aktualisiert am: 06.06.2002
niedersaechsisches aerzteblatt
 

06/2002


SUPPORT-News:

Beachtenswerte Erfolgsbilanz: Erneute Auszeichnung für das Modellprojekt der Ärztekammer



Im Jahr 1995 hatte die Ärztekammer Niedersachsen das Modellprojekt "SUPPORT" zur Verbesserung der ambulanten palliativmedizinischen Versorgung terminal kranker Tumorpatienten initiiert. Realisiert wurde dieser innovative, sektorenübergreifende Versorgungsansatz von einer interdisziplinären Arbeitsgruppe unter der Leitung von Dr. Franz Bernhard M. Ensink und
Dr. Gerd-Gunnar Hanekop am Zentrum Anaesthesiologie, Rettungs- und Intensivmedizin der Universitätsklinik Göttingen (vgl. http://come.to/PCTGOE).

Das wesentliche Strukturelement von SUPPORT ist ein sog. Palliative-Care-Team (PCT). Dieses Team besteht aus schmerztherapeutisch und palliativmedizinisch geschulten Ärzten und Krankenpflegekräften. Das PCT ist an 365 Tagen im Jahr "rund um die Uhr" erreichbar und steht auf Anforderung durch die Tumorpatienten, deren Angehörige, sowie durch die jeweils betreuenden Ärzte und Pflegedienste für Beratung und (soweit indiziert und gewünscht) für symptomkontrollierende Interventionen zur Verfügung. Dadurch wird palliativmedizinische Expertise nicht nur im direkten Umfeld einer Universitätsklinik, sondern in der gesamten angrenzenden Region auch für die ambulante Patientenversorgung verfügbar. Die Betreuung der Tumorpatienten in ihrer häuslichen Umgebung erfolgt dabei stets in enger Zusammenarbeit der PCT-Mitglieder mit den Angehörigen, den niedergelassenen Ärzten und ambulanten Pflegediensten.

Nachdem in der letzten Ausgabe des niedersächsischen ärzteblattes gerade erst über die Verleihung des bereits sechsten, Preises an SUPPORT berichtet wurde, gibt die Ärztekammer Niedersachsen mit Stolz bekannt, daß das Projekt in der Zwischenzeit auch noch den mit 6.000 Euro dotierten und von der Mundipharma GmbH (Limburg) gestifteten "SERTÜRNER PREIS 2001" erhalten hat.
Verliehen wird dieser Preis von der Sertürner Gesellschaft e.V., Einbeck. Diese wissenschaftliche Fachgesellschaft ist ein Zusammenschluß von Forschern und Klinikern, die sich mit Fragen der Schmerztherapie und Anaesthesiologie beschäftigen. Die Gesellschaft ist 1982 im Andenken an den Apotheker Friedrich W. A. Sertürner (1783-1841) gegründet worden, der 1804 aus Opium Morphium isoliert und dadurch wesentlich zur klinischen Schmerztherapie und zur Entwicklung der Anaesthesiologie beigetragen hat.

Die Verleihung des renommierten SERTÜRNER PREISES fand im April im Rahmen eines wissenschaftlichen Workshops zum Thema "Update Opioide" in Castrop-Rauxel statt; namentlich wurden durch Prof. Dr. Michael Zenz (Bochum), dem Präsidenten der Sertürner Gesellschaft e.V., die beiden bisherigen Projektleiter von SUPPORT, Dr. Franz-Bernhard M. Ensink und Dr. Gerd-Gunnar Hanekop, für "besondere Leistungen auf dem Gebiet der Schmerztherapie" ausgezeichnet. Das Preisgeld mußte sich SUPPORT allerdings mit einer Arbeitsgruppe österreichischer und amerikanischer Forscher teilen, deren Untersuchungen ebenfalls prämiert wurden. Wie in der Vergangenheit bei allen bisherigen Auszeichnungen haben die beiden Göttinger Preisträger auch diesmal wieder ihren jeweiligen Anteil am Preisgeld in voller Höhe für die Fortsetzung des Modellprojektes zur Verfügung gestellt.

Obwohl mit dem "SERTÜRNER PREIS 2001" der innovative und bundesweit beispielhafte SUPPORT-Ansatz nun bereits zum siebten Mal mit einer national ausgeschriebenen Auszeichnung prämiert wurde, sind die Krankenkassenverbände in Niedersachsen bislang nach wie vor nicht motiviert, in Fortsetzung einer mehrjährigen Anschubförderung aus Bundesmitteln das erprobte und von einer Vielzahl von Bürgerinnen und Bürgern für sinnvoll erachtete Versorgungskonzept weiter zu finanzieren.

