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11/2000 |
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Gegenüber Pest und Pocken verläuft eine Ansteckung mit Poliomyelitis-Viren vergleichsweise unspektakulär. Nur zehn Prozent der Infizierten reagieren mit Symptomen. Doch wehe den Betroffenen: die Erreger töten jeden fünften Patienten, und bis heute gibt es keine wirksame Therapie gegen die Erkrankung. Franklin D. Roosevelt hatte noch Glück im Unglück: Er landete "nur" im Rollstuhl und wurde später sogar zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt. 1955 erkrankten in Nordamerika und Europa rund 76 000 Menschen. Epidemische Ausmaße erreichte die Seuche 1951 in Deutschland. Damals wurden 9 517 Polio-Erkrankungen gezählt. "Schluckimpfung ist süß - Kinderlähmung ist grausam". Mit diesem Slogan begann in Deutschland die Impfprophylaxe im Jahre 1961. Bereits ein Jahr nach der Impfaktion sank die Erkrankungszahl von 4 667 schlagartig auf 234 Fälle - Tendenz weiterhin fallend. 1981 wurden nur noch fünf Erkrankungen gezählt. Der letzte in der Bundesrepublik Deutschland erworbene (autochthone) Poliomyelitisfall wurde 1990 registriert, das heißt, seit zehn Jahren ist kein einziger Fall von Kinderlähmung - ausgelöst durch eine Infektion mit Wildviren - aufgetreten. Die Erfolge im Kampf gegen Polio sind beeindruckend. Nord- und Südamerika gelten heute als poliofrei. 1999 war ein besonderes Jahr für Europa. Zum ersten Mal in der Geschichte der europäischen Region sind zwölf Monate verstrichen, ohne daß Poliomyelitis-Fälle in einem der 51 Mitgliedstaaten gemeldet oder entdeckt worden sind. Zuletzt traten Erkrankungen in Osteuropa, auf dem Balkan - insbesondere Albanien - und auch in Griechenland auf. Die Epidemiengebiete liegen heute in Asien und Afrika. 70 Prozent aller Fälle von Kinderlähmung entfallen auf den indischen Subkontinent. 1999 wurden aus Indien 2800 Erkrankungen gemeldet. In Afrika kommt es vor allem in Bürgerkriegsregionen zu Polio-Ausbrüchen. Allein in Angola wurden 1999 mehr als 1 000 Kinder Opfer der Polio-Erreger. Kriege, Armut, hohe Bevölkerungsdichte, schlechte medizinische Versorgung und Migration begünstigen das Virus. Freilich zeigen die weltweiten Impfprogramme der WHO Wirkung. Vor zehn Jahren waren noch 125 Länder von Polio betroffen, heute sind es noch 46 Nationen. Weltweit sollen jetzt alle Kinder im ersten Lebensjahr durch zwei aufeinanderfolgende Impfungen immunisiert werden. Im Jahre 2005 - so die Hoffnungen der Weltgesundheitsorganisation - soll es keine Kinderlähmung mehr geben. Nach Schätzungen der Unicef sind bis dahin jährlich rund 1,25 Milliarden Dollar zur Finanzierung von Impfstoffen und Kühlketten, für medizinisches Personal sowie die Aufrechterhaltung eines weltweiten Überwachungssystems nötig. Allein in diesem Jahr fehlen allerdings noch 450 Millionen Mark, um das ehrgeizige Projekt konsequent zu verfolgen. | ||||||
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