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| aktualisiert am: 15.08.2003 | ||||||
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08/2003 |
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Im vergangenen Jahr sind in Deutschland 27 neue Arzneistoffe zugelassen worden, von denen manche echte Innovationen darstellen, andere hingegen zu den bestehenden Therapieoptionen keine oder nur marginale Verbesserungen bieten. In einem Vortrag in der Hauptgeschäftsstelle der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen stellte Professor Hartmut Morck, Chefredakteur der "Pharmazeutischen Zeitung", zwölf Neueinführungen vor und bewertete sie im Hinblick auf ihren innovativen Charakter. Anakinra, Kineret ist ein rekombinantes humanes Protein, das als Interleukin-1-Rezeptor-Antagonist in das entzündliche Geschehen bei rheumatoider Arthritis eingreift. Der IL-1-Antagonist wird täglich subcutan appliziert und kann die weitere Gelenkschädigung bei rheumatoider Arthritis reduzieren, da das entzündungsfördernde Zytokin IL-1 nicht mehr an seinen Rezeptor binden und seine zerstörerische Potenz entfalten kann. Anakinra bietet - bei ähnlich hohen Therapiekosten - eine Alternative zu Etanercept und Infliximab, sollte aber nicht mit diesen kombiniert werden. Die Substanz ist nach Meinung Professor Morcks eine echte Innovation, deren Anwendung jedoch (aufgrund des hohen Preises) auf einen kleinen Patientenkreis beschränkt bleiben wird, bei dem eine Methotrexat-Behandlung nicht ausreichend anspricht. Oseltamivir, Tamiflu Tabletten ist zur Therapie und Prophylaxe der Grippe indiziert. Der Hemmstoff der Neuraminidase ist im Vergleich zu Zanamivir auch oral verfügbar und bei Kindern zugelassen. Die Neuraminidase ist ein Enzym auf der Oberfläche des Grippevirus, das das Virus nutzt, um nach der Replikation von der befallenen Zelle wieder "abzukoppeln". Somit kann, aufgrund des Wirkmechanismus, eine Infektion nicht verhindert, jedoch die Ausbreitung vermindert werden. Professor Morck machte hier den Vorschlag, von einem "Postinfektions-Prophylaktikum" zu sprechen und betonte, daß die Verfügbarkeit des Arzneistoffs keinesfalls eine Grippeimpfung ersetzen könne. Bosentan, Tracleer Filmtabletten ist ein Endothelin-Rezeptor-Antagonist, der zur Behandlung der seltenen pulmonalen Hypertonie zugelassen ist und mit einem neuen Wirkmechanismus erstmals eine gezielte Intervention ermöglicht. Das Peptid Endothelin vermittelt eine Dauervasokonstriktion, die zu einem Druckanstieg im kleinen Kreislauf führt. Bosentan blok-kiert spezifisch die Endothelin-1-Rezeptoren und nimmt so Einfluß auf das akute Krankheitsgeschehen, entzündliche Prozesse und auf das "Remodeling" an den Endothelzellen. Die schwierige Diagnose "pulmonale Hypertonie" stellt für die Patienten ein Todesurteil dar. Zahlen über eine Lebensverlängerung unter Bosentan-Therapie liegen bisher nicht vor, zweifelsfrei kann hier jedoch von einer qualitativen Lebensverbesserung gesprochen werden. Fondaparinux-Na, Arixtra-Injektion ist zur Prophylaxe venöser thromboembolischer Ereignisse bei größeren orthopädischen Eingriffen zugelassen. Die Verbindung ist chemisch gesehen ein Mini- oder Ur-Heparin, bei dem das ursprüngliche Molekül auf ein nur fünf Zuckerbausteine großes Wirkmolekül verkleinert wurde. Dieses chemisch definierte Molekül stellt ein Pharmakophor des Heparins dar. Das Antithrombotikum hemmt selektiv den Gerinnungsfaktor Xa. Arixtra sollte frühestens sechs Stunden nach der Operation eingesetzt werden, die Tagestherapiekosten mit circa 29 Euro sind 20fach höher als die Therapie mit Heparinen. Für die Therapie von Pilzinfektionen sind zwei neue Substanzen in den Markt eingeführt worden. Voriconazol, Vfend Tabl., Pulver ist auf den ersten Blick ein weiteres Triazol-Antimykotikum, das dem Fluconazol sehr ähnlich ist. Vfend zeichnet sich jedoch durch eine hohe Bioverfügbarkeit aus und ist gut liquorgängig, wodurch auch Aspergillosen im ZNS deutlich besser als mit Amphotericin