aktualisiert am: 08.07.2002
niedersaechsisches aerzteblatt
 

07/2002


Arzneimittelversorgung: Ersatzkassen setzen auf Qualität


Der jüngste Honorarabschluß zwischen Ersatzkassen und Kassenärztlicher Vereinigung Niedersachsen (KVN) stellt einen wichtigen Schritt in den Vertragsbeziehungen der Parteien dar, weil erstmals die Qualität der Versorgung ausdrücklicher Bestandteil einer Vergütungsvereinbarung ist.

Das Vertragswerk sieht den Aufbau spezieller Qualitätszirkel zur Pharmakotherapie in Niedersachsen vor, an denen sich bis zu 1.090 niedersächsische Arztpraxen in diesem und im kommenden Jahr beteiligen können. Insgesamt stehen für das Projekt mehr als 1,5 Millionen Euro zur Verfügung. Auf Basis der von den Ersatzkassen gelieferten arztindividuellen Verordnungsdaten analysieren die Ärzte im kollegialen Gespräch und unter fachkundiger Moderation ihre bisherige Verordnungsweise. Das Göttinger Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen (AQUA) von Prof. Dr. Joachim Szecsenyi bildet die Moderatoren aus, die aus dem Kreis der Ärzte gewonnen werden. Darüber hinaus stellt das Institut wissenschaftlich fundierte Arbeitsmaterialien zur Verfügung.

Bislang haben bereits rund 900 Ärztinnen und Ärzte ihr Interesse an den Qualitätszirkeln zur Pharmakotherapie bekundet. Auch die entsprechenden Informationsveranstaltungen haben große Resonanz gefunden, so daß die angestrebte Teilnehmerzahl voraussichtlich schon in diesem Jahr erreicht wird. Damit bestätigt sich, daß das neue Angebot auf die Bedürfnisse der niedergelassenen Ärzteschaft zugeschnitten ist. Es beruht auf Freiwilligkeit, fördert die Eigeninitiative und setzt auf partnerschaftliche Zusammenarbeit. Die Daten der teilnehmenden Ärzte bleiben ebenso anonym wie die Gesprächsinhalte.

Gegenstand der Zirkelarbeit ist sowohl die qualitative Optimierung der medikamentösen Therapie als auch die Steigerung von Effizienz und Wirtschaftlichkeit. Angesichts der seit Jahren überproportional steigenden Arzneimittelausgaben und der angespannten Finanzlage der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ist die Ausschöpfung aller Wirtschaftlichkeitspotenziale von großer Bedeutung. Dabei geht es nicht nur darum, die Zahl der Verordnungen zu reduzieren oder die Verschreibung teurer Präparate zu vermeiden. Mit dem Projekt werden den Ärzten vielmehr konkrete Ansatzpunkte und praktische Hinweise gegeben, um ihr Verordnungsverhalten im Sinne der medizinischen Notwendigkeit zu optimieren. Die Ersatzkassen gehen damit auch auf Anregungen der Ärzteschaft ein. Durch Instrumente zur Analyse und Verbesserung des Verordnungsverhaltens bekommt die Diskussion über eine effiziente Arzneimittelversorgung einen praktischen Ansatz. Verbessert wird auch die Zusammenarbeit und der Informationsaustausch unter den Ärzten, wovon die Patientenversorgung insgesamt profitieren dürfte.

Die Ersatzkassen verstehen die neuen Qualitätszirkel als Kooperationsangebot an die Ärzteschaft. Damit soll ein konstruktiver Beitrag zur Verwirklichung des gemeinsamen Ziels einer hohen Behandlungsqualität bei vertretbaren Kosten geleistet werden. Wir hoffen auf einen Erfolg des Konzeptes in dem Maße, wie es sich durch die Zahl interessierter Ärzte bereits andeutet.

Jörg Niemann
Leiter der VdAK/AEV-Landesvertretung Niedersachsen


 
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