aktualisiert am: 11.06.2001
niedersaechsisches aerzteblatt
 

06/2001


SUPPORT-News:

Ungewisse Zukunft des Modellprojekts



Bereits im Jahr 1995 hat die Ärztekammer Niedersachsen zur Verbesserung der ambulanten palliativmedizinischen Versorgung terminal kranker Tumorpatienten das Modellprojekt "SUPPORT" initiiert. Im November 1996 erhielt die Kammer dann eine Förderzusage des Bundesministeriums für Gesundheit, die zunächst den Zeitraum vom 1. Dezember 1996 bis zum 31. Dezember 1999 abdeckte. Aufgrund der Ð nicht nur seitens des BMG Ð als außergewöhnlich erfolgreich eingeschätzten Arbeit wurde diese finanzielle Förderung des Projekts dann sogar um ein weiteres Jahr verlängert.

Während dieser Zeit wurde in zahlreichen Gesprächen versucht, die Kostenträger von der Sinnhaftigkeit des Modellansatzes zu überzeugen. Nachdem diese Sondierungen mit den Kostenträgern aber bis zum Ablaufen der Bundesförderung am 31. Dezember 2000 nicht zu einer finanziell tragfähigen Anschlußregelung geführt haben, hat die Kammer den Modellansatz im Jahr 2001 zunächst auf eigene Kosten weitergeführt. Diese (zeitlich befristete Fortsetzung) schien insofern sinnvoll, als die Gespräche mit den Kostenträgern sich zwar als schwierig, dem Grunde nach aber durchaus als sehr aussichtsreich darstellten, zumal zwei der fünf nationalen Auszeichnungen, die SUPPORT inzwischen erhalten hatte, von Verbänden der Krankenkassen ausgeschrieben und vergeben worden waren (wir berichteten).

Bis zum 21. Mai 2001 hat sich für die erforderliche Anschlußfinanzierung aber leider noch keine echte Lösung abgezeichnet. Ob in dieser Angelegenheit vielleicht doch noch in letzter Minute der notwendige Durchbruch erreicht werden kann, ließ sich bis zum Ablauf der Dead-line für diese Ausgabe der "SUPPORT-news" nicht abschätzen. Erst für einen Zeitpunkt nach diesem Termin sind noch eine Besprechung bei der Landesdirektion Niedersachsen der AOK mit der Vorstandsvorsitzenden Christine Lüer sowie ein weiteres Beratungsgespräch zwischen Dr. Eckhardt Fiedler, dem Vorstandsvorsitzenden der Barmer Ersatzkasse, und Prof. Dr. Heyo Eckel, dem Präsidenten der Ärztekammer Niedersachsen anberaumt.

Wenn bei diesen Gelegenheiten allerdings kein "Wunder" geschieht, wird die Ärztekammer Niedersachsen das bisherige Versorgungsangebot zum 30. Juni 2001 leider einstellen müssen. Davon wären akut rund 70 Patienten betroffen, die derzeit von den Mitarbeitern des Göttinger Palliative-Care-Teams intensiv betreut werden. Darüber hinaus könnten in diesem Fall ab Mitte Juni 2001 vom Palliative-Care-Team des Modellprojektes auch keine neuen Patienten mehr zur Betreuung aufgenommen werden.

Die Ärztekammer Niedersachsen bedauert die sich hier abzeichnende Entwicklung sehr. Ohne realistische Aussicht auf den Abschluß einer tragfähigen Anschlußfinanzierung sieht die Kammer aber keine Möglichkeit, das bisherige Angebot auf eigene Kosten weiterzubetreiben.
Ganz ausdrücklich ersucht die Ärztekammer Niedersachsen die Patienten und ihre Angehörigen sowie alle bisherigen Kooperationspartner um Verständnis für diesen unpopulären Schritt. Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen öffentlichen Diskussion um die Freigabe der aktiven Sterbehilfe auch in Deutschland mit seinen jährlich mehr als 200.000 Krebstoten stellt die Preisgabe dieses effizienten Versorgungsansatzes ein geradezu verhängnisvolles Signal an die Bevölkerung dar.

Angesichts dieses insgesamt leider recht beklemmenden Umfeldes ist es als positive Entwicklung zu werten, daß führende Mitglieder der Enquête-Kommission "Recht und Ethik der modernen Medizin" des Deutschen Bundestages sich für das Göttinger Modellprojekt interessieren. Es ist geplant, daß sich diese Kommission auf einer ihrer nächsten Sitzungen mit dem Konzept von SUPPORT beschäftigt. Besondere Aufmerksamkeit scheint dabei die Erfahrung von SUPPORT zu erzielen, daß bei adäquater palliativmedizinischer Patientenbetreuung der Wunsch nach aktiver Sterbehilfe offensichtlich seine Relevanz für die Betroffenen verliert bzw. gar nicht erst erlangt. Vielleicht wird bei entsprechender Würdigung speziell der ethischen Implikationen dieses Resultates der Arbeit von SUPPORT politisch das erreicht, was derzeit von den Krankenkassen (unter Hinweis auf die infolge der Sektorengrenzen nicht zu gewährleistende Gegenfinanzierung) offensichtlich nicht umgesetzt werden kann.

Ergänzende Informationen zum Modellprojekt SUPPORT finden Sie auch im
Internet unter der URL http://come.to/SUPPORT.

Für Rückfragen, Kommentare und weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:

AG SUPPORT, der ÄKN

c/o Zentrum Anaesthesiologie, Rettungs- und Intensivmedizin
Georg-August-Universität
Waldweg 35, 37073 Göttingen

Palliative-Care-Team-Hotline:
PCT-Büro: (05 51) 39 61 11
PCT-Handy: (01 72) 52 57 870

Koordinatinationsbüro:
Telefon: (05 51) 39 40 69
Fax: (05 51) 39 31 89
Email: pctgoe@gwdg.de
Internet: http://come.to/SUPPORT
 

 
Alle Inhalte © Hannoversche Ärzte-Verlags-Union 1998-2001.
Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am: 11.06.2001.

Design by Tim Schmitz-Reinthal, webmaster@haeverlag.de.