aktualisiert am: 08.12.2000
niedersaechsisches aerzteblatt
 

12/2000

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Eines der vielversprechendsten medizinischen Betreuungsprojekte in Niedersachsen, das diabetologische Qualitätsmodell PROSIT¨ (Proteinurie-Screening und Interventions-Projekt) ist endgültig gestorben und läuft zum 31. Dezember des Jahres aus. Trotz herausragender Ergebnisse in der Früherkennung und Behandlung von Diabetikern sind viele niedersächsischen Krankenkassen nicht bereit, sich weiter an dem Projekt finanziell zu beteiligen. Auch die angestrebte Übernahme in die Regelversorgung ist somit nicht zu realisieren. Niedersächsische Praxen, die ihre Diabetes-Patienten dennoch weiter nach den PROSIT¨-Maßstäben betreuen wollen, müßten sich in Zukunft an die PROSIT¨-Projekt-Zentrale in München wenden.

Das im Oktober 1997 vom Zentrum für Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen (ZQ), einer Einrichtung der Ärztekammer Niedersachsen, aus Bayern übernommene Qualitätssicherungsprogramm, ermittelt in Zusammenarbeit von Hausärzten, diabetologischen Schwerpunktpraxen und den Diabetes-Ambulanzen von Krankenhäusern diejenigen Diabetespatienten, die der Hochrisikogruppe für Folgeerkrankungen wie Nierenversagen, Herzinfarkt und Schlaganfall zuzurechnen sind. Risikoparameter und Frühindikator ist dabei der Nachweis einer Mikroalbuminurie, deren Werte im Rahmen eines Früherkennungs-Screenings gewonnen werden. Die daraufhin eingeleiteten Behandlungsmaßnahmen vor allem zur Senkung des Blutdrucks, der Blutfette und der mittleren Blutzuckerwerte, führen eindeutig zu einer verminderten Häufigkeit von Schlaganfällen und Herzinfarkten bei den von diesem Programm betreuten Diabetikern und reduzieren die Frühsterblichkeit. Gleichzeitig gelingt es, die Zahl dialysepflichtiger Patienten, die sich wegen einer diabetischen Nephropathie der langwierigen und belastenden Prozedur einer Blutwäsche unterziehen mußten, deutlich zu senken. Bundesweit müssen ca. 8 000 Diabetiker jährlich neu zur Dialyse, weil die Krankheit nicht erkannt oder nicht effektiv therapiert wird - Tendenz steigend.

Ziel des Projekts war es hingegen, bis zum Jahre 2010 überhaupt keine Patienten mehr aus diesem Patientenkreis der Dialyse zuführen zu müssen. Für die Projektbegleitung selbst war der vergleichsweise geringe Betrag von 120 000 Mark jährlich aufzuwenden.

Die Erfolge von PROSIT¨

Anhand eines Risiko-Scores konnte gezeigt werden, daß die in vierteljährlichem Abstand zu wiederholende und zu dokumentierende Überprüfung der Risikoparameter zusammen mit dem regelmäßigen Urineiweiß-Screening einen optimalen Versorgungsstandard für diese Patientengruppe gewährleistet. So belegt die Auswertung von mehr als 3 000 Dokumentationsbögen allein im Jahr 1999 eindrucksvoll, daß nach durchschnittlich 16 Monaten ab Aufnahme der Patienten in das Projekt eine starke Verschiebung von der Hochrisiko- in die mittlere und untere Risikoklasse stattgefunden hat. Dabei hat sich der Anteil der Patienten in der Bewertungsklasse des geringsten Risikos nahezu verdoppelt, während analog die Gruppe der Hochrisikoklasse-Patienten im gleichen Zeitraum halbiert werden konnte. Ferner ließ sich nachweisen, daß die im Projekt betreuten Patienten nicht nur besser gegen terminales Nierenversagen geschützt, sondern auch sehr viel seltener von Myokardinfarkten oder kardiovaskulärer Mortalität betroffen waren.

Der Vorsitzende des niedersächsischen Vereins zur Förderung der Qualität im Gesundheitswesen e.V., Dr. med. Gerd Pommer (Foto), zeigte sich bestürzt vom Widerstand der meisten niedersächsischen Krankenkassen gegen eine Fortführung dieses vielversprechenden Projekts. Der in Oldenburg niedergelassene Gastroenterologe: "Hier wäre gute Gelegenheit gewesen, zu demonstrieren, daß mit vergleichsweise geringem Kostenaufwand eine hocheffektive Gesundheitsversorgung für eine bestimmte Patientengruppe organisiert werden kann, die - im Hinblick auf die Vermeidung von Dauerdialyse - sogar echte Kostenvorteile bewirkt." Pommer dankte gleichzeitig allen Projektbeteiligten und Förderern, darunter die IKK-Niedersachsen, die BKK-Energie und die Solvay-Gruppe, die mit ihrem Engagement bewiesen hätten, daß die Forderung nach mehr Qualität im Gesundheitswesen keine Worthülse bleiben müsse. äpn


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