aktualisiert am: 02.10.2001
niedersaechsisches aerzteblatt
 

10/2001


Auf der Datenautobahn

Multimedia in der Chirurgie - in Göttingen mit Prädikatnoten evaluiert


Den Weg zu den "Allgemeinchirurgischen Stationen" im Uniklinikum Göttingen könnte ich im nachhinein nicht so ohne weiteres beschreiben, er war sicher gut ausgeschildert. Allerdings wurde ich auch gut geführt - von Dr. Sarah König und Claudia Stößer, die das "Lernstudio Chirurgie" betreuen. In der 6. Etage im Bettenhaus 1 machten wir vor einer nicht weiter auffälligen Tür halt, nachdem wir zuvor schon Hinweisschilder passiert hatten.
Auch wenn die Räumlichkeiten nicht sonderlich groß sind, so enthielten sie doch alles, was zum optimalen Eigenstudium nötig ist:
• 6 Computerarbeitsplätze und Internetzugang
• mehr als 30 ausgesuchte multimediale CD-ROM-Lernprogramme
• Phantome zur rektalen Untersuchung und zur Untersuchung der Brust
• Anatomische Modelle (Gastrointestinaltrakt, Skelett, Gelenke)
• Ultraschallgerät
• Nahtkurs mit Modellen und Lernprogrammen
• Videobibliothek zu Operationen
• Präsenzbibliothek mit aktuellen Lehrbüchern und Zeitschriften
"Wissen muß verfügbar sein, sonst ist es wertlos" - dieser Grundsatz ist durch die zentrale Bereitstellung verschiedener Medien vorbildlich verwirklicht: der Studierende kann mühelos vom Buch und den eigenen Aufzeichnungen zum Video wechseln, das Gesehene an den Modellen und Phantomen nachstellen, zusammen mit Kommilitonen an Geräten einüben und über die Nutzung des "Online Leitfadens" (dazu später mehr) und die dort implementierten Tests das erlernte Wissen nachprüfbar dokumentieren.
"Viele Erkrankungen tauchen heutzutage in der Klinik gar nicht mehr auf" - diese Beobachtung unterstrich Christiane Hennecke vom Referat Internationale Beziehungen im Bereich Humanmedizin der Uniklinik in Göttingen, die im April das von ihr betreute "Lernstudio Herz-Kreislauf-Gefäße" an der Göttinger Uniklinik eröffnen konnte -, die abnehmende Verweildauer von Patienten im Krankenhaus und der Anstieg der Anzahl der Studierenden sind weitere Gründe für den eingeschränkten Patientenkontakt der Studentinnen und Studenten. Diese Lücke in der Mediziner-Ausbildung sollen Lernstudios mit attraktiven, multimedialen Lernangeboten schließen.
Der wesentliche Schritt in der Reform der klinischen Ausbildung war in Göttingen die im Sommersemester (SS) 2000 eingeführte OSCE (Objective Structured Clinical Examination) als "fakultativer Bestandteil des chirurgischen Untersuchungskurses". Damit wird die klinische Kompetenz der Studierenden beurteilt und nach objektiven Kriterien bewertet. Unmittelbare praktische Konsequenz der Einführung von OSCE war u.a. die stärkere Praxisorientierung der klinischen Ausbildung. Die Lernziele des chirurgischen Praktikums (5. klinisches Semester) wurden klar definiert und die Angebote des Lernstudios auf die Erreichung abgestimmt. Die ersten Evaluationsergebnisse sind positiv: im SS 2000 bewerteten fast 90 Prozent der Nutzer den Lerneffekt als überdurchschnittlich hoch mit den Prädikatnoten "Gut" und "Sehr gut".

Online Leitfaden Chirurgie bereits fester Bestandteil der Ausbildung

Beeindruckend ist die rasche Umsetzung formulierter Defizite: Da Studierende in den klinischen Praktika selbst ihre große Unsicherheit in den Basisfertigkeiten und den studentischen Aufgaben im OP bemängelten, wurde im WS 2000/2001 ein "Online Leitfaden Chirurgie" entwickelt, in dem praktische Fertigkeiten wie die Blutentnahme, Blasenkatheterisation, Desinfektionspraktiken, Instrumentenlehre ("ÔHaken haltenÕ sollte nicht ÔMund haltenÕ bedeuten"), Knoten- und Nahttechniken u.a.m. in Videosequenzen vorgestellt oder einfache Grundregeln vermittelt werden ("OP ruft Stud. ... - Sechs goldene Regeln zur Vorbereitung ... Als ÔAnfänger outenÕ bringt mehr Sympathien, so kann das OP-Personal helfen und ÔpaßtÕ auf Euch im positiven Sinne auf."). Interaktive Elemente werden durch Quizfunktionen und Diskussionsforen geboten.

