aktualisiert am: 12.09.2003
niedersaechsisches aerzteblatt
 

09/2003


High-Tech-Kalkulation

Die Rentabilität von medizinisch-technischen Geräten läßt sich vor möglichen Fehlkäufen kalkulieren


Der Einsatz medizinischer Geräte in der Praxis stellt viele Praxisinhaber vor Entscheidungszwänge. Gerade Hausärzte können zunehmend weniger Geräteleistungen abrechnen. Gleichzeitig bleibt der Druck auf die Praxen bestehen, eine dem medizinisch-technischen Niveau angemessene Ausstattung vorzuweisen. Vor einer Investition muß man also klären, ob sich das anzuschaffende Gerät überhaupt kostendeckend einsetzen läßt. Sofern es sich auch zur Erbringung von IGeL-Leistungen eignet, kann man damit unter Umständen sogar Gewinn erwirtschaften. Das setzt jedoch eine Rentabilitätsanalyse voraus.

Die Rentabilitätsanalyse baut auf vier Kernbegriffen auf:
> Einnahmen
> Variable Kosten
> Fixe Kosten
> Deckungsbeitrag

Die Einnahmen errechnen Sie ganz einfach, indem Sie überlegen, welche Leistungen Sie mit einem bestimmten Gerät erbringen können und in welcher Häufigkeit sie anfallen. Sofern es sich um Kassenleistungen handelt, müssen Sie natürlich auch aufschlüsseln, welche Punktzahl Sie damit erzielen können, und rechnen diese in ungefähre Euro-Beträge um. Eventuell bestehende Praxisbudgets müssen Sie dabei natürlich berücksichtigen.

Dem müssen Sie im nächsten Schritt die variablen Kosten gegenüberstellen, also die Kosten, die anfallen, wenn Sie die Leistungen erbringen. Nehmen wir als Beispiel ein Sono-Gerät. Dabei benötigen Sie neben dem Gerät z.B. Sono-Gel, Tupfer oder Videoprinter. Wieviel Material dieser Art benötigen Sie pro Untersuchung? Multiplizieren Sie diese Kosten mit der erwarteten Inanspruchnahme des Gerätes.

Zu den variablen Kosten gehören auch die Personalkosten. Spielen wir das einmal anhand einer Simulation durch: Ihre Assistentin ist jeweils fünf Minuten mit Vor- und mit Nacharbeiten beschäftigt. Sie selbst benötigen zehn Minuten für die Behandlung. Setzen wir den Stundenlohn für Ihre Praxisassistentin auf 15 Euro pro Stunde fest, Sie selbst veranschlagen für sich 90 Euro. Dann kostet die Assistentinnenzeit 1,25, Ihre Leistung 15 Euro pro erbrachtem Geräteeinsatz. Alle diese Positionen addiert zeigen Ihnen, wie viel der Betrieb des Gerätes kostet.

Der Deckungsbeitrag ergibt sich, wenn Sie von den Einnahmen die variablen Kosten abziehen. Das ist der Betrag, den das Gerät zur Deckung der übrigen Kosten in der Praxis beiträgt. Damit ist klar: Je höher der Deckungsbeitrag, desto profitabler ist der Einsatz des Gerätes. Geraten Sie bei dieser Rechnung in den Minusbereich, heißt das, daß Sie das Gerät durch die anderen Leistungen der Praxis subventionieren müssen - es fährt Ihnen Verlust ein.

Bleiben noch die Fixen Kosten. Das sind die Kosten, die immer anfallen, ob Sie das Gerät nun benutzen oder nicht. Darunter fallen etwa Wartungskosten oder auch Zahlungen für Serviceverträge, eventuell Miet- oder Leasingkosten oder Abschreibungen. Bei Kauf fallen auch eventuell Zinsen für eine Finanzierung an. Das gilt übrigens auch, wenn Sie das Gerät bar bezahlt haben - in diesem Fall sollten Sie kalkulatorische Zinsen ansetzen, denn Sie hätten Ihre Mittel ja auch anderweitig gewinnbringend anlegen können. Wichtig: Tilgungsbeträge werden nicht als Fixkosten angesetzt, weil sie schon bei den Abschreibungen berücksichtigt sind. Schließlich kommen noch die "Gemeinkosten" hinzu. Das Gerät beansprucht ja auch einen Teil der Praxisorganisation und der Miete - aber das ist ein Betrag, der sich nur überschlägig berechnen läßt.

Jetzt brauchen sie nur noch vom errechneten Deckungsbetrag die fixen Kosten abzuziehen. Dann sehen Sie, ob Sie mit der geplanten Geräteanschaffung in der Gewinn- oder Verlustzone liegen. Liegt ein positives Ergebnis vor, ist der Kauf oder Weiterbetrieb zu empfehlen. Haben Sie einen Verlust errechnet, heißt das allerdings noch nicht, daß sich das Thema damit erledigt hat. Zu überlegen wäre, ob das Gerät nicht aus Marketinggründen betrieben werden sollte oder ob es nicht anderweitig verwendet werden kann. Wenn es nur an mangelnder Auslastung liegt, läßt sich das Problem vielleicht lösen, indem Sie mit einer anderen Praxis kooperieren. Dann kommen Sie am Ende doch noch in die Gewinnzone.
 
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