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12/2001 |
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Gewalt im Geschlechterverhältnis wird zunehmend zu einem Thema, das gesundheitspolitische Anerkennung in den staatlichen Institutionen findet. Beigetragen hat dazu auch die Erkenntnis, daß Gewaltfolgen für die Gesundheit der Opfer zu erheblichen Kosten im Gesundheitswesen, aber auch in der Volkswirtschaft führen. Unter Gewalt wird vielfach ein außergewöhnliches Ereignis verstanden, doch darf nicht verkannt werden, daß Gewalt eine spezifische Dynamik entwickelt, wenn sie im alltäglichen Zusammenleben zur Normalität geworden ist. Ein großer Teil von Gewalt besteht nach wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht in einmaligen eskalierenden Ausbrüchen mit schweren körperlichen Verletzungen sondern in einer eher destruktiven Gewalt mit wiederholten Verletzungen, die oft nicht versorgt werden und auch nicht ausheilen können. Diese chronische Gewalt zwingt das Opfer durch dessen ständige Erwartung neuer Attacken zu einem Leben in Angst. Nach wie vor gehört auch in der Bundesrepublik Deutschland Gewalt für viele Frauen zum Alltag, wobei Gewalt in einem breiten Spektrum von Beziehungen und Örtlichkeiten verübt wird. Eine besondere Rolle spielt hierbei die häusliche Gewalt, häufig eine Kombination aus physischer Gewalt, Vergewaltigung und psychischer Mißhandlung im vermeintlichen Schutzraum des eigenen "zu Hause". Trotz der derzeit eingeschränkten Verfügbarkeit von Daten zum Ausmaß dieser Gewalt wird vermutet, daß jede dritte bis vierte Frau in ihrem Leben das Opfer von häuslicher Gewalt wird. Der vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend vorgelegte Bericht zur gesundheitlichen Situation von Frauen in Deutschland macht deutlich, daß Gewalterfahrungen schwerwiegende Folgen für die Gesundheit von Frauen haben und erhebliche Gesundheitsbelastungen nach sich ziehen. Jegliche Art von Gewalt ist traumatisch und verursacht traumatischen Streß, der wiederum zu physischen und psychischen Veränderungen führt. Dazu zählen Bewältigungs- und Abwehrmechanismen, die das Opfer entwikkelt, um mit Angst und Schmerzen fertig zu werden sowie einige Krankheiten durch akuten und chronischen Streß. In der Gesundheitsversorgung werden dem Bericht zufolge Gewalterfahrungen als Ursache für gesundheitliche Beschwerden häufig nicht erkannt und/oder nicht angemessen behandelt. Die Folgen von Gewalt sind jedoch um so gravierender, je länger die Betroffene darüber schweigt. Schuldgefühle, Scham, Angst vor dem Täter, aber auch Angst davor, auf Schuldzuweisungen, Unglauben und Abwertung zu stoßen sowie das Gefühl von Isolation erschweren es Frauen, sich jemandem anzuvertrauen. Um den Schäden an der Gesundheit der betroffenen Frauen zu begegnen, müssen Hilfsmaßnahmen früh, breit und wirksam eingesetzt werden. Erfahrungen aus dem Ausland zeigen, daß gerade die gesundheitliche Versorgung nicht nur die Chance zu einem frühzeitigen und präventiven Erstkontakt hat, sondern daß ihr auch die Aufgabe zukommt, bei der Bewältigung der erlittenen Gewalt zu helfen. Medizinische Fachleute haben häufig Kontakt zu Frauen, die unter den Folgen von Gewalt leiden, dennoch werden allzu oft nur die Symptome behandelt, anstatt die Ursache zu identifizieren. Folgen davon sind häufig Fehl- oder Übermedikalisierung mit hohen gesundheitsökonomischen Belastungen. Aufgabe der Ärzte muß sein, Gewaltopfern nicht nur geeignete medizinische Behandlung angedeihen zu lassen, sondern sie auch psychisch zu unterstützen und möglicherweise zu beraten. Um diesen Aufgaben nachzukommen bedarf es aber des Wissens um Verbreitung und Gefährlichkeit dieser Gewalt, der fachlichen Qualifikation zur Differentialdiagnose und der Befähigung, adäquat auf die betroffenen Frauen einzugehen, deren Situation zu verstehen und es ihnen zu ermöglichen, über belastende und bedrohliche Erfahrungen zu sprechen. Das Thema Gewalt gegen Frauen muß somit ein wesentlicher Schwerpunkt der Ausbildung sämtlichen medizinischen Personals werden, wobei besonderer Wert auf den Zusammenhang zwischen Gewalt und Gesundheitszustand zu legen ist. Auf der vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend veranstalteten Fachtagung "FrauenGesundheit - FrauenLeben - FrauenArbeit" im Oktober 2001 in Berlin haben sich Expertinnen aus dem medizinischen und soziologischen Bereich in einer Arbeitsgruppe mit diesem Thema beschäftigt und einen Maßnahmenkatalog erarbeitet. Als Hauptziele wurden formuliert, Gewalt gegen Frauen in allen Bereichen des Gesundheitssystems zu thematisieren sowie Patientinnenrechte festzuschreiben und zu verbreiten. Diese Ziele ließen sich nach Auffassung der Arbeitsgruppe erreichen durch Thematisierung von Gewalt gegen Frauen in der Öffentlichkeit, Fortbildung und Schulung medizinischen Fachpersonals, Erstellung von Fortbildungs- und Informationsmaterialien, sowie Einrichtung von interdisziplinären Arbeitsgruppen. Strategien zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und deren Umsetzung werden nach Meinung der Expertinnen erhebliche langfristige Auswirkungen haben, die sowohl private Schmerzen als auch öffentliche Gelder einsparen helfen. Dr. med. Marlena Robin-Winn | ||||||
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