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12/1999 | |||||
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Das Ergebnis der Abstimmung (Stand 14.01.2000): |
Die Internet-Abstimmung des nä in Heft 12/99 zum Thema "Kinderwunschbehandlung" erbrachte folgendes Ergebnis: contra: 64,71%der gültigen abgegebenen Stimmen. (n=17) Diese Umfrage ist nicht repräsentativ. |
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Vor 200 Jahren, als die Wissenschaftsrichtung der Demografie begründet wurde, stand das Problem der rapide wachsenden Bevölkerung im Vordergrund. In der Welt von heute diskutieren zumindest die Industrieländer ein eher entgegengesetztes Problem. In der Bundesrepublik wurde 1994 mit 770 000 Geburten der niedrigste Stand der Nachkriegszeit er-reicht. Derzeit liegt die Zahl der Geburten weit unter dem Stand, der notwendig wä-re, um die Bevölkerungsgröße zumindest stabil zu halten. Nun steht der Gruppe, die weniger Kinder haben wollen, eine Pa-tientengruppe gegenüber, die sich dringend ein Kind wünschen, aber trotz intensiven Bemühens ungewollt kinderlos bleiben. Man schätzt, daß in den industrialisierten Staaten, darunter auch Deutschland, jedes vierte bis sechste Paar in der Altersgruppe 25 bis 45 Jahre ungewollt kinderlos ist. Die Nichterfüllung des bestehenden Kinderwunsches bedeutet für die Betroffenen eine große psychische Belastung. Kulturgeschichtlich galt die ungewollt kinderlose Ehe schon immer als ein großes Unglück. Die Gesellschaft sieht das Ziel einer Verbindung und des Erwachsenenstatus erst mit der Elternschaft erreicht. Durch diese soziale Norm ist der Wunsch nach Kindern etabliert und verstärkt worden. Bis zur Jahrhundertwende galten Ehe und Kinder als Lebensbestimmung für die Frau, der auch in vielen Fällen die Unfruchtbarkeit der Partnerschaft angelastet wurde. Fruchtbarkeitsgötter fanden in allen Kulturen eine Verehrung. Hier wurde ein Grundstein der Fehlauffassung gelegt, daß man über diesen Weg die Fruchtbarkeit beeinflussen kann. Auch in der heutigen Zeit findet man aufgrund der Unwissenheit über dieses Problem die weitverbreitete Meinung, daß es sich um eine Modeerscheinung handelt bzw. der Streß als Ursache der ungewollten Kinderlosigkeit genannt wird. Durch die Entwicklung der Sterilitätsdiagnostik können wir heute in vielen Fällen die Ursache medizinisch genau benennen. Durch die Zunahme der sexuell übertragbaren Erkrankungen wurden in den letzten Jahren vermehrt entzündliche Veränderungen der Eileiter beobachtet. Ein Meilenstein in der Sterilitätstherapie war die Entwicklung der Befruchtung außerhalb des Körpers (In vitro-Fertilisation). Durch die Verbesserung der medikamentösen Anregungstherapien der Eierstöcke (Follikelstimulation) konnten die Schwangerschaftsraten stetig verbessert werden. In der letzten Zeit wird eine deutliche und erschreckende Zunahme männlicher Zeugungseinschränkungen beobachtet. Mit der Entwicklung der Mikroinjektion von Samenfäden in die Eizelle bei ausbleibenden Befruchtungsstadien wurde ein erheblicher Fortschritt erzielt. Die Indikation zur Durchführung einer Kinderwunschbehandlung ist die Unfruchtbarkeit des Paares. Die Unfruchtbarkeit entwickelt sich aus biologischen, psychischen und sozialen Problemen zwischen den Partnern und ist nicht nur das Ergebnis des medizinischen Defektes nur eines Partners. Generation für Generation haben die Menschen