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| aktualisiert am: 10.12.2002 | ||||||
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So wird uns Ärzten das Evangelium der naturwissenschaftlichen Methode schon lange verkündet. Und wer unter den Ärzten dieses Evangelium nicht anerkennt, der verdient, wie ich es offen auszusprechen wage, den Namen eines Arztes nicht mehr". (Versammlung d. deutschen Naturforscher u. Ärzte 1878 in Kassel) 1)1 Nur etwas mehr als hundert Jahre ist es her, daß eine (natur)wissenschaftliche Orientierung, wie wir sie heute verstehen, in der Ärzteschaft einsetzte und damit einen Mainstream in der Medizin begründete, der in der Folge mit dem Begriff "Schulmedizin" eine bis heute gültige Umschreibung fand. Bis zu diesem Zeitpunkt war die Ärztezunft in eine Vielzahl von therapeutischen Richtungen zersplittert. Sie war weit davon entfernt, sich an einem allgemein anerkannten Standard der Erkenntnisse zu orientieren. Noch immer wirkte aus den Zeiten der Antike die Lehre von den vier Körpersäften und im Mittelpunkt des therapeutischen Handelns standen der Aderlaß und die Verabreichung von Brech- und Abführ-mitteln. Der Paradigmenwechsel geschah nicht von heute auf morgen. Er war ein langwieriger und für den einzelnen Arzt auch schmerzlicher Prozeß, bedeutete er doch den Abschied von jahrhunderte-, ja jahrtausendealten Vorstellungen vom menschlichen Körper und seinen Funktionsweisen und damit auch von einer medizinischen Praxis, wie sie über lange Zeit Bestand hatte (sieht man von modischen Trends und zeitbedingten Vorlieben ab). Derart einschneidende, das gesamte Weltbild verändernde Prozesse werden in der betroffenen Gesellschaft durch Auseinandersetzungen bewirkt, denen es nicht an Schärfe fehlt. Überholte Vorstellungen gehen dabei ebenso über Bord wie solche, die nicht stromlinienförmig in das neue Bild passen. Solche Teile der Ärzteschaft, die weiterhin an einer Theorie und Praxis festhielten, wie sie von dem neu definierten Kanon nicht mehr akzeptiert wurden, wurden ausgegrenzt. In der Folge nimmt die Entwicklung der Schulmedizin einen stürmischen Verlauf. Aber auch die "Außenseitermedizin" oder sog. "Volksmedizin" wirkt parallel dazu weiter. In der Naturheilkunde, der Homöopathie und der anthroposophischen Medizin werden neue Heilmittel erforscht, Therapieverfahren entwickelt und theoretische Vorstellungen formuliert. Erst sehr viel später gesellen sich mit der Traditionellen Chinesischen Medizin und dem Ayurveda zwei weitere Heil- und Therapieverfahren hinzu, die ihre Wurzeln außerhalb unseres Kulturkreises haben. Ihnen gemeinsam ist, daß sie auf einem Fundament entstanden sind, das nicht unserem westlichen Begriff von Wissenschaftlichkeit entspricht und daß kaum wissenschaftliche Studien durchgeführt wurden, die Aussagen über die Wirksamkeit der hier angewandten Therapieverfahren zulassen. Die Ergebnisse der vorhandenen Studien werden vor allem in den Medien der "Unkonventionellen Medizin" publiziert und von Vertretern der Schulmedizin kaum zur Kenntnis genommen. Eine intensivere Forschung in diesem Bereich ist sicherlich sinnvoll und notwendig, soweit unser naturwissenschaftliches Instrumentarium das zu leisten vermag. Hierzu fehlte es allerdings bislang an Mitteln und Möglichkeiten. Für die Patienten scheint die mangelnde wissenschaftliche Beweisbarkeit keine große Rolle zu spielen. Dies belegen die zunehmenden