultravioletten Strahlen. Je kürzer die UV-Wellenlänge, desto energiereicher die Strahlung und umso höher ist ihre Wirksamkeit in Bezug auf die menschliche Haut.

Die Intensität der UV-Bestrahlung (vor allem UV-B-Strahlung) ist abhängig von der geographischen Breite, dem Einfallswinkel der Sonne, dem Bewölkungsgrad, dem Ozongehalt in der Atmosphäre (Ozon absorbiert die UV-Strahlung) und der Trübung der Atmosphäre (siehe unten). Ferner ändert sich die Intensität der UV-Bestrahlung sehr stark mit der Tageszeit, der Jahreszeit, der Höhe (in größeren Höhen mehr Strahlung) und der Reflexion durch Wasser oder Schnee. Zu den akuten Wirkungen erhöhter Sonneneinstrahlung gehören Erythreme und Bindehautentzündungen. Zur jetzigen Jahreszeit kann die Erythremschwelle bei ungeschützter und lichtempfindlicher Haut bei etwa 20 ' 30 Minuten liegen.

Auf Grund der komplexen Zusammenhänge zwischen UV-Bestrahlung und möglichen Schädigungen der Haut, wird vom BfS (Bundesamt für Strahlenschutz, Salzgitter) eine regelmäßig erscheinende Information (wöchentlich) herausgegeben, die den 'Solaren UV ' Index' (UVI) für Deutschland, bezogen auf drei Regionen (Nord, Mitte, Süd), darstellt. Dabei werden Werte von 1 - 10 benutzt, um die jeweilige Stärke der UV-Strahlung anzuzeigen. Ein Sonnenbrand ist möglich bei einem UVI von 5 - 7 innerhalb von 20 ' 30 Minuten. Als Empfehlung kann laut BfS gelten, daß der Schutzfaktor des Sonnenschutzmittels etwa den doppelten Wert des jeweiligen UVI haben sollte. Möglich wurden die UVI-Angaben durch vier UV-Meßstationen in Zingst (Ostsee), München, Offenbach und auf dem Schauinsland (Schwarzwald), die seit 1993 in Zusammenarbeit mit dem Umweltbundesamt betrieben werden, in der Bevölkerung aber weitgehend unbekannt sind. Gleiche Veröffentlichungen nimmter aber auch der Deutsche Wetterdienst vor.

Die UV-Strahlung ist auf ihrem Weg zur Erdoberfläche verschiedenen Einflüssen ausgesetzt.: Die Menge des Ozons in der Atmosphäre schwankt und verändert so auch die Stärke der UV-Strahlung auf der Erdoberfläche. Besonders starke, kurzfristige Schwankungen, bei denen niedrige Konzentrationen von Ozon auftreten können, werden auf der Nordhalbkugel in den Monaten Jänner, Februar, März beobachtet. Innerhalb eines Jahres weist das Ozon dort aber im Spätherbst die geringsten Konzentrationen auf. Auch andere Bestandteile der Erdatmosphäre wie Staubteilchen schwächen die UV-Strahlung. Der Einfallswinkel der Sonnenstrahlen beeinflußt ganz entscheidend die Stärke der am Boden eintreffenden UV-Strahlung.

In den Monaten Mai, Juni, Juli, wenn der Einfallswinkel am größten ist, erreicht auch die UV-Strahlung ihre höchsten Werte.
Im Verlauf eines Tages ist die UV-Einstrahlung in der Zeit zwischen 11 Uhr und 15 Uhr am höchsten. Je geringer die geographische Breite, um so größer ist der Einfallswinkel.
Auch mit zunehmender Seehöhe steigt die Strahlungsstärke, was daher besonders bei Aufenthalten in den Bergen zu beachten ist. Reflexion verstärkt die UV-Strahlung. Durch Schnee kann sie bis zum Doppelten steigen, die Rückstrahlung durch Sand und Wasserflächen ist hingegen wesentlich geringer. Sehr stark ist der Einfluß der Bewölkung auf die UV-Strahlung. Eine geschlossene, dicke Wolkenschicht kann bis zu 90 Prozent der UV-Strahlung abhalten, dagegen können dünne Wolkenschichten oder Nebel durch Rückstrahlung wie Verstärker wirken.

