aktualisiert am: 11.12.2002
niedersaechsisches aerzteblatt
 

12/2002


Präventionsbeauftragte wollen Interesse an Gesundheitsvorsorge fördern


Präventions- und Früherkennungsangebote sind nach Ansicht der Ärztekammer und der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen ein unverzichtbarer Beitrag zur individuellen Gesundheitspflege und für das persönliche Wohlbefinden. Zugleich bietet die Vermeidung von Krankheiten eine Chance, die Finanzlage der Sozialversicherungssysteme zu verbessern. Auf einer Pressekonferenz am 29. Oktober zum Auftakt der "Ärztlichen Präventionstage 2002" (Motto: "Gesund - mitten im Leben") plädierten die beiden Körperschaften daher für mehr Dynamik in der Nutzung der Vorsorgemedizin - im Interesse des einzelnen Patienten wie der Solidargemeinschaft.

Denn das Angebot der Gesundheitsuntersuchung ("Check Up") ab dem 35. Lebensjahr nehmen zu wenige Versicherte in Anspruch. Der Präventionsbeauftragte der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen, Dr. Udo Niedergerke, beklagte: "Gerade mal 26 Prozent der berechtigten Frauen und 27 Prozent der Männer in Niedersachsen nutzen unser Angebot."

Die wenigsten Versicherten wissen, daß sie auch dann untersucht werden, wenn sie keine Beschwerden haben. Eine Auswertung der bisher erfolgten Gesundheitsuntersuchungen hat ergeben, daß bei jedem zweiten Teilnehmer eine Erkrankung oder Risikofaktoren festgestellt wurden, die bis dahin noch nicht bekannt waren. Am häufigsten sind erhöhte Blutfettwerte festgestellt worden. Das Früherkennungsangebot der Gesundheitsuntersuchung ist nach Ansicht Niedergerkes ein wichtiger Schritt, die vorbeugende Medizin noch stärker im Bewußtsein der Bevölkerung zu verankern. "Wir Ärzte stehen gern bereit, wenn unsere Patienten für das wertvolle Gut âGesundheitÔ selbst Verantwortung übernehmen."

Dr. med. Thomas Suermann, Präventionsbeauftragter der Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN) wies insbesondere darauf in, daß seit dem 1. Oktober 2002 Versicherte in der gesetzlichen Krankenversicherung erstmals ab dem 55. Lebensjahr und danach alle zehn Jahre eine präventive Darmspiegelung als Krebsfrüherkennungsmaßnahme durchführen lassen können.

Ab dem Alter von 55 Jahren nehme die Häufigkeit von Darmkrebs deutlich zu. Der Papierstreifentest mit seiner Schwäche, nicht jeden Krebs zu entdecken, komme diesem erhöhten Risiko aber nur ungenügend nach. "Die Darmspiegelung als neue Früherkennungsleistung bietet dagegen die Chance, bereits Vorstufen von Krebs zu entdecken und zu entfernen, so daß Krebs gar nicht mehr erst entstehen muß". Das kolorektale Karzinom, in Niedersachsen mit rund jährlich 2.400 Todesfällen die zweithäufigste Krebstodesursache, habe durch Früherkennung viel von seinem bisherigen Schrecken eingebüßt.

Das eigentliche Problem sind für beide Ärzte die geringen Beteiligungsquoten vor allem jüngerer und mittlerer Jahrgänge an den Vorsorgeuntersuchungen. Die Ärzteschaft habe eine besondere Verpflichtung, das allgemeine Interesse daran zu entwickeln. "Das persönliche Vertrauensverhältnis zu den Patienten, gepaart mit umfassender ärztlicher Kompetenz, ist die beste Basis für die angestrebte Änderung krankheitsfördernder Verhaltensweisen", zeigte sich Niedergerke überzeugt. Wegen ihrer überragenden Bedeutung im Gesundheitswesen fordert er die vollständige Entdeckelung aller Präventionsleistungen und die Garantie eines festen Punktwertes. "Das von der neuen Regierung im Koalitionsvertrag angekündigte Präventionsgesetz sollte dies auch festschreiben", so der in Hannover niedergelassene Internist.

Zudem strebt die ärztliche Selbstverwaltung nach einer Erweiterung der gemeinsam von der Ärzteschaft und der GKV getragenen Programme zur Gesundheitsförderung. Längst gibt es für die Ärzteschaft einschlägige Fortbildungsmaßnahmen sowie umfangreiches, qualitätsgesichertes Behandlungs- und Beratungsmaterial. Mit dem Schwerpunktthema der nächstjährigen Langeooger Fortbildungswochen "Prävention - die zuvorkommende Medizin" sollen laut Suermann die ohnehin schon hohen Standards weiter verbessert werden.
red.

 
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