Wegen dieser Entscheidung der Krankenkassenverbände hat sich aber in der Bevölkerung Südniedersachsens - in allen Alters- und Berufsgruppen sowie aus allen sozialen Schichten - erheblicher Widerstand gegen das drohende "Aus für SUPPORT" formiert. An einer auch von den Medien breit unterstützten Unterschriftenaktion für den Erhalt von SUPPORT haben sich bislang über 38 000 Bürgerinnen und Bürger beteiligt.
Erfreulicherweise hatte der Niedersächsische Minister für Wissenschaft und Kultur, Thomas Oppermann, auf einer Pressekonferenz im Februar 2002 eine finanzielle Unterstützung der Landesregierung zur Fortführung von SUPPORT in Aussicht gestellt. Dieser Wechsel des Sponsors hat zur Konsequenz, daß das "Folgeprojekt" nunmehr unter der Leitung von Prof. Dr. Dietrich Kettler von der Universität Göttingen betrieben wird.
Auf der jüngsten Kammerversammlung deutete Prof. Kettler als zukünftiger neuer Projekleiter einige konzeptionelle Modifikationen bzw. Einschränkungen des bisherigen regionalen Versorgungsumfanges an. Angesichts dieser Änderungen wollte sich die Mehrheit der Delegierten auf der letzten Kammerversammlung erst dann mit einer Entscheidung über eine Fortsetzung des Kammerengagements bei SUPPORT befassen, wenn von Prof. Kettler eine konkrete inhaltliche Planung für das Folgeprojekt vorgelegt wird.

Bis Mitte Mai 2002 war dieses Folgeprojekt allerdings noch nicht angelaufen. Deswegen mußte die Aufrechterhaltung des bisherigen Betreuungsangebotes auch im Mai noch über Spenden sichergestellt werden. Vor diesem Hintergrund ist eine gemeinschaftliche Spende aller Göttinger Rotary-Clubs in Höhe von 10 000 Euro als äußerst hilfreich anzusehen, die von dem Göttinger Apotheker Dr. Gerhard Eisler auf einer Pressekonferenz am 22. April in Göttingen an Prof. Dr. Heyo Eckel übergeben wurde. Der stolze Betrag war anläßlich des gemeinsamen Neujahrsempfanges aller Göttinger Rotary-Clubs für SUPPORT gespendet worden.

Da aber selbst großzügige private Spenden und auch die Unterstützung der Landesregierung immer nur passagere Lösungen darstellen und derzeit auch nur der Region Südniedersachsen zugute kommen, bleiben die verantwortlichen Entscheidungsträger der Verbände der Gesetzlichen Krankenkassen in Niedersachsen gefordert, für das von den betroffenen Patienten und ihren Angehörigen voll akzeptierte und als sehr hilfreich empfundene palliativmedizinische Betreuungskonzept eine gesicherte Finanzierung zu finden, damit die bislang defizitäre Versorgung in diesem Bereich langfristig verbessert werden kann.
Zuversichtlich stimmt in diesem Zusammenhang eine Meldung im Göttinger Tageblatt vom 19. April 2002, derzufolge Niedersachsens Sozialministerin Dr. Gitta Trauernicht in ihren Gesprächen mit der niedersächsischen AOK-Chefin Christine Lüer über eine Projektfinanzierung Anzeichen dafür sieht, "daß die Übergangslösung für SUPPORT eine dauerhafte Lösung werden kann".

Bis eine adäquate Lösung gefunden ist, sollten die Bürgerinnen und Bürger ihre Vorstellungen über die Ausgestaltung unseres Gesundheitssystems jedoch auch weiterhin unmißverständlich öffentlich zum Ausdruck bringen. Deswegen wird die Unterschriftenaktion für den Erhalt von SUPPORT bis auf weiteres auch in anderen Regionen Niedersachsens fortgesetzt. Alle Ärztinnen und Ärzte der Kammer bleiben aufgefordert, diese Aktion auch weiterhin durch entsprechende Aktivitäten in ihrem persönlichen Umfeld zu unterstützen. Von der Homepage des Projektes unter http://come.to/PCTGOE kann man sich dazu die vorbereitete Unterschriftenliste downloaden, ausdrucken und in der Praxis, im Krankenhaus, an anderen Arbeitsplätzen oder im Bekanntenkreis unterzeichnen lassen.

Ausgefüllte Unterschriftenlisten sollten bitte zurückgeschickt werden an die:
Arbeitsgruppe SUPPORT,
Waldweg 35, 37073 Göttingen.
Über diese Adresse oder per Email an
mbautz@gwdg.de sowie unter
(05 51) 39 40 69 können die Unterschriftenlisten auch jederzeit angefordert werden.


Für Rückfragen, Kommentare und weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:

AG SUPPORT, der ÄKN

c/o Zentrum Anaesthesiologie, Rettungs- und Intensivmedizin
Georg-August-Universität
Waldweg 35, 37073 Göttingen

Palliative-Care-Team-Hotline:
PCT-Büro: (05 51) 39 61 11
PCT-Handy: (01 72) 52 57 870

Koordinatinationsbüro:
Telefon: (05 51) 39 40 69
Fax: (05 51) 39 31 89
Email: pctgoe@gwdg.de
Internet: http://come.to/SUPPORT
 

 
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