B behandelt werden können. Auch kann Voriconazol noch bei Fluconazol-Resistenzen eingesetzt werden. Bei den Nebenwirkungen sind (vorübergehende) Sehstörungen mit circa 20 Prozent auffällig. Caspofungin MSD Trockensubstanz ist eine Innovation, da das Lipopeptid der erste Glukansynthesehemmer ist. Die Substanz blockiert die Bildung einer "Palisadenschicht" um die Pilzmembran und bietet so einen neuartigen Therapieansatz im Vergleich zu den bisherigen Antimykotika und kann mit Azolen kombiniert werden. Caspofungin wird i.v. appliziert und ist ebenfalls bei invasiver Aspergillose indiziert. Für die Akutbehandlung der Migräne stehen seit 2002 zwei neue Triptane zur Verfügung. Wie die Erstsubstanz Sumatriptan sind auch Eletriptan, Relpax und Frovatriptan, Allegro Agonisten am Serotoninrezeptor (5HT1B/ 1D), die in den Entstehungsprozeß des Migränekopfschmerzes eingreifen. Ein Vergleich der kinetischen Daten der verfügbaren Triptane zeigt, daß besonders Allegro seinem Namen nicht gerecht wird, da die maximalen Plasmaspiegel erst nach zwei Stunden erreicht werden. Für Frovatriptan wird ein geringeres Auftreten des zweiten Kopfschmerzes berichtet, die lange Halbwertszeit von 26 Stunden stellt jedoch bei einer zweiten Applikation ein Problem dar. Beide Substanzen bieten im Vergleich zu den anderen am Markt verfügbaren Triptanen keine Fortschritte in der Therapie. Methyl-5-amino-4-oxopentanoat (MALA), Metvix Creme wird eingesetzt zur Behandlung von aktinischen Keratosen und Basaliomen in der photodynamischen Therapie. Die Substanz wird mit einem Okklusivverband auf die entsprechenden Hautstellen gebracht, MALA wandert bevorzugt in die veränderten Epithelzellen ein und wird in ALA gespalten. Daraus bildet sich Protoporphyrin, das nachfolgend in der Phototherapie Sauerstoffradikale freisetzt und die betroffenen Zellen schädigt. In einer Studie an über 1000 Patienten konnte nach zwei Therapiesitzungen bei 90 Prozent der Patienten eine komplette Remission erzielt werden. Für die Behandlung der primären Hypercholesterinämie ist ein neuer Resorptionshemmer eingeführt worden, der besonders in der Kombination mit Statinen eingesetzt werden soll. Ezetimib, Ezetrol hemmt die Aufnahme von Cholesterol aus dem Darmlumen, ohne die Resorption von Triglyceriden oder fettlöslichen Vitaminen zu beeinflussen. Der genaue Wirkmechanismus über einen Cholesteroltransporter ist jedoch noch nicht bekannt. Bei der Kombinationsbehandlung kann eventuell die Dosis der Statine verringert werden, um einen gleichen Effekt auf die Cholesterolspiegel zu erreichen. Es ist noch nicht geklärt, ob auf diesem Weg auch die Nebenwirkungen der Statine wie Rhabdomyelose eingeschränkt werden können. Bei der Einführung zweier neuer Analgetika erkannte der Vortragende keine Bereicherung der bisherigen Therapie. Parecoxib, DynastatInjektion ist der dritte selektive Hemmstoff der Cyclooxygenase zwei (COX-2) am deutschen Markt. Das Prodrug von Valdecoxib steht nur als Injektion zur Verfügung und ist zur postoperativen Behandlung von Schmerzzuständen zugelasssen. Aufgrund der möglichen Nebenwirkungen (Verstoffwechselung über CYP 3A4 und CYP 2C9) und besonders wegen der physiologischen Schutzwirkung der COX-2 an der Niere beurteilte Professor Morck den Arzneistoff "als eine Substanz, auf die niemand gewartet hat" und betonte, daß Opioidanalgetika immer noch Mittel der Wahl nach operativen Eingriffen sind. Oxaprozin, Danaprox ist ein nichtsteroidales Analgetikum (NSAR), das in den USA seit zehn Jahren auf dem Markt ist. Der von der Firma hervorgehobene Wirkmechanismus der Blockade der Anandamid-Hydrolase und damit der verlängerten Wirkung eines endogenen Cannabinoids könnte auch für andere NSARs zutreffen. Die Substanz stellt nichts Neues dar und ist vergleichbar mit den bekannten NSARs, wie Ibuprofen, Indomethacin, Naproxen oder Diclofenac. - Anschrift des Verfassers: Dr. Holger Neye KVN Berliner Allee 22 30175 Hannover | ||||||
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