aktualisiert am: 04.07.2001
niedersaechsisches aerzteblatt
 

07/2001


Internet und Neue Medien

Virtuelle Universität - Virtuelles Lernen

Nur langsam hält das virtuelle Lernen Einzug in die Hochschulen, berichtete die "Ärzte-Zeitung" am 5. Juni, und berief sich dabei auf eine Studie des Instituts für Wissensmedien der Tübinger Universität. Vor allem diejenigen Studenten, die schon vorher Erfahrungen im Umgang mit Computern gehabt haben, nutzen entsprechende Lernangebote. Aber auch bei Professoren sind, laut Ralf Stockmann vom Zentrum für interdisziplinäre Medienwissenschaft der Universität Göttingen, Vorbehalte und Verweigerungshaltung zu überwinden. Bislang sind es hauptsächlich die Informatiker und Naturwissenschaftler, die virtuelle Lernangebote für den Einsatz an der Hochschule entwickeln, wobei diese einseitig auf ihre Fächer zugeschnitten sind.
Einen bündigen Überblick über "den Komplex Virtuelle Universität Ð Virtuelles Lernen" liefert das gleichnamige, jetzt im Münchner Oldenbourg Verlag erschienene Buch von Prof. Dr. Rolf Schulmeister (469 S., ISBN 3-486-25742-0). 150 virtuelle Universitäten werden vorgestellt, die didaktische Qualität von On- und Offline-Lernmaterialien kritisch reflektiert und die zukünftige Entwicklung aufgrund der empirischen Darstellung der gegenwärtigen Situation prognostiziert.
Einen Schub dürfte die Entwicklung durch den Kongress der Entwickler medizinischer Lernsoftware erhalten, der vom 31.7.-4.8. in München stattfindet (Das Programm findet man unter
http://www.slice.gsm.com/.
Neben grundsätzlichen Fragestellungen wie die nach einer "E-Health Ethic" (Ref. Doerup) oder "Bringing Lifelong Learning to the Clinical Practice" (Ref. Reng) ist der Vorstellung praktischer Anwendungen breiter Raum vorbehalten, z.B. mit der Vorstellung von NEUROsuite, einem computerbasierten Konzept zur Visualisierung der Morphologie des Gehirns.
Auch in niedersächsischen medizinischen Studieneinrichtungen reifen Vorstellungen zur Umsetzung des Lernens und Lehrens mit neuen Medien, über die wir in den nächsten Ausgaben des nä an dieser Stelle berichten wollen.
Einen ersten Einblick über existierende Angebote in diesem Bereich, die allerdings für den Bedarf niedergelassener Ärztinnen und Ärzte wenig praktisch verwertbares zu bieten haben, finden Sie unter:
http://www.azg.de/fortbildinterakt.htm
und http://www.mh-hannover.de/institute
-low


Qualitätsmanagement via Internet

Die Ärztliche Zentralstelle Qualitätssicherung hat ein internetbasiertes Informations- und Fortbildungsprogramm zum Qualitätsmanagement in der ambulanten Versorgung eingerichtet. Unter der Adresse http://www.q-m-a.de erwartet den Nutzer ein über 120 Seiten starkes Nachschlagewerk, das sich nicht nur an Neueinsteiger richtet, sondern auch Kundigen einen wertvollen Überblick über die Materie bietet. Nach einer allgemeinen Einführung werden zunächst Definitionen von Qualitätsbegriffen diskutiert. Hier geht es um Formen des Qualitätsmanagements, aber auch um die Notwendigkeit und mögliche Ziele von Qualitätsmanagement in Klinik und Praxis. Umfassend dargestellt werden die Anforderungen an ein Qualitätsmanagement aus der Sicht des Patienten. Weiter geht es um nützliche Instrumente zur Beurteilung von Qualität. Dabei werden unter anderem die Begrifflichkeiten, Kriterien und Indikatoren vorgestellt, etwa Leitlinien, Richtlinen und Standards voneinander abgegrenzt. Kapitel sechs stellt Akkreditierungs- und Zertifizierungsprogramme vor, die bereits Anwendung finden. Der inhaltliche Schwerpunkt liegt dabei auf Zertifizierungsmodellen in der ambulanten Versorgung, die in ihren Vor- und Nachteilen diskutiert werden. Auch hier schließt sich eine Link- und Literatursammlung an.

