nä 02/2005
aktualisiert am: 2-.-0.2004

Humanitäre Hilfe  

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guter rat, gute tat

Wie und wo Ärztinnen und Ärzte in der Katastrophenhilfe aktiv werden können. Ein Leitfaden für Interessenten


Die Flutkatastrophe im Indischen Ozean mit ihren schlimmen Auswirkungen auf viele Anrainerstaaten im südostasiatischen Raum hat mit mehr als 250 00 Todesopfern und Millionen an Verletzten, Erkrankten sowie Obdachlosen nicht nur umfangreiche materielle Hilfeleistungen induziert, sondern auch eine große Zahl an Helferinnen und Helfern mobilisiert, darunter viele aus der Bundesrepublik Deutschland.
Neben zahlreichen, auf diesem Gebiet sehr erfahrenen Personen hat es allerdings immer wieder einige gegeben, die trotz ihres Enthusiasmus nicht die Voraussetzungen erfüllten, die für eine wirksame Katastrophenhilfe unerläßlich sind. Andererseits mangelte es auch an Informationen über den quantitativen und inhaltlichen Bedarf an Katastrophenhelfern - eine Erkenntnis, die früher schon für Verwirrung und Unsicherheit gesorgt hat und wohl auch in Zukunft eine Rolle spielen wird.
Die Redaktion des niedersächsischen ärzteblattes hat daher - auch und gerade im Hinblick auf mögliche künftige Ereignisse - bei Hilfsorganisationen nachgefragt, welche Voraussetzungen Personen, insbesondere Ärztinnen und Ärzte, für deren Einsatz in einem Notstands- oder Katastrophengebiet erfüllen sollten und welcher Bedarf an Helfern aktuell und in Zukunft besteht. Hier die Antworten:

Zur Helfersituation in Südasien

Dr. med. Bärbel Krumme, Leiterin der Ärztlichen Arbeitsgemeinschaft und Koordinatorin Zusammenarbeit in Not und Katastrophen beim Missionsärztlichen Institut in Würzburg:

Am häufigsten suchen die Organisationen zur Zeit Logistiker, die Hilfsmaßnahmen mit lokalen Nichtregierungsorganisationen im Krisengebiet koordinieren können. Kurativ tätiges medizinisches Personal wird fast nicht gebraucht. Eine Ausnahme bilden katastrophenerfahrene Ärzte, OP-Schwestern, Laborpersonal und so weiter, die vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) geschult wurden und in den DRK-betriebenen Hospitälern Dienst tun.

Ansonsten werden keine kurativ tätigen Ärzte benötigt. Etwas anderes ist es bei Ärzten mit besonderer professioneller Ausbildung einschließlich Auslandserfahrung in International Health, Public Health, Community Health oder Health Management. Es ist auch möglich, daß gezielt Psychiater zum Einsatz kommen, die sich mit seelischer Traumatisierung auskennen. In Sri Lanka handelt es sich unter Umständen um kumulative Traumatisierung durch den Bürgerkrieg und die aktuelle Naturkatastrophe. Dabei ist es aber wichtig, daß sogenannte Care Taker, wie Lehrer, Kinderbetreuerinnen und so weiter mit den Symptomen und einfachen Interventionsstrategien vertraut gemacht werden (Trauma Education, Trauma Counselling, Psychosoziale Betreuung). Daß der Helfer oder die Helferin selbst diagnostisch oder gar therapeutisch bei einzelnen Patienten tätig wird, wird nicht erwartet.

