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| aktualisiert am: 13.11.2000 | ||||||
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11/2000 |
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EinleitungNicht erst seit dem Zugunglück von Eschede und den damit im Zusammenhang stehenden Medienberichten wird zunehmend auch in der Öffentlichkeit bekannt, daß psychische Traumatisierungen zu einer tiefen und anhaltenden Verletzung des Gefühls der persönlichen Sicherheit und Unverletzbarkeit führen können. Dies wird oft wie ein Riß im Selbstverständnis oder wie ein Zusammenbruch des persönlichen Weltbildes beschrieben. Plötzlich wird die Welt als bedrohlich erlebt. Der Betroffene fühlt sich schutzlos und ausgeliefert. Typische Symptome, die in der Folge von belastenden Ereignissen auftreten, sind Schlafstörungen und Alpträume, quälende Wiedererinnerungen, Ängste und situationsbezogenes Vermeidungsverhalten sowie erhöhte Schreckhaftigkeit und Konzentrationsstörungen. Normalerweise bilden sich diese Symptome innerhalb einiger Tage bis einiger Wochen zurück. Bleiben diese psychischen und psychosomatischen Beeinträchtigungen jedoch bestehen, so ist bei einem Vorliegen von länger als 3 Monaten eine Posttraumatische Belastungsstörung zu diagnostizieren.In den letzten Jahren wurde die Forschung über Traumafolgen erheblich intensiviert. Es wurden neue Erkenntnisse gewonnen, die dazu beigetragen haben, daß die psychotherapeutischen Verfahren zur Behandlung traumatisierter Menschen erheblich verbessert werden konnten. Seit vier Jahren behandelt die Abteilung Psychosomatik und Psychotherapie der MHH Menschen mit Posttraumatischen Belastungsstörungen im Rahmen einer Traumasprechstunde und erforscht die psychischen und biologischen Auswirkungen von Traumatisierungen. EpidemiologieNach Ergebnissen einer Vielzahl von epidemiologischen Studien, ist die Posttraumatische Belastungsstörung (Posttraumatic stress disorder, kurz PTSD) infolge von Traumatisierungen in der Kindheit oder im späterem Leben, eine in ihrer Häufigkeit und sozioökonomischen Bedeutung lange unterschätzte Erkrankung. Unter Zugrundelegen der Diagnosekriterien der Posttraumatischen Belastungsstörung nach DSM-III-R liegt die Lebenszeitprävalenz in den USA für beide Geschlechter bei 7,8 Prozent bis 12,3 Prozent, wobei etwa doppelt so viele Frauen betroffen sind wie Männer (5). Für die deutsche Bevölkerung gib es noch keine epidemiologisch gesicherten Prävalenzzahlen, aber die Bedeutung von "Traumatisierungen" für die Entstehung oder für die erhebliche Verschlechterung psychischer Störungen wird immer deutlicher. Ein Beispiel hierfür ist die lebhafte Diskussion in den Medien über die psychischen Folgen von Traumatisierungen für Unfallopfer und Rettungskräfte in der letzten Zeit.Die empirischen und klinischen Befunde zu Traumatisierungen in der Kindheit haben Egle, Hoffmann & Joraschky jüngst in einer Monographie zusammengestellt (1). Danach ist die Rolle von Vernachlässigung, Mißbrauch und Mißhandlung für eine Reihe von psychischen Störungen wie Selbstverletzendem Verhalten, Borderline-Störungen und Dissoziativen Störungen mittlerweile unstrittig und scheint auch für Subgruppen von Patienten mit Eßstörungen, Angststörungen, Persönlichkeitsstörungen und Somatisierungsstörungen von erheblicher Relevanz zu sein. Weit unterschätzt ist zudem die Häufigkeit von Posttraumatischen Belastungsstörungen infolge von Unfällen oder Einsätzen in Krisengebieten. 20 Jahre nach dem Vietnamkrieg leiden noch immer ca. 15 Prozent aller Vietnamkriegsveteranen an einer PTSD. Opfer von Gewaltverbrechen und Überfällen sowie auch Zeugen von Gewalttaten, wie z.B. Rettungspersonal und Feuerwehrangehörige, stellen eine weitere Risikogruppe für die Entwicklung einer PTSD dar. Psychophysiologische BefundeEs wurde eine Reihe sehr konsistenter psychophysiologischer Befunde an Patienten mit PTSD erhoben, die für eine chronische Überaktivierung, bzw. Sensitivierung des Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Systems sprechen. Zu den Kernsymptomen der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTSD) gehört eine andauernde Hypersensitivität auf eine Vielzahl innerer und äußerer Reize, die zu einem gesteigerten Erregungsniveau führt. Aus der PTSD-Forschung der letzten Jahre ergeben sich verstärkt Hinweise darauf, daß unterschiedliche neurobiologische Mechanismen für diese Symptome von PTSD verantwortlich gemacht werden müssen. So wird eine Dysfunktion unterschiedlicher Hirnstrukturen, darunter insbesondere des Locus coeruleus, Hippocampus, des präfrontalen Kortex und der Amygdala postuliert. Weiterhin gibt es Hinweise auf eine gestörte Funktion noradrenerger