aktualisiert am: 13.11.2000
niedersaechsisches aerzteblatt
 

11/2000


SUPPORT-News:

Göttinger DGP-Kongreß ein großer Erfolg für die Belange der Palliativmedizin



Unter dem Motto: "Palliativmedizin - Ausdruck gesellschaftlicher Verantwortung" hat das Göttinger Zentrum Anaesthesiologie, Rettungs- und Intensivmedizin in Kooperation mit der Ärztekammer Niedersachsen den 3. Kongreß der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin e.V. (DGP) vom 28. bis 30. September 2000 im Zentralen Hörsaalgebäude der Georg-August-Universität Göttingen ausgerichtet.
Mehr als 1 200 registrierte Teilnehmer haben das umfangreiche Kongreßangebot mit zahlreichen Übersichtsvorträgen, Workshops, freien Vorträgen, Postersessions, Seminaren und Selbsterfahrungsgruppen genutzt. Zur öffentlichen Podiumsdiskussion (s.u.) kamen zudem noch ca. 300 Teilnehmer aus der Bevölkerung von Göttingen und Umgebung, so daß insgesamt rund 1 500 Personen den Kongreß besucht haben. Diese im Vergleich zum letzten DGP-Kongreß 1998 in Berlin deutlich höhere Teilnehmerzahl dokumentiert das steigende Interesse am Thema "Palliativmedizin" ebenso, wie die Präsenz von nahezu 30 Industrieausstellern.
Mehr als 130 Referenten aus diversen medizinischen, pflegerischen und psychosozialen Fachgebieten haben während der drei Kongreßtage die vielfältigen Facetten der Palliativmedizin vorgestellt und diskutiert. Nach Ansicht des Kongreßpräsidenten Prof. Dr. med. Dr. h.c. Dietrich Kettler hat die Veranstaltung eindrucksvoll ihren Anspruch eingelöst, ein adäquates Forum für den aktiven Meinungsaustausch zwischen allen relevanten gesellschaftlichen Gruppen zu bieten.
Der Kongreß begann am 28. September um 11.00 Uhr mit einer festlichen Eröffnungsfeier, bei der vom Präsidenten der DGP, Prof. Dr. E. Klaschik, erstmals der "Förderpreis Palliativmedizin der DGP" verliehen wurde. Preisträger für 1999 ist die Deutsche Krebshilfe e.V., Bonn, Preisträger im Jahr 2000 ist eine Arbeitsgruppe um die Ärzte Dres. Radbruch und Sabatowski (beide Köln) sowie Nauck (Bonn). Am Nachmittag des ersten Kongreßtages erfolgte dann eine Bestandsaufnahme der Palliativmedizin in ausgewählten Ländern Europas (Frankreich, Norwegen, Slowenien, Schweiz, England, Holland und Deutschland). Prof. E. Klaschik, Inhaber des bislang einzigen Lehrstuhls für Palliativmedizin in Deutschland, betonte in seinem Beitrag zum aktuellen Status quo dieser hierzulande noch jungen Disziplin, daß insbesondere in der palliativmedizinischen Krankenversorgung und Forschung noch erhebliche Defizite in Deutschland bestehen.
Am 29. September 2000 wurde der Kongreß mit einer Plenarveranstaltung zum "Paradigmenwechsel in der Medizin" fortgesetzt. Von 11.00 bis 12.30 Uhr fand dann eine Pressekonferenz statt, die von Ulrich Wickert, dem bekannten tagesthemen-Moderator und Schirmherrn des Modellprojekts SUPPORT geleitet und von erfreulich vielen lokalen und überregionalen Pressevertretern besucht wurde (vgl. separaten Bericht von R. Heyde in diesem Heft).
Als weiteres "Highlight" war die öffentliche Podiumsdiskussion geplant, die am gleichen Nachmittag ebenfalls von Ulrich Wickert moderiert wurde. Für diese Veranstaltung hatte Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer zunächst ihre Teilnahme zugesichert dann aber - zur Enttäuschung vieler Kongreßteilnehmer - sehr kurzfristig leider doch abgesagt (vgl. separaten Bericht von
J. Hons in diesem Heft). Auch zwei Vertreter der Kostenträger hatten (krankheitsbedingt) kurzfristig abgesagt, so daß neben dem als Vertretung von Ministerin Fischer anwesenden Unterabteilungsleiter G. Baum als Diskutanten E. Gramsch (Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen), Prof. Dr. H. Eckel (Ärztekammer Niedersachsen), Frau Prof. Dr. D. Schipanski (Deutsche Krebshilfe), Pastor H. Pera (Bundesarbeitsgemeinschaft Hospiz), Prof. Klaschik und Prof. Kettler verblieben. Die Diskussionsteilnehmer waren sich über die Defizite der Palliativmedizin in Deutschland zwar schnell einig; nur hinsichtlich potentieller Lösungsstrategien gelang leider kein zukunftsweisender Konsens.
Am Abend des zweiten Kongreßtages fand in der Göttinger "Lokhalle" ein "Get-together"-Treffen statt. Über 800 Kongreßteilnehmer nutzten diese Gelegenheit zum informellen Gedankenaustausch und zum Besuch der ebenfalls in der Lokhalle stattfindenden dezentralen EXPO-Ausstellung.
Höhepunkt des letzten Kongreßtages war ein Vortrag der ehemaligen Bundestagspräsidentin Prof. Dr. Rita Süssmuth. In ihrem engagiert vorgetragenen Referat ging sie u.a. auch auf die Rolle des Staates bei der Etablierung suffizienter palliativmedizinischer Versorgungsstrukturen ein, dämpfte dabei aber die Erwartungshaltung vieler Kongreßteilnehmer durch die Aussage, daß vom Staat derzeit kaum die Übernahme einer Meinungsführerschaft in der Entwicklung der Palliativmedizin zu erwarten sei.
Nach Abschluß des offiziellen Kongreßprogramms trafen sich die Mitglieder der DGP noch zu ihrer jährlichen Versammlung; dabei wurde bekanntgegeben, daß die Fachgesellschaft allein durch den Göttinger Kongreß mehr als 80 neue Mitglieder gewinnen konnte.


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