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| aktualisiert am: 08.07.2003 | ||||||
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07/2003 |
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"Haben Sie da drinnen den ganzen Laden aufgehalten mit Ihrer Fotografiererei?" - Ich? Nö. Aber verständlich, daß der alte Herr ungeduldig wird. Immer noch sind zehn Besucher vor ihm. Auf eine halbe Stunde Warten muß er sich noch einstellen. Über Mangel an Zulauf kann sich das "KV-Mobil" auf seiner ersten Station in Niedersachsen in Osnabrück nicht beklagen. Kostenlose Blutuntersuchung für jedermann - das zieht. Die Schlange reißt nicht ab. Eigentlich sollte es morgens ab zehn Uhr losgehen, doch die ersten gucken schon um halb zehn in den Bus. Dort läuft sich gerade die ärztliche Frühschicht warm. Einarbeiten im Schnellverfahren. "Also, zum Cholesterinmessen gehören die Teststreifen so rein - ja, und dann hier drücken." Verflixt, daheim in der Praxis macht so was doch die Arzthelferin É Immerhin, der Chef mißt mit. Burkhard Lütkemeyer, KV-Vorsitzender von Osnabrück, übernimmt erst mal die Station "Blutdruckmessen". Er steht voll hinter der Aktion, hat den Tag seit langem durchgeplant. Wenn alles klappt, laufen die Untersuchungen im Bus in drei Schichten, jeweils mit drei Ärzten besetzt. Und es wird klappen, da ist Lütkemeyer sich sicher. "Das sind meine persönlichen Freunde. Die lassen mich nicht im Stich." Auf seine ersten Aufrufe, bei der Aktion mitzumachen, hatte sich kaum jemand aus dem Kollegenkreis gemeldet. Erst die persönliche Nachfrage brachte dann ein Team zusammen. "Ich glaube, viele Kollegen haben noch gar nicht erfaßt, um was es derzeit eigentlich geht", meint Lütkemeyer. Den Leuten gehtÕs um ihre Gesundheit. Manch einer läßt im Bus gleich seine ganze Krankengeschichte vom Stapel. Die Ärzte nehmen sich Zeit, hören geduldig zu, erklären die Meßwerte. "Also - da gibt es das HDL, das ist das wirklich gefährliche Cholesterin. Und dann das LDL, das ist nicht so ein Problem." Die Patientin nickt. Na ja, insgesamt sind die Werte ja in Ordnung. Wie bei den meisten, die den Bus verlassen. Doch bei ein paar Kandidaten sieht die Sache nicht so gut aus. "Gehen sie besser mal zum Arzt", bekommen sie mit auf den Weg. Eine Dame schaut zufrieden auf ihren Untersuchungszettel. Alles in Ordnung. Na, kein Wunder. "Wußten Sie, daß eine Papaya fünf mal so viel Vitamine hat wie eine Kiwi? Davon esse ich jeden Tag eine, wenn es geht. Man kann ja was machen für seine Gesundheit. Aber wenn ich bei mir im Haus so rumschaue - viele laufen doch wegen jeder Kleinigkeit gleich zum Arzt." Sie schwört auf die alten Hausmittel. Bei einer Erkältung einfach einen getragenen Strumpf um den Hals wickeln - wie früher. "Das wirkt!" Ob man so das Gesundheitswesen retten kann? Ein Senior im Jogginganzug verteilt im Bus konkrete Ideen. Wer was tut für seine Gesundheit, joggen oder so, der sollte doch weniger bezahlen müssen für die Krankenkasse. Oder? Und wer raucht, zahlt eben mehr. Auch die Aktion selbst erntet Kritik. "Was das alles kostet!" schimpft ein Mann. "Das Geld wird sinnlos verpulvert in der Medizin. Und jetzt das noch! Wollen Sie den Ärzten Konkurrenz machen?" Es sind vorwiegend ältere Semester, die sich in die Reihe stellen. Manche von ihnen sind mit ihren Gesundheitswerten eh auf Du und Du, wollen sich nur mal vergewissern, daß noch alles stimmt. Jüngere sind in der Minderzahl. Aber bei den Kleinsten kommt die KV gut an. Um die kümmert sich Klaus Ihbe, der Busfahrer. Seine Luftballons gehen weg wie warme Semmeln. Zwei Punkerinnen diskutieren lebhaft, lassen sich aber nicht in den Bus locken. "Was soll ichÕn da? Meine Mutter isÕ doch selber Ärztin." Andreas Grewe, Mitarbeiter der KV Osnabrück, ist verblüfft. "Eben hast Du doch gesagt, die arbeitet im Krankenhaus!" "Ja klar doch. Meinste etwa, die putzt da?" Na, daher vielleicht die magentafarbene FrisurÉ? Grewe grinst. Er hat zusammen mit seinem Kollegen Norbert Wrase den Busstop in Osnabrück organisiert. Jetzt steht er seit dem Morgen gemeinsam mit Andreas Dahn, dem Promoter von der Agentur, auf dem Theaterplatz, verteilt Broschüren und magentafarbene Pflaster und versucht, die Leute in den Bus zu holen. Die lange Schlange dort ist ein Erfolg, auch seiner. Und das, obwohl man ganz am Rande der Fußgängerzone steht, wo nicht so viel los ist. Vielleicht ganz gut so. Ab 17 Uhr beginnt das Team zu überlegen, wie man die Sache pünktlich beenden kann. Eine Stunde noch, aber immer wieder stellt sich jemand an. Ursula Szaszi, die Teamleiterin von der Agentur, zieht Bilanz: Rund 280 Patienten wurden untersucht. Vormittags an drei, nachmittags sogar an vier Beratungstischen. Macht rund 10 Patienten pro Arzt und Stunde. Und die berufspolitische Bilanz? Von Punktwerten, freier Arztwahl und Selbstverwaltung war kaum einmal die Rede. Immerhin findet das Infomaterial kartonweise Absatz. "Viele Leute können mit dem Kürzel âKVÕ etwas anfangen", hat Andreas Grewe erfahren. "Ach ja, die Kassenärzte", heißt es dann. Aber konkrete Stellungnahmen sind rar. Nur eine Rentnerin weist eine Tüte KV-Bonbons zurück und erklärt standhaft: "Mein Mann und ich gehen schon seit einiger Zeit nicht mehr wählen!" - Dr. Uwe Köster | ||||||
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