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07/2002 |
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In einer Sternzeichen-Typologie menschlicher Eigenschaften heißt es über den "Krebs" (21. 6. bis 21. 7.): "Abhängige oder untergeordnete Positionen liegen ihm nicht." Wer - bei allem Vorbehalt gegenüber derartigen astro-analytischen Blaupausen - solchen Charaktermodellen zuneigt, findet sich beim Ehrenpräsidenten der Ärztekammer Niedersachsen, Prof. Dr. med. Gustav Osterwald, durchaus bestätigt. In der umfangreichen standespolitischen Biographie des Facharztes für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde summieren sich die von ihm bekleideten Ämter im Range eines Präsidenten oder Vizepräsidenten sowie als Vorsitzender zu einer eindrucksvollen Größe standespolitischer Aktivitäten - zumeist in Führungspositionen eben. Sie ist zugleich Dokument einer inneren Einstellung des aus dem Lehrter Ortsteil Aligse nahe Hannover stammenden Wahl-Oldenburgers, der auf den verschiedensten Ebenen der berufsständischen Selbstverwaltung seine große Chance sah, mit den und für die Kolleginnen und Kollegen seines Berufsstandes "was zu reißen". Es waren vor allem die zahlreichen Schnittstellen, an denen sich in der Begegnung mit den jeweiligen Adressaten und Partnern (Standes-)Politik gestalten ließ: auf lokaler und regionaler Ebene als Vorsitzender der ÄKN- und KVN-Bezirksstelle Oldenburg (1984 bis 1989 bzw. 1973 bis 1988), mit der Chance, in unmittelbarem Kontakt mit den Kollegen vor Ort die dortigen standespolitischen Probleme zu lösen; als Präsident der Ärztekammer Niedersachsen (1978 bis 1990) und als langjähriges KVN-Vorstandsmitglied mit besten Kontakten zu den Repräsentanten der niedersächsischen Landespolitik aller Parteien und den einschlägigen gesundheits- und sozialpolitischen Institutionen sowie den niedersächsischen Stätten von Lehre und Forschung in der Medizin - vornehmlich in Hannover und Göttingen; als Vizepräsident der Bundesärztekammer (1979 bis 1991) mit Orientierung auf die Bundespolitik und Ausrichtung auf die - damals noch erst in Ansätzen spürbare - Europapolitik. Ein Beispiel dafür, daß auf diesen Ebenen integrale Standespolitik möglich war, ist das Konzept der medizinischen Katastrophenhilfe, für die Osterwald als einer der Väter nicht nur in Niedersachsen gilt. Von der Gestaltung des ärztlichen Katastrophenschutzes bei den Landkreisen und kreisfreien Städten, über die Katastrophenschutzplanung des Landes bis hin zur unerläßlichen (Rahmen-)Kooperation auf Bundesebene reichten die Aktionszonen, in denen er ein in der Öffentlichkeit durchaus unpopuläres Thema mit Erfolg durchzusetzen vermochte. Heftige publizistische Schelte und Anfeindungen hatte er dafür oft genug einzustecken. Die ihm eigene, profunde Sachkenntnis, gepaart mit dem passenden und treffsicheren Argument sowie mancher spitzen oder ironischen Randbemerkung beeindruckten auch bei anderen standespolitischen Schwerpunktthemen, denen sich der bekennende Freiberufler mit eigener Kassenarztpraxis verschrieben hatte. Mit den Prädikaten Beständigkeit, Einsatzfreude, Entschlossenheit und Zielstrebigkeit stand und steht der Name Osterwald in diesem Sinne auch für die Qualitätssicherung der ärztlichen Berufsausübung und die Medizin-Ethik, ein Thema, dem er als Mitbegründer des Arbeitskreises der Medizinischen Ethikkommissionen in der Bundesrepublik Deutschland zu einer wichtigen Plattform verhalf. Als sich Anfang Juli 1982 zur Feier seines 60jährigen Geburtstags zahlreiche Repräsentanten des öffentlichen Lebens im Vortragssaal des Ärztehauses Hannover drängten, wurde erkennbar, wie vielfältig die zahlreichen, zugleich auch freundschaftlichen Kontakte waren, die zugleich auch das hohe, von Osterwald mitgeprägte Ansehen der Ärztekammer Niedersachsen in der Öffentlichkeit widerspiegelten. Sein damaliger Amtsbruder und enger Freund, der KVN-Vorstandsvorsitzende Prof. Dr. med. Ernst-Eberhard Weinhold, faßte seine Laudatio mit folgenden Worten zusammen: "Die Ärzteschaft hat einen Mann für sich gewonnen, die Bürger und Repräsentanten unseres Landes einen sachverständigen Gesundheits- und Sozialpolitiker, und ich habe einen Freund an meiner Seite; und das ist viel in dieser Zeit!" Das sind sehr persönliche, Dank und Anerkennung ausdrückende Worte, wie sie zumeist nur sich sehr nahestehenden Menschen zukommen. Andere nutzten dafür ein vielfältiges Instrumentarium von Orden und Auszeichnungen, die auch Prof. Osterwald in vielfältiger Form zuteil geworden sind. So ehrte ihn das Land 1982 mit dem Verdienstkreuz Erster Klasse des Niedersächsischen Verdienstordens. Der Bund würdigte seine Verdienste mit dem Verdienstkreuz Erster Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (1987) und drei Jahre später, 1990, mit dem Großen Verdienstkreuz des Verdienstordens. Der Hartmannbund, die zweite standespolitische Heimat des passionierten Waidmannes Osterwald, überreichte ihm die Hartmann-Thieding-Plakette, der Bundesärztekammervorstand schließlich sah in Prof. Osterwald einen verdienstvollen Arzt, der der höchsten Auszeichnung der deutschen Ärzteschaft, der Paracelsus-Medaille, würdig sei. Prof. Dr. med. Karsten Vilmar, seinerzeit noch Präsident der Bundesärztekammer, hängte ihm diese Medaille 1992 anläßlich des 95. Deutschen Ärztetages in Köln um. Am 1. Juli feierte Prof. Dr. Gustav Osterwald bei guter Gesundheit seinen 80. Geburtstag. Das niedersächsische ärzteblatt gratuliert auf das herzlichste. rhy | ||||||
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