Patientenzahlen in den entsprechenden Praxen, obwohl die hier erbrachten Leistungen im Regelfall nicht über die Kassen abgerechnet werden können. Dabei nutzen viele Patienten die unkonventionellen Heilverfahren komplementär, d.h. additiv und integrativ mit anderen (schul)medizinischen Therapieangeboten. Sie nehmen für sich in Anspruch, alle Bereiche medizinischen Wissens, sowohl den der Schulmedizin als auch den der Komplementären Medizin, in den Dienst der eigenen Gesundheit zu stellen. Der Patient sucht in der Komplementären Medizin nicht in erster Linie die spezielle therapeutische Anwendung, sondern vor allem die ganzheitliche Herangehensweise. Insbesondere dann, wenn er an langwierigen, unklaren oder chronischen Erkrankungen leidet. Ganzheitlichkeit beinhaltet nicht nur die Betrachtung des gesamten physischen Organismus, mehr oder weniger unabhängig von der Lokalisation der Krankheitssymptome. Sie schließt auch individuelle und lebensgeschichtliche Aspekte der Erkrankung mit ein. Dabei geht es auch um Fragen wie: Warum ich? Warum jetzt? Warum diese Krankheit? Was kann/muß ich selbst tun? Was kann/muß ich in meinem Leben verändern? Der veränderte Blickwinkel auf die Erkrankung eröffnet neue Möglichkeiten des Zugangs zum Patienten und zu seiner Krankheit. Der Arzt erweitert damit seine Rolle um die des Mediators: er vermittelt zwischen dem Patienten und seiner Krankheit. Der Patient erkennt die Krankheit als die seine und schöpft Vertrauen zur vorgeschlagenen Therapie. Ein erster Schritt zur Genesung ist getan. In diesem Sinne ist Komplementäre Medizin nicht nur Methode, sondern auch Sichtweise und Haltung und dies ist Ansatzpunkt und Verbindung für alle medizinischen und ärztlichen Bereiche. So findet sie häufige Anwendung auf folgenden Gebieten: Vorbeugung und Prävention Chronisch funktionelle Gesundheitsstörungen Häufige, chronische und oft auch selbstlimitierend verlaufende Erkrankungen Verschiedenartige Schmerzsyndrome Psychosomatische und psychosoziale Erkrankungen Allergien und Unverträglichkeiten Umweltbedingte Erkrankungen Beschwerden im Zusammenhang mit "fixen Krankheitskonzepten"2 Damit wird deutlich, daß die Arbeitsteilung wie sie häufig beschrieben wird - die Schulmedizin behandelt die biomedizinisch definierbaren Erkrankungen und die komplementären Medizinsysteme und Verfahren kümmern sich um die Prävention und um die Behandlung von Bagatellerkrankungen - so nicht zutrifft. Die Möglichkeiten der Komplementären Medizin gehen weit darüber hinaus. Doch was soll nun den Allgemeinmediziner oder Facharzt dazu bewegen, sich mit komplementären Medizinsystemen oder mit speziellen unkonventionellen Verfahren zu beschäftigen? 1. Es sind die eigenen Patienten, die immer wieder dieses Thema an ihn herantragen. Sie suchen den Therapeuten "Arzt" für die von ihm vertretene (Fach)Richtung. Sie suchen häufig aber auch den Therapieberater, der sachkundig Auskunft geben kann über die weite und unüberschaubare Landschaft von Therapieangeboten. 2. Zum anderen stoßen alle existierenden medizinischen Richtungen an ihre therapeutischen Grenzen. Der fachlich interessierte und für seine Patienten engagierte Arzt wird alle Möglichkeiten nutzen, die er verfügbar machen kann. 3. In zunehmender Zahl sind Patienten bereit, für ärztliche Leistungen selbst zu bezahlen, wenn diese nicht von den Kassen anerkannt werden. In Zeiten enger werdender Budgets im öffentlichen Gesundheitswesen ein nicht zu unterschätzender Faktor in der betriebswirtschaftlichen Rechnung einer Praxis. 