nä 12/2003
aktualisiert am: 11.12.2003
 ethik

transkulturell

Medizin - Ethnologie im Spannungsfeld zwischen Theorie und Praxis. Zur Entwicklung von Intergrationsansätzen für ethno-therapeutische Behandlungsformen in der heutigen Medizin


Wir leben in einer Zeit der Veränderungen und sozialen Umwälzungen und grundlegender Erneuerungen auf allen sozio-kulturellen Ebenen. Wir sind wie selten zuvor mit zunehmenden Herausforderungen kon-frontiert, die wir bewerten, aushalten und abwehren müssen. Wie unsichtbare Fäden beeinflussen verschiedenste Einflüsse unser Wohlbefinden, unsere Gesundheit und Vitalität.

Wissenschaft und Schulmedizin vollbringen immer neue "Wunder" dank innovativer Pharmazeutika und weit fortgeschrittener Hochleistungstechnik. Sie sind eine bedeutende Grundlage und unentbehrlich, wenn es darum geht, mit Krankheiten diagnostisch und therapeutisch verantwortungsvoll umzugehen.

Doch ist die Schulmedizin für sich allein in der Lage, den veränderten und ständig wachsenden Bedürfnissen des kranken Menschen ausreichend gerecht zu werden? Verlangt nicht die Ethik der Medizin auch Flexibilität und Offenheit, wenn es darum geht einen Blick über den Tellerrand hinaus zu wagen, um aus dem Gesundheitsverständnis und Heilwissen anderer Kulturen neue Impulse zu bekommen? Die Beschäftigung mit Ethnomedizin kann einen Beitrag zu neuen Perspektiven leisten und neue Impulse geben, die das medizinische Denken und Handeln auf allen gesellschaftlichen Ebenen bereichern.

Ethnomedizin - Medizingeschichte unseres Planeten

Ethnomedizin erforscht und vergleicht die verschiedenen Medizinsysteme der Völker und Zeiten. Die Erforschung von Heilpflanzen, Heilmitteln und Heilkonzepten anderer Völker und Kulturen bringt viele erstaunliche, verwunderliche, faszinierende aber auch befremdliche Dinge zum Vorschein. Meist verbergen sich hinter den sichtbaren Heilweisen interessante und äußerst komplexe Wirklichkeitskonzepte und Weltbilder, die bei näherer Betrachtung auch neue Perspektiven für das medizinische Denken und Handeln hierzulande eröffnen. Die Forschungsbereiche der Ethnomedizin umspannen kulturübergreifend das medizinische Wissen von örtlichen Ärzten bis hin zu den traditionellen Heilkundigen in Gegenwart und Vergangenheit.

Aktuelle Schwerpunkte der Ethnomedizin bilden die Integration kulturfremder Krankheitsvorstellungen und Behandlungskonzepte und die Neubewertung der Volksmedizin anderer Kulturen - nicht als alternative Medizin sondern als Teil der Medizin unseres Planeten.

Eine riesige Schatztruhe öffnet sich bei der Betrachtung darüber, wie andere Kulturen, etwa in Asien oder Südamerika, mit psychischen Krankheiten und deren Therapien umgehen. Wer wäre so vermessen zu behaupten, unsere psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Sozialmedizin und Sozialpsychiatrie könnten von diesen Kulturen in ihrem Umgang mit dem kranken Menschen nichts dazulernen?

Hat nicht auch das Beispiel der traditionellen chinesischen Medizin - die übrigens die WHO bereits Anfang der achtziger Jahre als effektive Therapiemaßnahme offiziell anerkannt hat - gezeigt, wie Menschen in unserem Gesundheitsversorgungssystem jahrzehntelang eine Therapiemethode vorenthalten wurde, die seit tausenden von Jahren fester und tragender Bestandteil der Medizin der gesamten östlichen Hemisphäre war und auch heute noch für mehr als vier Milliarden Menschen ist? Das chinesische Qi Gong mit seinen äußerst effektiven Entspannungs-, Regenerations- und Fitneßübungen ist ein weiteres Beispiel aus dem Wissensgut der chinesischen Medizin und liefert einen wertvollen Beitrag für Gesundheit und Wohlbefinden. Kann man allen Ernstes behaupten, mehr die Hälfte der Länder unserer Erde und ihre Verantwortlichen seien dumm und abergläubisch?
Was ist mit dem überlieferten Wissen von der Phytotherapie aus den tropischen Regenwäldern und der Dschungelmedizin? Müssen die Heilpflanzen wirklich von dort kommen wo der Kranke lebt? Vielleicht sind es in der globalisierten Welt gerade diese äußeren Impulse, die wir brauchen, um uns aus eingefahrenen Denkstrukturen zu lösen und uns für neue Perspektiven zu öffnen.

Unter dem Titel "Therapeutische Konzepte im Kulturvergleich - Expedition in die faszinierende Welt der Heilweisen anderer Kulturen" werden künftig verschiedene medizinischen Fächer als Fort- und Weiterbildungsseminare für Ärzte und Apotheker angeboten.

In diesen Kursen werden die Ethno-Therapien beziehungsweise die Volksheilkunden der wichtigsten Kulturen unseres Planeten einer kritischen Prüfung unterzogen und auf ihre effizientesten Therapieansätze hin untersucht.

Die Transkulturelle Betrachtungsweise erfährt eine Systematik durch die praxisnahe Betrachtung und Übertragung folgender medizinischer Fächer (die gemäß §27 der neuen Approbationsordnung als Wahlfächer für die ärztliche Aus- und Weiterbildung bestätigt wurden) auf den entsprechenden Kulturkreis:

> Geschichte, Theorie und Ethik der
Medizin des entsprechenden Landes,
> Psychosomatische Medizin und
Psychotherapie, Sozialmedizin und Sozialpsychiatrie ,
> Gesundheitsökonomie, Prävention
und öffentliche Gesundheitspflege,
> Physikalische Medizin, Naturheil-
verfahren und Phytopharmakologie der Heilpflanzen des jeweiligen Landes.


 

Verfasser/in:
Dr. med. Ingfried Hobert

An der Friedenseiche 5, 31515 Wunstorf


12/2003

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Umfragen

 


Einführungsvortrag
28. Januar 2004 um 20 Uhr
Ärztekammer Niedersachsen,
Berliner Allee 20
Anmeldung erforderlich.
Siehe unten

Anmeldung und Infos über alle ethnomedizinischen Vorträge in 2004:
EthnoMed Akademie
Dr. med. Ingfried Hobert
An der Friedenseiche 5
31515 Wunstorf 2
Tel.:(0 50 33) 95 03 14)
Fax: (0 50 33) 10 53
E-Mail: dr.hobert@medicalcity.de
Internet: http://www.ethnomed-akademie.de
http://www.medicalcity.de
 
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