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08/2002 |
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"Ja zum Industrieengagement - wenn es transparent ist"Die Berufsordnung (BO) der ÄKN zum Thema: Fortbildung ist knapp formuliert, unpräzise und unverbindlich. Zitat: "Der Arzt ist verpflichtet, sich in dem Umfange beruflich fortzubilden, wie es zur Erhaltung und Entwicklung der zu seiner Berufsausübung erforderlichen Fachkenntnisse notwendig ist." Absatz 2 weist auf eine Nachweispflicht hin. Zur Frage der Organisation, Durchführung, Finanzierung und Angemessenheit des Sponsoring finden sich ebenso nur appellative, dehnbare Formulierungen. Zitat: "Die Annahme von ... Vorteilen für den Besuch von Informationsveranstaltungen der Hersteller ist untersagt, sofern der Wert nicht geringfügig ist." Oder: "Werden Art, Inhalt und Präsentation von Fortbildungsveranstaltungen allein von einem ärztlichen Veranstalter bestimmt, so ist die Annahme von Beiträgen Dritter für Veranstaltungskosten in angemessenem Umfang erlaubt."Ein für mich eindeutiges Fazit aus der Diskrepanz zwischen realer Fortbildungswelt und den Auszügen aus der BO lautet: Wir benötigen eine in allen Aspekten präzisierte Rahmenordnung für die ärztliche Fortbildung an der Mediziner, Juristen, Ethiker gleichermaßen beteiligt werden sollten. Frage: Wie könnte in diesem Regelwerk das Verhältnis von Ärzteschaft und Industrie definiert und gestaltet werden? Antwort: Unter Beachtung und Einbeziehung von (mindestens) vier Prinzipien: Verhältnismäßigkeit, Transparenz, Neutralität, Deregulierung. Wenn die Ärzteschaft gegenüber den Einflüssen der Pharmaindustrie Unwohlsein, ja Ablehnung gespürt und geäußert hat, so ist dieses Empfinden wohl am ehesten eine Reaktion auf Mißbrauch von Fortbildung als vergnügliches Marketinginstrument. Einladungen zu Formel-1-Rennen oder zum Fußball-WM-Finale sind ein beredtes Zeugnis für ein Ungleichgewicht von ärztlicher Fortbildung und Amüsement. Diese manipulatorischen Einwirkungen auf das ärztliche Verordnungsverhalten müssen radikal zurückgestutzt werden, das Verhältnis von wissenschaftlichen Fortbildungsinhalten und Entspannung benötigt Ausgewogenheit. Die Vernetzung von Ärzteschaft und Industrie ist ausgeprägt, vielfach aber auch undurchschaubar. Sie beginnt bei der Forschung und Entwicklung neuer Produkte, reicht über die Durchführung von Studien und Anwendungsbeobachtungen und endet bei der Formulierung von Leitlinien, Standards und Behandlungsempfehlungen. Über 90 Prozent der klinischen Studien und der wissenschaftlichen Forschung werden direkt oder indirekt durch die Pharmaindustrie finanziert; wissenschaftliche Fachgesellschaften oder Berufsverbände sowie Interessengemeinschaften (Lipidliga, Hochdruckliga etc.) benötigen zur Finanzierung ihrer vielfältigen Tätigkeiten Unterstützung aus der Industrie. Diese Verbindungen und Abhängigkeiten sind dann als notwendiges Übel hinzunehmen, wenn sie in der ausreichenden Weise transparent gemacht werden. Vielleicht schwebt diesem oder jenem Leser als Lösungsidee zur Abschaffung industriegesponserter Fortbildung eine staatliche Regulierungsbehörde vor. Diese könnte die Finanzierung aus Mitgliedsbeiträgen, Gebühren und Steuermitteln industrieunabhängig sicherstellen, Fortbildungsangebote flächendeckend organisieren, Fortbildungsinhalte strukturieren und die Nachweispflicht garantieren. Ich meine aber, in der Ärzteschaft eine "gesunde" Ablehnung gegenüber einer Bürokratisierung und Regulierung von Fortbildung sowie staatlichen Kontrollmechanismen wie Ärzte-TÜV zu erkennen. Dem kann ich mich uneingeschränkt anschließen und appelliere dafür, ärztliche Fortbildung durch Ärzte zu gestalten und sicherzustellen. Diese Fortbildungskonzepte sollten selbstverständlich wissenschaftlich, produktneutral, evidenz-basiert und ausgewogen praxisnahe gestaltet werden. Eine offensichtlich produktbezogene Werbeveranstaltung hat in einer neuen Fortbildungsordnung keinen Platz mehr, es sind Referenten und Veranstalter gefragt, die couragiert und analytisch wichtige studienbegründete Daten vermitteln können. Unter der Voraussetzung, daß die vorgestellten vier Prinzipien in Fortbildungsmodalitäten und -management Eingang finden, halte ich Firmensponsoring für akzeptabel, ja sogar notwendig, denn die Verpflichtungen des Arztes, den anvertrauten Patienten den aktuellen Stand des Wissens zukommen zu lassen, sehe ich als bedeutsamer an, als das damit verbundene Risiko, externen Sponsoren die Tür zu Klinik und Praxis zu öffnen. |
"Pharma-Marketing größte Bedrohung der ärztlichen Fortbildung"Pharma-Marketing zielt legitim auf den höchst möglichen Verkauf seiner Produkte. Ärztliche Fortbildung wird dabei als Plattform genutzt, um das Produkt durch flächendeckende Besetzung der Themen und Inhalte der innerärztlichen Kommunikation mit erwünschten Informationen zu profilieren. Dabei spielt Desinformation, also gezielte Unterdrückung, Diffamierung und Verfälschung kritischer "kontraproduktiver" Informationen eine große Rolle. Dieses Geschäft delegiert das Pharma-Marketing meist an "habilitierte Pharmareferenten", also an honorierte Meinungsbildner, die die Werbebotschaften arztnah plazieren und konkurrierende negative Informationen mit Verweis auf ihren Expertenstatus diskreditieren. |
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