| Home | nä | Z-aktuell | Forum | digitalis | Bücher | Verlag | Kontakt |
| aktualisiert am: 03.10.2001 | ||||||
![]() |
10/2001 |
|||||
|
||||||
"Gewalt von Männern ist für Frauen ein sehr verbreitetes Gesundheitsrisiko, deshalb ist es wichtig, daß sich gerade Ärztinnen und Ärzte mit den Folgen von Gewalt auseinandersetzen. Wissenschaftliche Untersuchungen gehen davon aus, daß jede vierte Frau in ihrem Leben zumindest einmal das Opfer von Gewalt durch einen engen Lebenspartner wird. 45 000 Frauen suchen jedes Jahr Zuflucht in einem Frauenhaus, viele mit ihren Kindern. Genau kennt aber niemand das Ausmaß der Gewalt gegen Frauen, denn viele Frauen, die körperlich, seelisch und / oder sexuell mißhandelt werden, schweigen darüber. Ihre Ärztinnen und Ärzte sind oft die einzigen, die die Folgen der Mißhandlungen zu sehen bekommen: sichtbare Wunden und Narben, psychosomatische Beschwerden, dauerhafte Schäden an den inneren Organen, Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit und sogar Suizidversuche. Gewalt kann chronische Krankheiten wie Asthma, Diabetes oder Bluthochdruck verstärken, und auch post-traumatische Belastungsstörungen - Thema des dritten Ärztinnentages im letzten Jahr - sind vielfach Folgen von Gewalt. Daß von Gewalt betroffene Frauen medizinische Hilfe suchen, bietet die Chance, ihnen weitere Hilfe und Unterstützung anzubieten - vor allem denen, die sich von sich aus nicht an spezielle Beratungsstellen wenden. Dies ist für Ärztinnen und Ärzte keine leichte Aufgabe. Es verlangt neben der medizinischen Qualifikation die Fähigkeit, Gewalt als Ursache für Gesundheitsstörungen erkennen zu können, es verlangt Einfühlungsvermögen, um auf die betroffenen Mädchen und Frauen einzugehen, ihre Situation zu verstehen und ihnen zu ermöglichen, über belastende und oft bedrohliche Erfahrungen zu sprechen. Eine große Chance: Niedersachsen baut Hilfenetz für Frauen aus. Daher bin ich sehr froh, daß in Niedersachsen in die Ausbildung zur Allgemeinmedizinerin bzw. zum Allgemeinmediziner ein Informationsblock über Gewalt gegen Frauen aufgenommen wird. Grundlegende Informationen und die Ermutigung, dieses schwierige Thema in der ärztlichen Praxis anzusprechen, sind wichtige Voraussetzungen, um sich diesen Anforderungen zu stellen. Dabei sind Ärztinnen und Ärzte nicht auf sich allein gestellt: 41 Frauenhäuser, 30 Gewaltberatungsstellen und drei Mädchenhäuser bieten in Niedersachsen Zuflucht, Unterstützung, Begleitung und Beratung an. Je enger Sie mit diesen Stellen zusammen arbeiten, desto besser das Hilfenetz für die betroffenen Frauen. Zusammenarbeit und Kooperation können noch einen weiteren wichtigen Beitrag leisten: Eine breite gesellschaftliche Veränderung und effektive Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen braucht klare Zeichen gegen Gewalt. Zeichen, daß Gewalt gegen Frauen nicht toleriert wird, daß es nicht um Kavaliersdelikte, sondern um strafbares Unrecht geht und daß die Frauen keine Schuld oder Mitverantwortung an der ihnen zugefügten Gewalt tragen. Je mehr Einrichtungen und Institutionen Gewalt ächten, um so eher wird dies das gesellschaftliche Klima insgesamt wandeln. Das Land Niedersachsen wird seinen Beitrag dazu leisten: Gemeinsam mit dem Innenminister Heiner Bartling und Justizminister Prof. Dr. Christian Pfeiffer erarbeite ich zurzeit einen ressortübergreifenden Aktionsplan des Landes. Er wird Maßnahmen zur Unterstützung der Frauen und ihrer Kinder, der polizeilichen Krisenintervention, der Strafjustiz, der Ziviljustiz und auch der Prävention enthalten. Vernetzung und Kooperation auf kommunaler Ebene wie auf Landesebene sind wesentlich. Ich möchte Sie ermutigen, sich an den vielfach schon bestehenden regionalen Netzwerken zu beteiligen, damit wir mehr Frauen auf dem Weg aus einer gewalttätigen Beziehung unterstützen können und ein deutliches Zeichen gegen Gewalt setzen." Dr. Gitta Trauernicht Ministerin für Frauen, Arbeit und Soziales | ||||||
| Home | nä | Z-aktuell | Forum | digitalis | Bücher | Verlag | Kontakt |
|
Alle Inhalte © Hannoversche Ärzte-Verlags-Union 1998-2001. Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am: 03.10.2001. Design by Tim Schmitz-Reinthal, webmaster@haeverlag.de. |