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12/2002 |
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Nein, man kann es wirklich nicht behaupten, daß dem Gesundheitswesen die Arbeit ausginge. Ganz im Gegenteil: Alle Prognosen ernst zu nehmender Epidemiologen, Demographen und Gesundheitsökonomen weisen zunehmenden Behandlungsbedarf aus. Ob dabei immer und stets die optimale Therapie und Diagnostik zum Einsatz kommt, ist vor dem Hintergrund von Einschnitten und Eingriffen in die Gestaltungsfreiheit des Arztes in Klinik und Praxis jedoch fraglich. Die Krise des Gesundheitswesens ist nicht nur die Krise der dort Beschäftigten, sondern sie wird mehr und mehr auch zum Problem für die Patienten selbst. Staatlicher Interventionismus, gepaart mit einem Übermaß an Bürokratie sorgen in nahezu allen Leistungsbereichen für erhebliche Reibungsverluste, zumal durch Mittelentzug und Systemtransfers bzw. Nullrundendiktate Menge und Qualität von Leistungen in gewohntem Standard nicht länger garantiert sind. Beide, Individuum Arzt und Individuum Patient, verlieren ihre Konturen. Die zunehmende Präsenz betriebswirtschaftlicher, gesundheitsökonomischer Instrumente verstellen dabei den Blick für das Leistungsgeschehen und den Leistungsbedarf an sich. Dies ist in etwa das Resümee des 2. Oldenburger Ärztetages, der in seinem nachmittäglichen berufspolitischen Teil ("Ärztliche Berufsausübung im Spannungsfeld zwischen Gesundheitspolitik, Krankenkassen und Patientenwünschen") am Beispiel der Systeme Krankenhaus und Arztpraxis Chancen und Risiken kommender Berufsausübung in diesen beiden Sektoren auszuleuchten versuchte. Dabei, so der Vorsitzende des Hausärzte-Verbandes BDA, Prof. Dr. med. Klaus-Dieter Kossow, dürfte der demographisch begründete zu erwartende Nachfrageboom ("eigentlich sehr ärztefreundlich") dazu ermuntern, ärztlich tätig zu werden oder es - trotz vielfältigen Frusts - zu bleiben. Besonders die geriatrisch ausgerichteten Fächer stünden vor einer glänzenden Zukunft. Der medizinische Fortschritt inklusive moderner Informationstechnologien sollte zusätzlich Mut machen. Mutlosigkeit, ja sogar Resignation unter den Kolleginnen und Kollegen seien hingegen die aktuellen Befunde. Für den in Achim bei Bremen niedergelassenen Allgemeinarzt ist klar: Ursache dafür ist der Widerspruch zwischen maximaler, durch den Gesetzgeber rechtlich garantierter Leistungserwartung der Gesellschaft und einer unter Budgetbedingungen unverändert leistungsgehinderten Berufsgruppe. Die Situation sei darüber hinaus noch durch einen von Überkapazitäten angeheizten, verschärften Wettbewerb der Leistungsanbieter untereinander gekennzeichnet, "wobei leider auch die medizinische Ethik zugrunde geht." Kossow machte in Bad Zwischenahn dafür u.a. die Doppelstruktur des Facharztangebotes verantwortlich, das "wie in keinem anderen Land der Welt" gleichzeitig im ambulanten Sektor und in den Kliniken "manchmal nur um die Ecke vorgehalten werde. Der erhöhte Druck auf die Ärzteschaft hat laut Kossow natürlich Konsequenzen, indem viele Ärztinnen und Ärzte in andere Berufsfelder ausweichen, die Frühverrentung anstreben oder gar per Burn-Out-Syndrom mit Suizidversuchen reagierten. Fallpauschalen als "Durchlauferhitzer"Auch das Krankenhaus steht nach Ansicht des Berliner Kammerpräsidenten Dr. med. Günther Jonitz vor weitreichenden strukturellen Veränderungen. Die ab 2003 zunächst freiwillig, im Folgejahr dann verbindlich auf der Basis der DRGs einzuführenden Fallpauschalen für Krankenhausleistungen blieben nicht ohne gravierende Auswirkungen. Das System verliere seinen Anspruch, nicht mehr den Patienten zum Maßstab des klinischen Handelns zu machen, sondern nur noch die Summe seiner Diagnosen. Die Aussicht auf Überschüsse und damit Gewinne, bzw. Unterdeckung und Verluste bewirke a) eine Kostenrerduktion, b) die Spezialisierung des Hauses, c) den radikalen Bettenabbau bis hin zur Schließung von Häusern und d) eine umfassende interne Reorganisation bei e) Verlust humaner Arbeitsbedingungen. Pauschalen hätten, so der Berliner Kammerchef, die fatale Eigenschaft, Patienten in möglichst kurzer Zeit mit möglichst geringem Aufwand "durch das System zu bringen", egal was außerhalb des Zuständigkeitsbereiches der Kliniken dann mit dem Patienten passiere. Jonitz zitierte aus einer US-amerikanischen Studie des Jahres 2000, wonach bei Fallpauschal-abgerechneten Patienten ein signifikanter Anstieg von Todesfällen, die baldige stationäre Wiederaufnahme und/oder die Verlegung in ein Pflegeheim registriert worden ist. Gleichzeitig erhöhe sich das Maß an Verantwortung und Haftung der Gesundheitsdienstleister, denn "kein Sozialversicherungsfachangestellter geht in den Knast, wenn die Patientenversorgung nicht läuft", weiß Jonitz. | ||||||
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