Ärztekammer Niedersachsen fragt nach

Im Rahmen einer Spontanbefragung der Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN), die selber unter www.aekn.de, Rubik Information / Humanitäre Hilfe weitere Informationen vorhält, erhielten wir die nachfolgend aufgeführten Rückmeldungen:

Ärzte der Welt
- Médecins du Monde Deutschland
Thalkirchner Str. 81 / KH 1,
81371 München,
Tel.: (0 89) 62 42 09 55
Fax: (0 89) 65 30 99 72
E-Mail: info@aerztederwelt.org
Internet: http://www.aerztederwelt.org

Kurzeinsätze / Einsatzdauer:
drei bis sechs Monate

Bewerbung: Bewerbungsmodalitäten und -formulare unter >http://v8.vserver.m-online.net /Stellenangebote/.

Die endgültige Entscheidung über die personelle Besetzung der Einsätze liegt bei der Recruitment-Abteilung in Paris.

Ärzte ohne Grenzen e.V.
- Personalabteilung
Am Köllnischen Park 1, 10179 Berlin
Internet: http://www.aerzte-ohne-grenzen.de

Bewerbung: Formular auf der Website (unter Mitarbeit)

Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe e.V. /
Caritas International
Postfach 21 01 28, 50527 Köln
E-Mail: infoline@ageh.org
Internet: http://www.ageh.org

Bedarf: Für die Mitarbeit werden ständig fachlich geeignete Interessenten gesucht, die nach Eignungsprüfung per Auswahlverfahren in einen Bewerberpool aufgenommen und im Falle einer dringenden Personalanfrage kurzfristig vermittelt werden. Es gibt aber nur selten Anfragen nach medizinischem Personal. Im Entwicklungsdienst werden regelmäßig Ärzte für mehrjährige Tätigkeiten gesucht, insbesondere mit den Fachrichtungen Allgemeinmedizin, Innere Medizin, Pädiatrie, Gynäkologie, Tropenmedizin und Chirurgie

Vorkenntnisse: Mehrjährige Berufserfahrung wird vorausgesetzt. Auslandserfahrung sowie gute Sprachkenntnisse sind wünschenswert. Weiterbildung in Public Health erhöht die Vermittlungschancen. Die Vermittlung selbst erfolgt nach dem Entwicklungshelfergesetz.

Kurzeinsätze/Einsatzdauer: In der Not- und Katastrophenhilfe beträgt die Dauer der Mitarbeit drei bis sechs Monate, in der Wiederaufbauhilfe ein bis zwei Jahre.

Bewerbung: Aktuelle Stellenausschreibungen auf der Homepage, Bewerbung auch online möglich. Ansprechpartnerin bei Erstkontakt: Frau Nollen,
Tel.: (02 21) 8 89 61 12

Deutsches Rotes Kreuz
Generalsekretariat
Carstennstr. 58, 12205 Berlin
Internet: http://www.drk.de

Bewerbung: Herr Bartholomäus
Fax: (0 30) 85 40 44 50
E-Mail: Barthof@DRK.de

Hammer Forum e.V.
Ostenallee 107, 59071 Hamm
Tel.: (0 23 81) 98 65 28
Fax: (0 23 81) 88 09 86
E-Mail: info@hammer-forum.de
Internet: http://www.hammer-forum.de

Bedarf: Ein Mitarbeiter der Organisation und ein Kinderarzt bereisen den Nord-Osten Sri Lankas. Im Februar wird entschieden, wie ein medizinisches Projekt aussehen wird. Derzeit besteht kein akuter Bedarf an medizinischem Personal. Allerdings werden für andere Projektländer (Eritrea, Jemen, Guinea) immer Ärztinnen und Ärzte gesucht, die Einsätze begleiten.

Kurzeinsätze / Einsatzdauer: Die Organisation führt zweiwöchige Kurzeinsätze durch, der Aufenthalt in Guinea dauert mindestens sechs Wochen, längere Einsätze sind möglich.

Vorkenntnisse: Ärzte sollten bereits Erfahrungen haben, da vor Ort häufig improvisiert werden muß. In der Regel sind Dolmetscher im Einsatzgebiet vorhanden. Englische Sprachkenntnisse (oder Französisch für Guinea) erleichtern die Arbeit. Grundsätzlich werden Chirurgen unterschiedlicher Schwerpunkte gesucht, für Guinea auch Internisten.