Der UVI - ein internationaler
Parameter


Der UVI ist im übrigen international einheitlich festgelegt. Er beschreibt den am Boden erwarteten Tagesspitzenwert der sonnenbrandwirksamen UV-Strahlung. An unbewölkten Tagen wird dieser Wert zur Mittagszeit erreicht. Je höher der UVI ist, umso höher ist das Sonnenbrandrisiko.

Die Bundesanstalt für Strahlenschutz bietet in diesem Zusammenhang einen kostenlosen Service an, der es erlaubt, nicht nur für Deutschland, sondern für die ganze Welt den entsprechenden UV ' Index abzurufen ( )
Die Zeitspanne bis zu Ausbildung eines Sonnenbrandes ist UVI-abhängig; ebenso spiel-en unterschiedliche Hauttypen eine Rolle. Schu-tzhinweise und Zeiten bis zum Erreichen der Sonnenbrandschwelle gelten für den empfindlichen Haut-typ II bei ungebräunter Haut (nach BFS):

UVI 8 und mehr: UV-Belastung sehr hoch, Sonnenbrand in weniger als 20 Minuten möglich, Schutzmaßnahmen unbedingt erforderlich.

UVI 5 bis 7: UV-Belastung hoch, Sonnenbrand ab 20 Minuten möglich, Schutzmaßnahmen erforderlich.

UVI 2 bis 4: UV-Belastung mittel, Sonnenbrand ab 30 Minuten möglich, Schutzmaßnahmen empfehlenswert.

UVI 0 bis 1: UV-Belastung niedrig, Sonnenbrand unwahrscheinlich, Schutzmaßnahmen nicht erforderlich.

Enges Meßnetz zur Erfassung der
Umweltradioaktivität

Neben diesem Service bietet die BFS aber auch Informationen zur Umweltradioaktivität. Gemeinsam mit dem UBA und der GFS in Neuherberg werden in Deutschland zusätzlich Meßstellen zur Überwachung der Umweltradioaktivität betrieben. Die Belastung der Bevölkerung mit Gamma-Strahlung wird bundesweit an etwa 2 000 Meßstellen erhoben. Dieses Meßnetz ist Bestandteil des vom Bundesumweltministerium betriebenen 'Integrierten Meß- und Informationssystems zur Überwachung der Umweltradioaktivität' (IMIS). Auch dieses Meßnetz ist in der Öffentlichkeit noch wenig bekannt. Mit Hilfe der Meßeinrichtungen können geringste Veränderungen in der Umweltradioaktivität erfaßt und an das Umweltministerium weitergegeben werden. Dabei wird immer die Gamma-Ortsdosisleistung gemessen.

Gamma-Strahlen werden beim Zerfall von radioaktiven Atomkernen ausgesandt. Sie sind sehr energiereiche elektromagnetische Strahlen und damit von gleicher Natur wie das sichtbare Licht oder etwa Radiowellen. Sie haben ein hohes Durchdringungsvermögen, so daß sie nur durch zentimeterdicke Bleiwände oder meterdicke Betonkonstruktionen wirksam abgeschwächt werden können.
Die Wirkung dieser Bestrahlung auf den Menschen wird in der Größe einer Gamma-Dosisleistung gemessen. Die dazugehörende physikalische Einheit heißt Mikrosievert und wird meist in Stunden angegeben (Sv/h). Schwankungen in der normalerweise gleichförmigen geringen Belastung in Deutschland kommen vor allem von Ablagerungen radioaktiver Stoffe auf dem Boden durch unterschiedlich hohe Ausfällungen aus dem Niederschlag. Die natürliche Gamma-Strahlung setzt sich in erster Linie aus radioaktiven Stoffen, wie Uran oder Kalium zusammen oder wird durch die sogenannte Höhenstrahlung (kosmische Strahlung) der Erdoberfläche zugeführt. Diese natürliche Strahlung beträgt etwa 2,4 mSv pro Jahr (Millisievert pro Jahr) und schwankt je nach Region (geologische Voraussetzungen) zwischen einem und vier mSv im Jahr.

Dr. C. Rink Prof. Dr. H. Eckel
Prof. Dr. U. Hüttemann
e-mail: rink@bug-koeln.org
 
[nä] [Z-aktuell] [Forum] [Bücher] [Verlag] [Aktuell] [Kontakt] [Home]


Alle Inhalte © Hannoversche Ärzte-Verlags-Union 1998, 1999. Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am: 10.05.1999

Design by Tim Schmitz-Reinthal, webmaster@haeverlag.de.