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07/2003

PRO Vertreterversammlung verabschiedet HVM-Änderungen ab 3. Quartal 2003


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CONTRA Vertreterversammlung verabschiedet HVM-Änderungen ab 3. Quartal 2003


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Pro & Contra Ergebnisse
Vertreterversammlung verabschiedet HVM-Änderungen ab 3. Quartal 2003

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Chance zur Spezialisierung nutzen

In Deutschland gibt es mehr Krankenhausbetten je Einwohner als in allen anderen Ländern Europas. Gleichzeitig werden Patienten hierzulande häufiger stationär versorgt als in den Nachbarländern, und sie verbleiben für eine Behandlung deutlich länger in der Klinik als Briten, Schweden, Franzosen und Spanier. Der Hauptgrund dafür liegt in dem bisherigen Vergütungssystem, in dem Krankenhäuser den ganz überwiegenden Teil ihrer Leistungen nach tagesgleichen Pflegesätzen abrechneten: Je länger ein Patient im Krankenhaus blieb, umso mehr Geld nahm das Haus ein.

Das Anreizsystem wird nach der Umstellung der Vergütung auf Fallpauschalen bis 2007 ein anderes sein. Unabhängig von der Verweildauer der Patienten bekommen alle Krankenhäuser künftig für eine bestimmte Leistung eine landesweit einheitliche Vergütung. Die hohen Verweildauern verlieren damit ihre betriebswirtschaftliche Attraktivität und werden sich deutlich reduzieren. Statt dessen wird das einzelne Haus bemüht sein, daß die Kosten für eine Behandlung den dafür vorgesehenen Preis nicht überschreiten. Das Bemühen der Häuser um Wirtschaftlichkeit wird somit dafür sorgen, was bisher politisch-administrativ mißlang: die Überkapazitäten in der stationären Versorgung zu reduzieren!

Die Unternehmensberatung Arthur Anderson erwartet bis 2015 einen bundesweiten Abbau der Krankenhausbetten um 35 Prozent. Der Kölner Gesundheitsökonom Karl Lauterbach plädiert auf der Grundlage eines internationalen Durchschnitts von vier Betten pro 1 000 Einwohner sogar dafür, die Zahl um mehr als 40 Prozent zu reduzieren.

Nun ist der internationale Durchschnitt nicht immer das Maß aller Dinge. Daß es in Folge der Fallpauschalen-Vergütung zu einem deutlichen Bettenabbau kommt, ist indes unter allen Beteiligten unstrittig. Selbst bei vorsichtiger Schätzung ist von einem Rückgang um 15 bis 25 Prozent auszugehen. Legt man den niedrigeren Wert zugrunde, sind von den derzeit knapp 47 000 Krankenhausbetten in Niedersachsen 7 000 entbehrlich.

Hat man diese Realität akzeptiert, gilt es, die damit verbundenen Chancen zu nutzen. Dafür müssen die Betten gezielt abgebaut werden. Soll heißen: Es kann nicht darum gehen, daß am Ende eine gleich bleibende Zahl geschrumpfter Krankenhäuser mit kleiner gewordenen Abteilungen steht. Die Perspektive ist eine Krankenhauslandschaft mit insgesamt weniger, aber dafür stärker spezialisierten und wirtschaftlich gestärkten Häusern. Bei einer Reduzierung um 7 000 Betten wird die stationäre Versorgung in Niedersachsen künftig problemlos mit 170 von zur Zeit 200 Krankenhäusern zu organisieren sein.

Von einem derartigen Strukturwandel würden alle Beteiligten profitieren. Zunächst einmal die Patienten: Experten gehen längst von einem Zusammenhang zwischen Leistungsmenge und -qualität aus. Die Patienten können vor allem bei komplizierteren Eingriffen zu Recht eine bestmögliche Versorgung in einer entsprechend spezialisierten Klinik erwarten.

Den Beitragszahlern kommt ein Konzentrations- und Spezialisierungsprozeß ebenfalls zugute: Bestimmte Vorhaltekosten fallen bei vielen kleineren Krankenhäusern mit einer Vielzahl kleiner Abteilungen stärker als bei einer Versorgung mit weniger, dafür aber größeren Einheiten an. Auch die Arbeit in den einzelnen Häusern wird sich dann besser organisieren lassen, womit auch ein positives Signal in Richtung der ärztlichen Bereitschaftsdienste gegeben würde.

Fazit: Ein Abbau von Krankenhausbetten ist als Folge des neuen Vergütungssystems unausweichlich. Und er ist richtig, weil damit kostentreibende Überkapazitäten reduziert werden. Ziel muß es sein, durch Konzentration auf weniger Häuser und durch stärkere Spezialisierung die Versorgungsqualität und Wirtschaftlichkeit zu steigern sowie die Arbeitsorganisation in den Häusern zu verbessern.


