| Home | nä | Z-aktuell | Forum | digitalis | Bücher | Verlag | Kontakt |
| aktualisiert am: 09.07.2003 | ||||||
![]() |
07/2003 |
|||||
|
||||||
In seinem Eröffnungsgrußwort zur 51. Woche der Praktischen Medizin sagte der Kurdirektor von Langeoog, Wettstein, er habe eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute: Das Wetter bleibe die ganze Woche über gut. Die schlechte: Es gäbe kein Hitzefrei. Diese Erleichterung wäre wohl auch kaum in Anspruch genommen worden, denn das von der Akademie für ärztliche Fortbildung zusammengestellte Programm stellte die über 400 Kongreßbesucher mehr als zufrieden; sowohl Vorlesungen als auch die verschiedenen Kurse waren durchgehend bestens besucht. Ein kleines Highlight war die Möglichkeit, Ultraschall-Untersuchungen an einem Phantom durchzuführen, womit sich sogar der Begriff "Weltneuheit" verbinden ließ. Hierüber wird in einer der folgenden Ausgaben des niedersächsischen ärzteblattes noch berichtet werden. Die Vizepräsidentin der Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN), Dr. med. Cornelia Goesmann, eröffnete die unter dem Leitthema "Prävention - Die zuvorkommende Medizin" stehende Woche mit dem Hinweis, daß dieser Kongreß ohne Pharma-Sponsoring durchgeführt werde. Die ÄKN habe sich zwar auf dem diesjährigen Deutschen Ärztetag in Köln mit dem konsequenten Verbot des Pharma-Sponsorings von Fortbildungsveranstaltungen nicht durchsetzen können, die "Woche der Praktischen Medizin" zeige aber, daß es vielfach auch ohne die Industrie gehe. Dafür gab es den Beifall des Plenums. Die fünf Vormittagsvorlesungen begannen mit dem Referat von Prof. Dr. phil. Lorenz Peiffer (Universität Hannover) "Kinderwelt ist Bewegungswelt". Kinder bewegen sich heutzutage viel zu wenig, sitzen zu viel vor dem Fernseher, Computer oder Gameboy ("Der Hintern ist eingeschlafen"). Die Folgen sind fatal: Die medizinischen Daten (Übergewicht, Haltungs- und Koordinationsstörungen, Kreislaufstörungen) verschlechtern sich kontinuierlich, bei der Motorik zeigen sich gegenüber früheren Jahrgängen deutliche Defizite, und auch psychosoziale Auffälligkeiten (etwa durch Aggressivität auf den Schulhöfen) stehen nachweislich im direkten Zusammenhang mit Bewegungsmangel der Kinder. Am zweiten Vorlesungstag fesselte Professor Dr. med. Volker Pudel (Universität Göttingen) sein Auditorium mit dem Thema "Prävention durch Ernährung". "Der Mensch denkt nur hie und da rational" zitierte Pudel den Anthropologen Erich Rothacker (1888-1965). Das menschliche Verhalten wird überwiegend emotional reguliert, deshalb sind Strategien, die auf die ferne Zukunft ausgerichtet sind, häufig ohne Erfolg, zumal, wenn der Verhaltensaufwand als zu hoch erlebt wird (etwa beim Eß- und Bewegungsverhalten). Präventionsstrategien müssen deshalb nach dem Prinzip des sozialen Marketings konzipiert sein, will sagen sie müssen ein bedürfnisgerechtes "Produkt" anbieten, zu einem "Preis", den Patienten zu bezahlen bereit sind. Darüber muß die "Public Relations" informieren und die "Distribution" muß sichergestellt sein. Die Frage Wie motiviere ich meine Patienten? durchzog nicht nur den Vortrag von Prof. Pudel, sondern auch die beiden Vorträge von Dr. med. Matthias Fink (Med. Hochschule Hannover) und Dr. med. Wolf Rüdiger Klare (Diabetes-Zentrum Krankenhaus Radolfzell). Bewegungsmangel ist der Hauptrisikofaktor für die Entstehung von Stoffwechselerkrankungen, Herzkreislauferkrankungen und Erkrankungen des Bewegungsapparates. Eine im Jahre 2002 veröffentlichte Studie aus den USA (Diabetes Prevention Programm; über drei Jahre mit über 3 000 Patienten) belegt eindrucksvoll, daß moderate körperliche Bewegung zusammen mit fettarmer Ernährung beim Diabetes Typ II eine Risikoreduktion von 58 Prozent erzielen kann. Ulrich Kuhnt von der Rückenschule Hannover beschäftigte sich in seinem Vortrag mit dem Problem "Rückenschmerz", einer "Volkskrankheit", unter der in Deutschland etwa 85 Prozent der Bevölkerung vorübergehend oder dauernd leiden. Bei ungefähr 80 Prozent der Betroffenen lösen unspezifische Rückenprobleme diese Beschwerden aus, für die psychologische Mechanismen wie Distress, Depression etc. verantwortlich sind. Bei Kosten in Höhe von rund 18 Milliarden Euro hat hier das Präventionsangebot "Rückenschule" eine besondere Bedeutung. Ein mit der Betriebskrankenkasse der Deutschen Bank durchgeführtes Projekt zur Rückenschule im Betrieb zeigt bereits Erfolge durch deutlich weniger Fehlzeiten. Auch der präventivmedizinische Aspekt des Sports kam auf dem "Fortbildungseiland" Langeoog nicht zu kurz. PD Dr. med. Theodor Stemper von der Universität Düsseldorf stellte aktuelle Erkenntnisse der gesundheitsorientierten Sportwissenschaft vor und gab Empfehlungen zum richtig dosierten Ausdauer- und Krafttraining. Am Nachmittag wurde am Strand Theorie in Praxis umgesetzt: Nach einem Lauf mit Puls- und Laktatmessung unter Einschluß der eigenen Befindlichkeit wußte jeder, ob seine Belastung richtig "dosiert" war. Einer der Höhepunkte der "Woche der praktischen Medizin" war das Streitgespräch in der Inselkirche über die Hormon-Ersatztherapie (HET) bei Frauen zwischen der in Göttingen niedergelassenen Gynäkologin Dr. Anita Schmidt-Jochheim (pro) und dem Bremer Pharmakologen Professor Dr. med Peter Schönhöfer (contra). Die amerikanische HET-Langzeitstudie "WomenÕs Health Initiative" (WHI) hatte im vergangenen Jahr für viel Aufsehen gesorgt. Am Ende der zum Teil recht heftig geführten Diskussion unter Beteiligung des Auditoriums stimmten Podium und Plenum darin überein, daß Indikation und Risiken der HET streng gegeneinander abzuwägen sind, eine länger durchgeführte HET stets zu überprüfen ist und die Osteoporose keine Indikation für den Einsatz von Östrogenen darstellt. Anschrift des Verfassers: Dr. med. Thomas Suermann Sternstraße 3 37083 Göttingen | ||||||
| Home | nä | Z-aktuell | Forum | digitalis | Bücher | Verlag | Kontakt |
|
Alle Inhalte © Hannoversche Ärzte-Verlags-Union 1998-2003. Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am: 09.07.2003. Design by Tim Schmitz-Reinthal, webmaster@haeverlag.de. |