4. Überhaupt ist die politische Situation im Gesundheitswesen von Unsicherheit geprägt. Ein kaum kontrollierbarer Kostenanstieg steht schwindenden Finanzmitteln gegenüber. Und das zu einer Zeit, in der die Bevölkerung zunehmend überaltert, was die Situation weiter verschärft. Eine weitere auch kassenwirksame Anerkennung unkonventioneller Verfahren, wie wir sie ansatzweise bereits erleben, ist angesichts der Kostenvorteile auf seiten der Komplementären Medizin nicht auszuschließen. 5. Neuere Ergebnisse der Quantenphysik sowie die Erkenntnis, daß menschliche Zellen über Rezeptoren zur Aufnahme von Fotonen verfügen, könnten einen erneuten Paradigmenwechsel auch in der Medizin einleiten, an dessen Ende die Erkenntnis stehen könnte, daß Schulmedizin und Komplementäre Medizin nicht mehr so weit voneinander entfernt sind. Ich möchte einmal auf die Überschrift dieses Beitrages verweisen: "Heilen im Dialog" ist Motto und Aufforderung zugleich. Es ist das Leitmotiv für die Fort -und Weiterbildungsveranstaltungen, die in Celle entwickelt und angeboten werden, denn die Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit unterschiedlichsten therapeutischen Verfahren ist die Voraussetzung für eine gemeinsame Perspektive. Diese ist angesichts der Herausforderungen sowohl in medizinischer als auch in ökonomischer Hinsicht notwendig. Heilen im Dialog beinhaltet auch den Blick auf den Patienten. Ärzte heute haben es zunehmend mit aufgeklärten, die Verantwortung für die eigene Gesundheit ernst nehmenden Menschen zu tun. Die sich verändernde Patientenrolle stellt neue Ansprüche an den Austausch mit dem Arzt und das Spektrum seines Wissens. Der Arzt als Gesundheitsberater ist auch in Bezug auf die sensationsorientierte Berichterstattung der Medien wichtig. Die sachliche und differenzierte Information der medizinischen Laien, die hierbei meist zu kurz kommt, bedarf dringend Vermittlung. Hier sind nicht nur die Ärzte gefragt, sondern auch übergeordnete Einrichtungen und Berufsverbände. So bietet zum Beispiel das Institut für homöopathische Medizin Celle e.V. (NIHOM) seit Jahren Vorträge und Seminare für medizinische Laien an, die weit über das Thema Homöopathie hinausgehen. Es ist Teil eines Netzwerkes, das "Heilen im Dialog" zum Leitmotiv erhoben hat. Hierzu ist auch die Niedersächsische Akademie für Homöopathie und Naturheilverfahren, Celle e.V. (N.A.H.N.) zu zählen sowie das Pflegeprojekt im Allgemeinen Krankenhaus in Celle und das mit Celle verbundene Netzwerk erfahrener und kompetenter Fachleute, das weit über Niedersachsen hinaus angesiedelt ist. Das vorliegende Schwerpunktheft will ebenfalls zur Förderung des Dialogs beitragen. Sie haben Gelegenheit, in den folgenden Beiträgen einige spannende historische Aspekte zu entdecken, ein interessantes Krankenhausprojekt kennen zu lernen, vor allem aber einen Einblick in Erkenntnisse und Erfahrungen komplementär praktizierender Kollegen zu bekommen. Anschrift der Verfasserin: Sigrid Heinze Geschäftsführerin der Niedersächsischen Akademie für Homöopathie und Naturheilverfahren und der gGmbH Heilen im Dialog Heilen im Dialog Markt 14-16 29221 Celle Tel: (0 51 4) 12 289 Fax: (0 51 41) 12 174 Internet: http://www.keimcellezukunft.de E-Mail: sigridheinze@web.de | ||||||
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