Logo Hannoversche Ärzte-Verlags-Union
Berliner Allee 20
30175 Hannover
info@haeverlag.de

aktualisiert am: 27.04.17
 
 digitalis

project digitalis - pro & contra

Zankapfel elektronische Gesundheitskarte


 

Da kommt was auf uns zu - wenn sie kommt. Dass sie kommt, ist allerdings für viele ausgemacht, wenn sie auch, speziell von der Ärzteschaft und Datenschützern, heftig bekämpft wird. Sie - das ist die elektronische Gesundheitskarte (eGK), die nach dem Willen des Gesetzgebers ab kommendem Jahr als Gesundheitsausweis die 82 Millionen Bundesbürger aller Altersstufen im medizinischen Alltag begleiten soll. Ist er im Einsatz, steht für etwa 127.000 Arztpraxen, 20.000 Apotheken, den 2.200 Krankenhäusern und cirka 270 Krankenversicherungsunternehmen eine elektronische Infrastruktur zur Verfügung, die hierzulande ihresgleichen sucht. [mehr...]

mehr Pro- und Contra-Beiträge auf www.aekn.de
Zur Abstimmung ...


Verfasser/in:
Kai Burmeister
Geschäftsführer eHP Wolfsburg


Dr. med. Enno Giencke
Internist
Bad Zwischenahn

Rolf Heyde
Ehem. Pressesprecher der ÄKN




PRO     CONTRA


Hinweis zum Datenschutz: Es wird nur Ihr Votum übertragen. Ihre Abstimmung kann nicht zurückverfolgt werden. Nach der Abstimmung wird Ihnen angezeigt, welche Daten wir erhalten.


Pro

Kai Burmeister, Geschäftsführer eHP Wolfsburg: Neue Karte ist für viele Nutzer sinnvoll

Aus meiner Tätigkeit in verschiedenen Arztpraxen erinnere ich mich noch an die Fülle von unterschiedlichen Formularvordrucken, die unzählige Schubkästen einer Anmeldung füllen. Auch die Stapel von Befundberichten, Entlassungsbriefen und Patiententagebüchern die zum Teil in Schuhkartons von Patienten mitgebracht wurden und dann sortiert, kopiert und in überfüllte Karteischränke einsortiert werden mussten sind mir noch in böser Erinnerung. Das erfolgte jedoch häufig erst nach Aufforderung zum zweiten oder dritten Arztbesuch, so dass wichtige Informationen nicht zum Zeitpunkt des Erstkontaktes zur Verfügung standen.

Hier liegt nach meiner Auffassung der tatsächliche Nutzen der elektronischen Gesundheitskarte.
Der 110. Deutsche Ärztetag hat die Telematik im Gesundheitswesen als eine notwendige Maßnahme zur Verbesserung der Kommunikation zwischen den einzelnen am Behandlungsprozess Beteiligten begrüßt. Als Bestandteil der Telematik könnte die neue Karte für viele Nutzer einen sinnvollen Beitrag in der Optimierung von Behandlungsabläufen darstellen.

Der Deutsche Ärztetag hat jedoch klare Bedingungen an die Einführung der Gesundheitskarte gestellt. Dazu gehören unter anderem die Praktikabilität des Systems, die Datensicherheit und eine geklärte Finanzierung. Diesen Entschluss begrüße ich außerordentlich. Nur so kann sichergestellt werden, dass die Karte auch den zu erwartenden Nutzen stiftet und nicht zu einer Mehrbelastung in der Interaktion zwischen Patienten und ihren behandelnden Ärzten wird.

Um dieses Ziel zu erreichen werden in Wolfsburg Praxistests durchgeführt. So lässt sich feststellen, wo Prozesse tangiert werden und welcher Mehraufwand entsteht. Daher hat der Deutsche Ärztetag vorerst einen Abbruch der Modellprojekte ausgeschlossen. Mehr Praktikabilität zu fordern und zeitgleich die Praxistests abzulehnen wäre aus meiner Sicht auch widersprüchlich.

Neben der Vielzahl berechtigter Kritiken, gibt es jedoch auch einige Vorbehalte die unberechtigt sind. So ist zum Beispiel die Vorstellung einer Datenspeicherung auf einem zentralen Server überholt.

Vielmehr wird es je nach Datenart verschiedene noch festzulegende Speicherorte geben. Dabei liegen die medizinischen Daten eines Versicherten nicht im Einflussbereich der Krankenkassen und sind vor der Einsichtnahme durch diese gesetzlich geschützt. Das System wurde vom Bundesdatenschutzbeauftragten geprüft und als ausreichend sicher bewertet.

