aktualisiert am: 05.06.2002
niedersaechsisches aerzteblatt
 

06/2002


Mit der "Politik der kleine Schritte" viel erreicht:

Hannelore König führt künftig den Bundesvorstand des Berufsverbands der Arzt-, Zahnarzt- und Tierarzthelferinnen an


Eigentlich wollte sie Bio-Ingenieurin werden, nun bildet Hannelore König zusammen mit Karin Beck-Oevermann den geschäftsführenden Vorstand in der Führungsspitze des Berufsverbandes der Arzt-, Zahnarzt- und Tierarzthelferinnen (BdA). Dort ist sie besonders für die administrative Seite der Arbeit zuständig und arbeitet im Vorstandsteam zusammen mit der Präsidentin Sabine Rothe und deren Stellvertreterinnen Heike Wolfram und Ute Lietz.

Der Hartmannbund hat Hannelore Königs Aussagen in einem Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" ("Es muß mehr Geld für das Gesundheitssystem zur Verfügung gestellt werden") in einer jüngst verbreiteten Presseerklärung aufgegriffen. Dazu König im Interview mit dem niedersächsischen ärzteblatt: "Unser gewählter Leitsatzâ âMiteinander verantwortungsvoll in die ZukunftÔ richtet sich an alle. Wir wollen uns öffnen, Partner suchen, Bündnispartner, um vieles gemeinsam zu verfolgen, wie wir es hier im Land im Bündnis Gesundheit 2000 auch schon gemacht haben, aber auch auf Bundesebene. Und wir wollen natürlich auch miteinander Arzt-, Zahnarzt- und Tierarzthelferinnen wachrütteln. Nach dem Motto: âWir können zwar verhandeln, aber wenn die einzelne Kollegin in der Praxis mit ihrem Chef nicht umsetzen kann, kommen wir auch nicht weiter.Ô Wir wollen einfach das Bewußtsein wecken, daß jede Kollegin auch für sich selbst Verantwortung übernehmen muß."

König, die nach dem Abitur 1981 zunächst Meß- und Regelmechanikerin werden wollte, und - wie sie sagt - "als Frau damals der Quote zum Opfer gefallen ist", weil der ausgesuchte Betrieb in dem Jahr keine Mädchen nahm, entschied sich dann für eine Ausbildung in einer Stader Kinderarztpraxis, bestand die Prüfung mit "sehr gut". Der frühere Geschäftsführer der Bezirksstelle Stade der Ärztekammer Niedersachsen, Alfred Kloss, habe dann zu ihr gesagt: "Es müßte doch hier oben im Norden eigentlich vom Berufsverband mal wieder was laufen" - woraufhin sie mit einer ehemaligen Mitschülerin aus der Arzthelferinnenklasse begann, aus ihrer Klasse die Bezirksstellenarbeit des BdA zu organisieren. Ihre Erfahrungen mit der Ärztekammer beschreibt Hannelore König, Mutter von zwei Kindern und nun seit acht Jahren Landesvorsitzende des BdA in Niedersachsen, als "optimal" - "In meinen zurückliegenden Jahren habe ich mit der Ärztekammer sehr konstruktiv zusammengearbeitet. Das ist wirklich hervorragend gewesen, sowohl im Berufsbildungsausschuß als im Bündnis und in anderen Fragen."