und dopaminerger Neurotransmittersysteme. Diese Störungen produzieren neben den genannten Symptomen bei PTSD-Patienten veränderte Muster in Bereichen der Informationsverarbeitung und des Gedächtnisses, für die eine Beteiligung der genannten funktionellen Systeme nachgewiesen ist.Die Wichtigkeit dieser Symptome für PTSD wird in den diagnostischen Kriterien reflektiert, die Zeichen einer gestörten Aufmerksamkeitsleistung wie Konzentrationsstörungen, Hypervigilanz und autonome Hyperreaktivität sowie eine fehlende Habituation auf potentiell streßauslösende Reize umfassen. In diesem Zusammenhang ist besonders erwähnenswert, daß der Erfolg einer Behandlung bei PTSD durch die Veränderung entsprechender physiologischer und neurophysiologischer Parameter belegt werden kann (9). Eine wichtige wissenschaftliche Erkenntnis der letzten Jahre ist die grundsätzliche Unterscheidung von Œnormalem Streß¹ und Œtraumatischem Streß¹, da bei letzterem die normalen psychischen Verarbeitungsmechanismen überfordert sind und zusammenbrechen. Dies führt dazu, daß traumatische Erinnerungen unverarbeitet als sensorische und emotionale Empfindungen gespeichert werden, anstatt kategorisiert und symbolisiert zu werden. Traumatische Erinnerungen bleiben daher durch andere Lebenserfahrungen weitgehend unbeeinflußbar bestehen und sind durch Auslösereize (sog. ŒTrigger¹), im Sinne einer ŒAlles oder Nichts Reaktion¹, jederzeit sofort auslösbar. Die dabei wachgerufene Angst und körperliche Schreckreaktion unterliegt zudem keiner Habituation. Da die traumatischen Erfahrungen offenbar primär als somatische und affektive Zustände gespeichert werden, erweisen sie sich auch einem psychotherapeutischen Herangehen, das primär auf sprachlich-symbolische Bearbeitung ausgerichtet ist, als kaum zugänglich. Diese Befunde sind besonders wichtig, wenn es um die konkrete Traumatherapie und deren Konzeptualisierung geht. Psychotherapeutische Behandlung der posttraumatischen BelastungsstörungAlle therapeutischen Schulen stimmen darin überein, daß beim Vorliegen einer PTSD der Fokus der Behandlung in einem dosierten Wiederbeleben der traumatischen Erfahrung und der damit verbundenen Gefühle und körperlichen Reaktionen liegen sollte. Dadurch wird eine Stärkung der Ich-Funktionen, ein Aufheben der vertikalen Spaltung (Dissoziation) und damit eine Integration der traumatischen Erfahrung in die psychische Struktur erreicht. Eine Traumaverarbeitung ist gelungen, wenn die betroffene Person mit Emotionen, aber ohne Dissoziation, über das erlebte Trauma sprechen kann. Ziel der psychotherapeutischen Behandlung ist es, dem betroffenen Menschen zu helfen, die traumatischen Erfahrungen in sein gegenwärtiges Leben zu integrieren. Die therapeutische Arbeit verläuft dabei in individuell zu gestaltenden Phasen, die sich nach Schwerpunkten wie folgt aneinanderreihen: | ||||||
Literatur |
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1.) Egle UT, Hoffmann SO, Joraschky P (1997) Sexueller Mißbrauch, Mißhandlung, Vernachlässigung. Stuttgart. 2.) Hirsch M (1997) Zur psychoanalytischen Therapie bei Opfern sexuellen Mißbrauchs. In: G.Amann und Wipplinger,R. (Hrsg.): Sexueller Mißbrauch - Überblick zu Forschung, Beratung und Therapie. Ein Handbuch. DGVT-Verlag, Tübingen, S. 486-499. 3.) Hofmann A (1999) EMDR in der Therapie psychotraumatischer Belastungssymptome. Thieme, Stuttgart. 4.) Kernberg OF (1999) Persönlichkeitsentwicklung und Trauma. Persönlichkeitsstörungen 3, 5-15. 5.) Kessler RC, Sonnega A, Bromet, E, Hughes M, Nelson CB (1995) Posttraumatic stress disorder in the National Comorbidity Survey. Arch. Gen. Psychiat. 2, 1048-1060. 6.) Lamprecht F, Lempa W (1997) Psychoanalyse und EMDR. In: Eschenröder CT (Hrsg.): EMDR: Eine neue Methode zur Verarbeitung traumatischer Erinnerungen. DGVT-Verlag, Tübingen, S. 161-177. 7.) Reddemann L, Sachsse U (1998) Kritisches zur traumazentrierten Psychotherapie: 'Zu Risiken und Nebenwirkungen...'. Persönlichkeitsstörungen 2, 104-108. 8.) Sack M, Lempa W, Lamprecht F (1999): Eine neue psychotherapeutische Behandlungsmethode für Patienten mit Posttraumatischer Belastungsstörung: EMDR. Psychomed 11, 164-169. 9.) Shalev AY, Orr SP, Pitman RK (1992) Psychophysiologic response during script-driven imagery as an outcome measure in posttraumatic stress disorder. J. Clin. Psychiat. 53, 324-326. 10.) Shapiro F (1998) EMDR - Grundlagen und Praxis. Handbuch zur Behandlung traumatisierter Menschen. Junfermann, Paderborn. 11.) Van Etten M, Taylor S (1998) Comparative efficacy of treatments for posttraumatic stress disorder: a meta analysis. Clin. Psychol. Psychother. 5, 126-145. |
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