"Chirurgie interaktiv"

Das Erlernen chirurgischer Untersuchungs-techniken wird durch die CD-ROM "Chirurgie interaktiv" (eine Gemeinschaftsproduktion der Göttinger Klinik für Allgemeinchirurgie, der Betriebseinheit Medien der Georg-August-Universität und der Abt. für Unterrichtsmedien der Medizinischen Fakultät der Uni Bern) unterstützt: Neun Patientenfälle werden interaktiv erschlossen, steuerbare Videoeinspielungen mit Originalton und dem Kommentar des Untersuchenden dokumentieren den kompletten Untersuchungsgang. Der Nutzer kann sich bei der Untersuchung verschiedener Werkzeuge wie Stethoskop, Taschenlampe, Ultraschall bedienen. Bei Bedarf können Tips des Professors, aber auch die ausführliche Krankengeschichte oder Laborparameter abgerufen werden. Ein abschließendes Quiz ermöglicht die Lernerfolgskontrolle.
Das "Lernstudio Chirurgie" ist während der Vorlesungszeit an vier Wochentagen mit insgesamt 14 Stunden pro Woche geöffnet, studentische Tutoren stehen jeweils als kompetente Lernhelfer zur Verfügung.

Internet:
http://www.lernstudio-chirurgie.de
Literatur: S. König, P. M. Markus u. H. Becker: Lehren und Lernen in der Chirurgie - das Göttinger Curriculum, in: Der Chirurg (2001) 72: 613-620
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Guter Schlaf im Internet


Die Deutsche Akademie für Gesundheit und Schlaf (DAGS) ist ein Zusammenschluß von Experten aus Forschung, Medizin und Industrie. Sie hat das Ziel, Wissen zu den Themen Schlaf, Schlafstörungen und damit verbundenen Bereichen der Gesundheit in Deutschland zu fördern und Interessierte zu informieren. Die Website unter http://www.dags.de ist zwar grafisch nicht besonders durchgestylt, dafür aber sehr informativ. So gibt sie zum Beispiel eine Übersicht über die in Deutschland akkreditierten Schlaflabore, vermittelt verständliche Informationen zum Thema und hält Publikationslisten bereit. Fachartikel können als pdf.-Datei heruntergeladen werden.

Netzwerk für evidenzbasierte Medizin

An der medizinischen Universität Witten/Herdecke wird ein Informationsnetzwerk aufgebaut, mit dem aktuelles und evidenzbasiertes medizinisches Wissen zwischen den Kliniken und den Praxen ausgetauscht werden soll: http://www.evidence.de. Derzeit liegen Leitlinien zu Harninsuffizienz, Harnwegsinfekt, Demenz, Screening und Prävention von kolorektalem Karzinom vor. Der Zugang ist kostenlos, erfolgt aber über ein Paßwort, das zunächst per E-Mail beantragt werden muß. Für die ärztliche Praxis interessant: evidence.de enthält auch Patienteninformationen, die die Krankheitsbilder in verständlicher Sprache erläutern. Sie können als pdf-Datei heruntergeladen und für Patienten ausgedruckt werden.

Niedersachsens Gesundheit im Netz

Die Landesvereinigung Gesundheit für Niedersachsen e.V. ist ein unabhängiger Fachverband für Gesundheitsförderung, Gesundheitserziehung und Prävention mit einem ganzheitlichen Medizinverständnis. Sie sammelt und verarbeitet gesundheitsbezogene Informationen, bildet Multiplikatoren aus dem Gesundheits-, Sozial- und Bildungsbereich zu gesundheitlichen Themenstellungen aus, betreut gesundheitsbezogene Netzwerke und Arbeitskreise und fördert die Kooperation zwischen verschiedenen Versorgungssektoren. Auf der Homepage der Landesvereinigung unter http://www.gesundheit-nds.de findet sich eine Fülle von Hinweisen zur Gesundheit in Niedersachsen.

Homepage-Preis für niedersächsische Ärztinnen und Ärzte

Ärztekammer und Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen begrüßen die Präsenz ihrer Mitglieder im elektronischen Netz. Für die Kommunikation von Ärzten untereinander wie auch für die Arzt-Patient-Beziehungen bieten die elektronischen Medien neue Chancen und Herausforderungen. Daher haben KVN und ÄKN den Wettbewerb "Beste medizinische Website 2001" ausgerufen. Prämiert werden drei niedersächsische Ärztinnen und Ärzte für die mustergültige Gestaltung einer Arzthomepage im Internet. Zur Prämierung vorgeschlagene Website-Adressen können bis zum 30. Oktober 2001 an folgende Anschrift mitgeteilt werden:
Raimund Dehmlow
Online-Redaktion der ÄKN
Berliner Allee 20, D-30175 Hannover
E-Mail: raimund.dehmlow@aekn.de


 
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