Ergänzt wird das Programm durch eine umfassende Literatursammlung und eine ausgedehnte Verlinkung zu den laufenden Programmen und Projekten im Bereich Qualitätsmanagement. Verwiesen wird auf mehr als 1.000 Originalarbeiten und Übersichtsartikel zum Thema Qualitätsmanagement. Dennoch will Q-M-A die Fachliteratur zum Thema nicht ersetzen, sondern will als komprimiertes Informationsangebot verstanden werden, das einen Überblick über QM-Konzepte und -Projekte in der ambulanten Versorgung gibt.


Yahoo jetzt speziell für Ärzte

Kennen Sie das auch Ð das Internet mit seinen schier unbegrenzten Möglichkeiten ist frei zugänglich Ð aber auf der Suche nach speziellen Informationen verfransen Sie sich von einer zur anderen Seite? Damit stehen Sie nicht allein. Einer Emnid-Studie zufolge betrachten immer mehr Ärzte das Internet als wichtiges Informationsmedium. Doch nur 24 Prozent von ihnen surfen regelmäßig. Der Grund: Die Unübersichtlichkeit des Angebotes macht Internetrecherchen für viele Ärzte einfach zu zeitaufwendig.

Der Internet-Service "Yahoo" hat darauf jetzt reagiert und gemeinsam mit MSD Sharp & Dohme ein kostenloses Internet-Portal speziell für Ärzte ins Netz gestellt, das Mediziner in ihrem Alltag unterstützen soll. Sein Vorteil liegt in dem schnellen Zugriff auf Studien- und Kongreßberichte, Hintergrundinformationen, medizinische Datenbanken und einen Expertenrat. Unter "Aktuell" finden sich Nachrichten aus der medizinischen Tagespresse und aktuelle News führender Nachrichtendienste. Daneben bietet das Portal so nützliche Werkzeuge wie einen E-Mail-Account, einen Terminkalender und die Möglichkeit, häufig besuchte Internetseiten zu "bookmarken". Eher in den privaten Bereich gehören Rubriken wie etwa die Wettervorhersage oder Aktienchecks.

Für die Teilnahme ist allerdings eine Anmeldung erforderlich, die eine ganze Reihe persönlicher Daten abverlangt. Und die gehen dann in die MSD-Ärztedatei.


Verbraucherschützer warnen vor Patienten-Zufriedenheits-Index

Seit dem 1. Mai 2001 stehen die Hausärzte auf dem Prüfstand: Die Kieler "Stiftung Gesundheit" hält einen Bewertungsbogen im Internet bereit, über den Patienten ihren Ärzten Schulnoten geben können. Jetzt warnte der Rat der Verbraucherzentralen vor der Aktion.

Da die Ergebnisse vorerst nicht arztbezogen im Netz veröffentlicht werden sollen, hätte der Patient nichts davon, bei der Aktion mitzumachen. Er erfahre nicht, wie "sein" Arzt letztlich abgeschnitten hat. Stutzig machte die Verbraucherschützer aber auch, daß der Fragebogen Daten abfragt, die für die Bewertung der Praxis gar nicht relevant sind - etwa Einkommen, Beruf und Alter des Patienten. Mit der Gesamtheit der Daten sei es möglich, einzelne Patienten aus Arztpraxen zu identifizieren. Und besonders bedenklich sei die Frage nach der Bereitschaft des Arztes, Krankschreibungen auszustellen.
r.
 
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