Zankapfel Elektronische Gesundheitskarte
- mehr Pro- und Contra-Beiträge auf www.aekn.de.

Contra

Dr. med. Enno Giencke, Internist, Bad Zwischenahn: Wehret den Anfängen!

Lange hat sich die deutsche Ärzteschaft für ein mustergültiges, gut funktionierendes Gesundheitswesen eingesetzt und sperrt sich auch jetzt nicht gegen den Fortschritt in der Telematik. Doch ist es zum fundamentalen Streit über deren Anwendung von Daten gekommen. Während Politik und lT-Industrie die eGK drängend durchsetzen wollen, sie herbeireden, haben Ärzte allergrößte Bedenken. Denn die Umsetzung des Gesetzesauftrages ist miserabel vorbereitet, schon 2 Jahre überfällig und blockiert Kräfte. Der Angriff auf Grundrechte der Patienten und Ärzte ist nicht mehr zu übersehen. Zu ihnen zählt vordringlich - wie es das SGB V verlangt - die "umfassende" Information über Datenfluss aus Praxis und Krankenhaus. Speicherung, Verarbeitung aller intimen Krankheitsdaten und Gefahren des Missbrauches. Unsere demokratische Staatsverfassung hat das Prinzip der Freiwilligkeit, d.h. bei Missfallen die Verweigerung, eingeräumt. Jeder kennt den 1. Satz Artikel 1 GG, aber der 2. Satz "Die Würde zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt" wird m.E. beim Versuch diese eGK einzuführen, mißachtet.
Das BMG mag die Testläufe nicht mehr abwarten. Sein Drängen werte ich als Nervosität und Unsicherheit, die die Akzeptanz durch die Teilnehmer gar nicht erst abwartet! Die sowieso nicht korrekt angelegten Testläufe werden zur Farce. Krankenkassen bringen eigenwillig ihre Karten heraus. Völlig unverständlich ist das Vorgehen der Betreibergesellschaft gematik. Sie duldet entgegen eines Bundestagsbeschlusses nur ein Modell, eben das vom BMG vorgelegte sehr teure und langsame, bereits veraltete und umständliche. Das benötigt einen Server, eine Art Speicher, der als riesige Gefahr für die Datensicherheit angesehen wird. Der Zugriff von Krankenkassen und Staat mag anfänglich eingeschränkt werden. Was aber passiert mit den unheimlich großen Datensammlungen in 5 oder 10 Jahren unter anderen finanziellen oder politischen Bedingungen, nach rasant wachsenden Erkenntnissen der Genforschung zu Erbanlagen? Datenschützer warnen: "Gespeichert bleibt gespeichert."

Auch macht mich skeptisch: Deutschland würde weltweit einzigartig seine gesamte Bevölkerung mit einer lebenslangen Krankenversicherten-Nummer, ICD-10 und der eCard erfassen.
Als Sprecher einer Patienteninitiative zur Wahrung des Berufsgeheimnisses warte ich auf die Entscheidung hoher Gerichte bis hin zum BVG.

Ich rufe alle meine Kolleginnen und Kollegen auf: Lassen Sie sich jetzt nicht irritieren durch sekundäre ökonomische und organisatorische Probleme, sondern bedenken Sie Grundsätzliches. Die Verantwortung haben Sie schon mit Beginn der Testläufe!
Bewahren Sie das Vertrauen Ihrer Patienten indem Sie informieren über Umfang und Vielfalt der Schwierigkeiten, die gravierenden Nachteile. Sensible Daten gehören allein in die Hände von Patient und Arzt! Drängen Sie auf die Erfüllung aller Vorbedingungen der Deutschen Ärztetage und freier Ärzteverbände.
Warten Sie protestierend die Entwicklung von Alternativen zu d i e s e r eGK und die Urteile zur Rechtssicherheit ab.

Zankapfel Elektronische Gesundheitskarte
- mehr Pro- und Contra-Beiträge auf www.aekn.de.


PRO     CONTRA


Hinweis zum Datenschutz: Es wird nur Ihr Votum übertragen. Ihre Abstimmung kann nicht zurückverfolgt werden. Nach der Abstimmung wird Ihnen angezeigt, welche Daten wir erhalten.

Alle Inhalte © Hannoversche Ärzte-Verlags-Union 1998-2017. Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am: 27.04.17.
Design by webmaster[at]haeverlag[punkt]de, Support. | Impressum & Datenschutzerklärung