in Jahrtausenden gemeinsam die komplizierte genetische Botschaft, die jedes Individuum in sich trägt, entwickelt und weitergegeben. Die Unfähigkeit der Fortpflanzung beeinträchtigt das Glücks- und Lebensgefühl des Paares erheblich. Die Unfruchtbarkeit (ungewollte Kinderlosigkeit) stellt ein Abweichen von den Normbedingungen der Natur dar. Abweichungen von der Natur bezeichnen wir als Krankheit. Das Symptom der ungewollten Kinderlosigkeit ist durch die Weltgesundheitsorganisation als Krankheit anerkannt worden. Die Bundesrepublik Deutschland hat dieses mit ihrer Unterschrift bestätigt. Im Gegensatz zu manchen chronischen Erkrankungen stellt die ungewollte Kinderlosigkeit keine lebensbedrohliche Erkrankung dar. Die Behandlungsbedürftigkeit dieser Krankheit entsteht mehr aus dem sozialen Bereich. In einem gemeinsamen Kind kommt für die Lebenspartner der Wunsch nach Aufhebung von Getrenntheit und Verschmelzung mit dem anderen Partner zum Ausdruck. Aber auch die sozialpolitischen Auswirkungen unterdurchschnittlicher Geburtenraten sind beachtlich: Der Anteil der älteren Menschen steigt ständig. Man schätzt, daß im Jahr 2040 das Durchschnittsalter der Deutschen bei 50 Jahren liegen wird. Der Zusammenbruch des Systems der sozialen Sicherung ist zu befürchten, wenn die Geburtenhäufigkeit nicht dramatisch auf zwei Kinder pro Frau zunimmt. Da von diesem Zuwachs nicht auszugehen ist, gewinnen die ungewollt kinderlosen Paare mit ihrem individuellen Schicksal immer mehr an sozialpolitischer Bedeutung und Verantwortung. Daher hat die Gemeinschaft auch die Pflicht, sich an der Reproduktion ihrer eigenen Bevölkerung zu beteiligen. Die Sterilitätstherapie muß deshalb Bestandteil der gesetzlichen Krankenkassenversicherung bleiben. Da die Paare auch eine individuelle Verantwortung auf diesem Gebiet tragen, sollten die Kosten der Sterilitätstherapie nicht vollständig zu Lasten der GKV durchgeführt werden. Eine finanzielle Beteiligung der betroffenen Paare [ist anzustreben], zu der diese nach unseren Erfahrungen auch bereit sind. |
Ich danke für die Einladung, hier meine Überlegungen zum Thema vorstellen zu können: "Therapie des unerfüllten Kinderwunsches als Kassenleistung - ja oder nein?". Auf dem 2. Hannoverschen Ärztinnentag im Oktober d.J. habe ich mich bereits dagegen ausgesprochen. Ich will meine persönliche Auffassung hier noch einmal begründen. Mein Ansatz reicht allerdings über die aktuelle Diskussion der merkwürdigen Logik unterschiedlicher Finanzierungsmodalitäten, je nach dem, ob es sich um Fertilitätsstörungen der Frau oder des Mannes handelt, hinaus. Er orientiert sich auch nicht an der Realisierung von Einsparpotentialen, da bei ordentlicher Beratung der betroffenen Paare die Ausgaben im Budget der Psychotherapeuten anfallen könnten. Vielmehr verneine ich die Finanzierungsnotwendigkeit der Therapie des unerfüllten Kinderwunsches durch die Solidargemeinschaft der Krankenversicherten in seiner Gesamtheit, weil ich diese Sachverhalte in der persönlichen Lebenssphäre angesiedelt sehe, die nicht "sozialisiert" werden sollte. Ich weiß um die Sehnsüchte zweier Menschen, die sich lieben, sich so innig zu verbinden, daß etwas Neues, ein neuer Mensch, eine neue Persönlichkeit entsteht, mit allen Potentialen bis hin zum Nobelpreisträger, der die gesamte Menschheit bereichern kann. Ich weiß um das Gefühl von Eltern, in einer langen