aktualisiert am: 07.12.2001
niedersaechsisches aerzteblatt
 

12/2001


Qualitätssicherung in Niedersachsen - Grundsätze zur Förderung von Qualitätszirkeln überarbeitet

K. Rittgerodt


Der ärztliche Qualitätszirkel wurde durch die Richtlinien der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) vom Mai 1993 zur Ausgestaltung des Paragraphen 135 Sozialgesetzbuch (SGB) V in die Qualitätssicherung der vertragsärztlichen Versorgung eingeführt. Die weitere Umsetzung der Zirkelarbeit erfolgte auf Ebene der Kassenärztlichen Vereinigungen. Der Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) hat im August 1995 erstmals Grundsätze zur Förderung von Qualitätszirkeln erlassen. Seither stoßen in Niedersachsen Qualitätszirkel bei niedergelassenen Ärzten zunehmend auf Anerkennung. Im Vergleich zum gesamten Bundesgebiet sind Qualitätszirkel im Bereich der KVN überdurchschnittlich verbreitet. Die KVN fördert bereits seit vielen Jahren alle Maßnahmen, die die kontinuierliche Arbeit in den Qualitätszirkeln unterstützt.

Was ist ein Qualitätszirkel?

Der Qualitätszirkel ist der freiwillige Zusammenschluß von Ärzten und/oder Psychologischen Psychotherapeuten, die themenbezogen Fortbildung betreiben und dabei die eigene Tätigkeit kritisch überprüfen. Ziel dieser Arbeitsform ist, daß Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten freiwillig und ohne externe Kontrolle die Versorgungsqualität in ihren Praxen verbessern. Begleitet wird der Qualitätszirkel von einem Moderator, der nicht fachspezifisch gebunden sein muß. Der Moderator leitet und strukturiert die Diskussion im Qualitätszirkel. Die Festlegung der Themen wird meist im kollegialen Gespräch herbeigeführt, wobei die Themenauswahl und das zu erreichende Ziel fortwährend überprüft und eventuell korrigiert werden sollten.

Wer darf Qualitätszirkel moderieren?

Als Moderatoren sind Ärzte und Psychologische Psychotherapeuten geeignet, die über hinreichende Erfahrung in der Praxisführung verfügen und insbesondere in der Lage sind, ihre Kollegen für die Mitarbeit in Qualitätszirkeln zu motivieren, um die thematische und organisatorische Vorbereitung von Qualitätszirkelsitzungen sicherzustellen.

Die Moderatoren werden durch eine spezielle Ausbildung, das sogenannte Moderatoren-Training, auf ihre Tätigkeit vorbereitet. Zur Durchführung des Moderatoren-Trainings beauftragt die KVN seit geraumer Zeit geeignete Fachleute.

Besonderen Wert legt die KVN auf die Diskussion diagnostischer und therapeutischer Vorgehensweisen unter Einbeziehung von verhaltensmedizinisch-psychosomatischen Maßnahmen und unter Aspekten der Gesundheitsberatung.

Welche Themen sollen in Qualitätszirkeln bearbeitet werden?

Gegenstand der Arbeit in den Qualitätszirkeln sind praxisbezogene Falldarstellungen, die das Spektrum der gestellten Themen typischerweise wiedergeben. Auf Grundlage der Falldarstellungen erfolgt eine ausführliche, kollegiale Diskussion der Teilnehmer.

In den Qualitätszirkeln soll das Hauptaugenmerk, unter Berücksichtigung des Datenschutzes, auf Falldarstellungen aus den einzelnen Praxen gelegt werden. Anhand dieser Falldarstellungen ist es den Ärzten und Psychologischen Psychotherapeuten im Qualitätszirkel möglich, ihre eigene Arbeitsweise im diagnostischen und therapeutischen Bereich mit der Arbeit anderer Kollegen zu vergleichen. Ziel des Qualitätszirkels ist es, einen größtmöglichen Konsens für diagnostische und therapeutische Vorgehensweisen in der praktischen Tätigkeit zu erreichen. Aufgabe des Moderators ist hierbei, den Leitgedanken bei der Diskussion immer wieder einzubringen und eine Korrektur der Qualitätszirkelsitzungen zur Erreichung des durch die Teilnehmer festgelegten Ziels vorzunehmen.

Neue Grundsätze zur Förderung von Qualitätszirkeln

Die KVN hat im Sommer 1998 das Wissenschaftliche Institut der Ärzte Deutschlands (WIAD) e.V. in Bonn mit einer umfassenden Evaluation der ärztlichen Qualitätszirkel in Niedersachsen beauftragt. Die Ergebnisse der in der Bundesrepublik Deutschland bisher in dieser Form einmaligen Evaluation haben den Vorstand der KVN veranlaßt, die "Grundsätze zur Förderung von Qualitätszirkeln" aus dem Jahr 1995 zu überarbeiten. Der Vorstand der KVN hat die neuen Grundsätze am 5. September 2001 verabschiedet (s. Seite 72 ff.). Qualitätszirkel, die die Anforderungen der neugefaßten Grundsätze nicht erfüllen, werden längstens bis zum 31. Dezember 2002 gefördert.

Qualitätszirkel sind nicht nur ein wichtiges Instrument zur fachspezifischen Fortbildung, sondern dienen auch zur Fortbildung in Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement. Für die Zukunft ist die Einführung des Qualitätsmanagements in die medizinische Versorgung einer der vordringlichsten Aufgaben der Ärzteschaft. Damit macht sie sich unabhängig vom Gesetzgeber und den Kostenträgern. Das Qualitätsmanagement mit dem Schwerpunkt der Optimierung der Versorgungsabläufe in der Praxis ist nur mit dem verantwortlichen Management der Ärzte und Psychologischen Psychotherapeuten selbst zu erreichen. Der Qualitätszirkel als Methode des Qualitätsmanagements spielt bei der Umsetzung in die Routineversorgung eine herausragende Rolle.


Anschrift des Verfassers:

Dr. med. Klaus Rittgerodt
Qualitätssicherungsbeauftragter der
Kassenärztlichen Vereinigung
Niedersachsen
Wallstraße 14 B
38154 Königslutter

 
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