Vergütung / Honorar: Die Tätigkeit ist ehrenamtlich, die Organisation übernimmt Flug-, Unterbringungskosten und Versicherung.


Bewerbung: Kurzbewerbung an:
Peter Böttcher, Tel. (0 23 81) 88 08 32
E-Mail: boettcher@hammer-forum.de

humedica e.V.
Am Riederloh 6, 87660 Kaufbeuren
Internet: http://www.humedica.org

Bedarf: Der Bedarf an Ärzten in der momentanen Situation ist gedeckt. Die Organisation ist aber für Bewerbungen im Hinblick auf künftige Einsätze offen.

Vorkenntnisse: Voraussetzung sind gute Englisch-Kenntnisse, Flexibilität, psychische und physische Belastbarkeit, Einwilligung in Arbeit unter primitivsten und widrigsten Bedingungen, meist reine Hausarzt- oder Basismedizin. Auslandserfahrung ist wünschenswert, aber keine Bedingung.

Kurzeinsätze/Einsatzdauer: In der Regel nur Kurzeinsätze (zwei bis vier Wochen), meist in Katastrophen- oder Krisengebieten, aber auch mit Partnerorganisationen in Slums oder Gefängnissen.

Vergütung / Honorar: Kein Entgelt, Unkosten werden von der Organisation übernommen (bei langfristig geplanten Einsätzen sogar Eigenbeteiligung der Ärzte möglich)

Bewerbung: Jörg Eich
Tel.: (0 83 41) 96 61 48 30 oder
(0 83 41) 96 61 48 35
E-Mail: j.eich@humedica.org oder
Andrea Trautmann
E-Mail: a.trautmann@humedica.org

Komitee Cap Anamur / Deutsche Notärzte e.V.
Thebäerstr. 30, 50823 Köln
Internet: http://www.cap-anamur.org

Bedarf: Ja, auch für andere Projekte

Vorkenntnisse: Keine spezifischen Fachrichtungen; Auslandserfahrung ist gut, aber nicht unbedingt erforderlich. Erforderliche Impfungen werden jeweils abgesprochen.

Kurzeinsätze / Einsatzdauer: In akuten Situationen werden erfahrene Ärzte auch für Kurzeinsätze (mindestens zwei Monate) entsandt, normale Einsatzzeit: sechs Monate.

Vergütung / Honorar: Alle Mitarbeiter werden mit einem Einheitslohn von 1 100 Euro brutto monatlich vergütet, Kosten vor Ort werden von der Organisation getragen, inklusive der Unfallversicherung.

Bewerbung: Über die Homepage
(Fragebogen unter Mitarbeit)
Kontaktperson: Bernd Göken
Tel.: (2 21) 9 13 81 50
E-Mail: office@cap-anamur.org

Malteser Hilfsdienst e.V., Abteilung Auslandsdienst
Kalker Hauptstr. 22-24, 5113 Köln
Tel.: (02 21) 9 82 21 51
Internet: http://www.malteser-ald.de

Bewerbung:
E-Mail: renate.esser@malteser-ald.de
(Qualifikationen und Einsatzwünsche angeben)


Die ÄKN organisiert ihrerseits eine Gesprächsrunde Humanitäre Hilfe, an der bereits Aktive und an einem Engagement in der Humanitären Hilfe Interessierte teilnehmen. Niedersächsische Ärztinnen und Ärzte, die sich beteiligen möchten, wenden sich bitte an:
Raimund Dehmlow
Tel.: (05 11) 3 80 22 14
E-Mail: raimund.dehmlow@aekn.de

 

Verfasser:
Raimund Dehmlow
Online-Redaktion der Ärztekammer Niedersachsen
Berliner Allee 20, 30175 Hannover
raimund.dehmlow@aekn.de


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