Anschrift des Verfassers:
Jörg Niemann
Leiter der Landesvertretung der Ersatzkassenverbände
VdAK/AEV
Rathenaustr. 1
30159 Hannover

Wohnortnähe gefährdet

Krankenhäuser schließen -diese Forderung der Krankenkassenverbände wird immer lauter. Die Ursache dafür sehen jene in der durch das neue Vergütungssystem, den Diagnosis Related Groups (DRG), deutlich reduzierten Verweildauer. Bis zu 30 kleinere der 204 Krankenhäuser in Niedersachsen sollen überflüssig sein.
Natürlich wird es unter den DRG zu einer Verkürzung der Verweildauer und damit zu einem Bettenabbau kommen. Aber bisher wurden ja auch Patienten und nicht Betten behandelt. Schaut man sich die demographische Entwicklung an, so zeigt sich, daß die Zahl älterer Menschen, die eine Krankenhausbehandlung in Anspruch nehmen müssen, erheblich zunehmen wird.
Wer in Niedersachsen einer starken Zentralisierung von Leistungen mit der Folge von Krankenhausschließungen in der Peripherie das Wort redet, muß sich fragen lassen, wie in Niedersachsen bei einer zunehmend älter werdenden Bevölkerung die wohnortnahe Versorgung aussehen soll. Mit dem Argument "höhere Qualität durch Zentralisierung" wird versucht, von den eigentlichen Beweggründen abzulenken. Es liegt den Kassenverbänden sehr daran, ihre Kostenstrukturen zu optimieren, aber weniger daran, wohnortnahe Versorgungsstrukturen aufrechtzuerhalten oder neu zu schaffen. Dabei ist durch die geplante Verlagerung der ambulanten fachärztlichen Versorgung in die Kliniken mit einer zusätzlichen Ausdünnung von fachärztlichen Versorgungsleistungen insbesondere im ländlichen Raum zu rechnen.

Ein besseres Konzept ist dagegen eine gelebte Kooperation der verschiedenen Leistungserbringer in einer Region. Vor den Kliniken "steht" die Architektur des so genannten Facharztportals, konstruiert entweder als Praxisverbund oder als Einrichtung der Kliniken in Kooperation mit niedergelassenen Vertragsärzten unter Nutzung der stationären Ressourcen. Der stationäre Sektor mit einer vernünftigen Leistungsabsprache folgt auf der nächsten Ebene. Natürlich muß nicht jede Klinik alles machen, aber eine gut funktionierende Grundversorgung ist auch in der Fläche zu erhalten. Ansonsten könnte sich der als "Unwort des Jahres" gebrandmarkte Begriff des damaligen Bundesärztekammerpräsidenten Professor Karsten Vilmar vom "sozialverträglichen Frühableben" doch noch als bittere Wahrheit herausstellen, indem die Wege für Notfallpatienten zu lang werden. Warum denn nicht lieber den ärztlichen Notdienst an den kleineren Häusern einrichten und durch gemeinsame Dienste die gute Qualität der Notfallversorgung sichern?
Ferner: Wo bitte soll der zunehmend dringender benötigte Berufnachwuchs noch die Grundversorgung lernen? Ein Blick auf die Weiterbildungsverhältnisse an den Universitäten liefert die deprimierende Antwort: An den hochspezialisierten Zentren wohl kaum! Wer Kliniken schließen will, denkt in erster Linie an Kostenersparnis und nicht an zukunftsfähige Versorgungsstrukturen. Dies ist ja auch einfacher, als Ideen zu einer gelebten Kooperation und Integration zu entwickeln und zu fördern.
Jeder, der Kliniken schließen will, muß unter einem gedeckelten Budget dafür Sorge tragen, daß die verbleibenden Häuser für die dann zusätzlichen Patienten auch zusätzliche Mittel erhalten. Letztendlich bedeutet jede Klinikschließung auch die Entlassung von Personal in die Arbeitslosigkeit mit den bekannten Folgen für die Opfer und die Sozialkassen.

Es darf nicht soweit kommen, daß einem gnadenlosen Preiswettbewerb die flächendeckende wohnortnahe Versorgung geopfert wird. Die dann vielleicht niedrigeren Kassenbeiträge bezahlen die auf eine stationäre Versorgung angewiesenen Patienten mit längeren Wegen, höheren Transportkosten (man besucht die älteren Patienten dann halt etwas wenigerÉ) und durchaus denkbaren gesundheitlichen Schäden (als Beispiel sei der Unfall- oder der Herzinfarktpatient genanntÉ).
Den Wert einer wohnortnahen Grundversorgung auch in der Fläche wird man dann erst schätzen lernen, wenn sie durch die Aktivitäten der Sparkommissare bei den Krankenkassen verschwunden ist.

Anschrift des Verfassers:
Dr. med. Jörg Zimmermann
Vorsitzender des Marburger Bundes
Landesverband Niedersachsen
Berliner Allee 20
30175 Hannover

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Pro & Contra Ergebnisse
Vertreterversammlung verabschiedet HVM-Änderungen ab 3. Quartal 2003

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Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am: 11.07.2003.

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