Reihe zu stehen, die vom Anbeginn des Lebens auf diesem Planeten bis heute und in die Zukunft reicht, und ich weiß um das Staunen über Werden und Wachsen von kleinen Kindern bis hin zu ernst zu nehmenden Partnern im Streitgespräch. Wie schmerzhaft ein unerfüllter Kinderwunsch sich anfühlt, ist mir sehr vertraut. Aber ist er deshalb eine "Krankheit", die der Heilung bedarf? Einer Heilung um jeden Preis unter Hinweis auf die Möglichkeiten vorhandener Medizintechnik? Ich finde diese Definition so abwegig, wie ein unerwünscht geborenes Kind im Rahmen "ärztlichen Versagens" als "Schaden" zu bezeichnen, der Regreßansprüche auslöst. Gibt es einen Anspruch, ein Recht auf das eigene Kind? Wo sehen die MedizinerInnen die Würde der Menschen gewahrt, die in ihrer so definierten Not, bei den vielfachen Versuchen zu einer Schwangerschaft zu gelangen, in ganz bestimmten Zeitfenstern Geschlechtsverkehr "verordnet" bekommen, in der Steigerung über Samenabgabe und die vielen Versuche der Befruchtung und Einnistung von Eizellen? Wie ist es um ein Paar bestellt, das meint, so eine harte, alte, frühbiblische oder orthodox-katholische Tradition des "seid fruchtbar und mehret Euch" leben zu müssen? Wie ist es mit dem Recht des Kindes bestellt, aus sich heraus wertvoll und geliebt zu sein, ohne eine überhöhte Funktion für seine Eltern zu tragen? Und wenn es denn tatsächlich um den Versuch oder die Wiederholung des Lebens einer wunderschönen Kindheit im bergenden Familienverband geht: Es gibt viele Kinder, die eine solche Familie dringend benötigen! Mit Pflege und Adoption haben schon viele Kinder "das Licht der Welt erblickt"! Die Erde leidet heute nicht an zu wenigen Menschen, sondern an ihrer Überbevölkerung. Auch dem Trend der Deutschen, zahlenmäßig immer weniger zu werden, ist mit den variantenreichen Möglichkeiten der Fertilitätsmedizin nicht gegenzusteuern (ohne auf den Aspekt, daß sich Fertilitäts-probleme durch Vererbung potenzieren, einzugehen), da hilft neben einer ordentlichen Familienpolitik nur Zuwanderung, wie in früheren Jahrhunderten auch. Ein weiterer Gedanke in diesem Zusammenhang beschäftigt mich: Das Wort "Schicksal" haben unsere Altvorderen gebraucht, um den Zustand zu beschreiben, der die Grenzen menschlichen Könnens, seines Strebens, Wollens bezeichnet. Diese Erfahrungen haben uns davor bewahrt, dem Wunsch nach grenzenloser Verfügbarkeit von Menschen und dem Material aus dem wir sind, Widerstand zu leisten. Unserer Gesellschaft ist es in vielen Kämpfen gelungen, die Grenzen des Schicksals sehr weit zu verschieben. Ich freue mich darüber, daß wir heute auf mehr "Chancen" als auf "Schicksal" treffen. Im Fall des unerfüllten Kinderwunsches können wir zwar medizintechnisch "helfen", - aber sollen wir das auch? Wir stützen die medizinischen Leistungen um Schwangerschaft und Geburt innerhalb der Kassensolidarität, weil aus der normalen Hausgeburt im Laufe der Entwicklung eine medizintechnisch hochqualifizierte Leistung geworden ist, die wir sinnvollerweise bereithalten, um das Leben, das ist, von Risiken zu entlasten! Aber ein "Leben", das erst als eine (bzw. zwei) Zelle existiert, mit allen technologischen Mitteln dazu zubringen, ein Wunder zu werden? Ich meine: nein. |
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Das Ergebnis der Abstimmung (Stand 14.01.2000): |
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