Im September wird nun in Niedersachsen eine neue Landesvorsitzende gewählt. Befragt, ob sie ihrer Nachfolgerin so etwas wie eine "Empfehlung" aufgrund der eigenen langjährigen Arbeit mitgeben könne, sagt Hannelore König: "Meine Strategie ist eigentlich immer gewesen, in kleinen Schritten vorwärts zu gehen. Und wenn man dann mit kleinen Schritten einen Erfolg erreicht hat, nicht immer schneller zu werden, sondern auf dem Erfolg erst einmal auszuruhen, evtl. auch ein Stück an die Seite zu gehen und abzuwarten und dann wieder in kleinen Schritten weiter voranzugehen. Was ich der Kollegin auf alle Fälle mit auf den Weg geben würde, ist zu lernen, daß man in der Berufs- und Bildungspolitik einen langen Atem braucht. Ich denke, das sind Erfahrungen, die auch hier die Präsidentin und der Präsident gemacht haben. Bis man in der Politik Aufmerksamkeit erreicht und etwas bewegt, muß man viele Gespräche führen und kontinuierlich immer wieder am Ball bleiben. Man muß einfach lernen, daß Dinge dauern, bis sie umgesetzt sind, daß etwas noch durch eine Kammerversammlung genehmigt und beim Ministerium eingereicht werden muß und erst mit der Veröffentlichung in Kraft tritt. Da kann ganz schnell viel Zeit vergehen, ein halbes Jahr ist nichts. Ich weiß, daß allein für das neue Berichtsheft im Berufsbildungsausschuß fünf Jahre Überzeugungsarbeit notwendig waren. Ein Ziel kontinuierlich und mit Geduld zu verfolgen, ist das Wichtigste, was neue und auch junge Kolleginnen erst lernen müssen, wenn sie in diesem Bereich aktiv werden."

Die Zukunft des Arzthelferinnen-Berufs sieht sie positiv - wenngleich Reformen dringend nötig sind: "Wir brauchen nicht nur eine Änderung der Erstausbildung, wir brauchen hier im Land ein Qualifizierungsangebot für alle Mitarbeiterinnen in den Arztpraxen. Die Arzthelferin ist im Prinzip die Managerin in der Praxis und zwar managt sie alles, was zwischen Arzt und Patient geregelt werden muß. Vom klassischen Helferinnenberuf ist das inzwischen weit weg. Und es wird, wenn wir realistisch in die Zukunft schauen, noch mehr. Wenn man über Disease-Management-Programme nachdenkt und was dabei an Aufklärungsarbeit schon in der Anmeldung zu leisten ist. Denn schon dort müssen die Patienten wissen, was eigentlich hinter diesen Programmen steckt und wie sie sich einschreiben können. Wer als Arzt jetzt clever ist, sollte seine Arzthelferin rechtzeitig qualifizieren, um diese Aufgaben - die sehr zeitintensiv sein werden - zu delegieren."

Nach der Reform der Ausbildung für die Zahnarzthelferinnen - jetzt: Zahnmedizinische Fachangestellte - würde sie gern bis zum 1. August 2004 die Neuordnung der Arzthelferinnen-Ausbildung erreicht haben: "Bei der Zahnmedizinischen Fachangestellten ist das Neuordnungsverfahren einfacher gewesen, denn das medizinische Spektrum der Arztpraxis ist wesentlichumfangreicher. Bei den Arzthelferinnen ist es wichtig, daß man die Allround-Kraft erhält, aber auch die Besonderheiten der Facharztpraxen in gewissem Rahmen berücksichtigt." Dabei soll die Ausbildungsordnung nach ihren Vorstellungen künftig flexibler sein: "Sie sollte so flexibel formuliert werden, daß Gesetzesänderungen im Gesundheitswesen praktisch automatisch mit berücksichtigt werden können und Berufsschulen nicht erst warten müssen, daß neue Inhalte durch eine Novellierung realisiert werden müssen. Ich denke, es ist der Part des BdA, darauf zu achten, daß die Schlüsselqualifikation auch angehoben wird und daß man sich nicht zu sehr einengt." Der BdA wird Anfang Juni 2002 die ersten Gespräche auf gewerkschaftlicher Ebene mit Ver.di führen, so daß im Herbst die gemeinsamen Gespräche mit der Bundesärztekammer starten können."

Daß dieser Part mit Beharrlichkeit bedient wird, darauf kann man sich bei Hannelore König, zu deren Hobbies neben Kindern und Garten das Handballspiel gehört, verlassen.

Die Ärztekammer Niedersachsen dankt der scheidenden Landesvorsitzenden des BdA für konstruktive Zusammenarbeit und wünscht ihr in Ihrer künftigen Tätigkeit gute Erfolge.

Das Gespräch mit Hannelore König führte Raimund Dehmlow.
 
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