Logo Hannoversche Ärzte-Verlags-Union
Berliner Allee 20
30175 Hannover
info@haeverlag.de
 
nä-Schnellsuche:


Erweiterte Suche

Leserbrief
Ausgabe 12/2009
 
nä 01/2009
aktualisiert am: 07.01.2010

Prävention psychischer Störung 

  klinik und praxis

köln hat pep

Das Präventionsprogramm für Expansives Problemverhalten (PEP) ist ein paralleles Angebot für Eltern und Erzieher


 

Oppositionelle und hyperkinetische Verhaltensauffälligkeiten sind im Kleinkindalter weit verbreitet. Jedes zehnte Kindergartenkind ist unruhig, kann sich nur schlecht konzentrieren, und ein beträchtlicher Teil der Kinder verhält sich aggressiv. Bei mehr als zwei Drittel der Kinder, die mit drei Jahren expansiv auffällig sind, wächst sich dieses sogenannte "expansive Verhalten" keineswegs aus. Es zeigt sich auch noch im Alter von sechs und neun Jahren. Daraus lassen sich Hinwiese auf möglichst frühzeitige und effektive Interventionen insbesondere mit Blick auf das Erziehungsverhalten ableiten.

Eine Möglichkeit der effektiven Intervention ist ein Programm, das von Eltern und Erziehern parallel angewandt werden kann: Es trägt den Namen Präventionsprogramm für Expansives Problemverhalten, kurz PEP. Entwickelt und erprobt wurde es an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters der Uniklinik Köln. PEP schließt als indiziertes Präventionsprogramm die Lücke zwischen Selbsthilfe und Therapie.

Es wendet sich an Eltern und Erzieher von Kindern im Vorschulalter mit expansivem Verhalten mit beziehungsweise ohne Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndrom-Diagnose (ADHS). In parallel aufgebauten Gruppen nehmen beide - Eltern und Erzieher - an jeweils zehn zweistündigen Sitzungen teil. Ziel ist es, die positive Beziehung zum schwierigen Kind zu stärken und spontane, negative Interaktionen durch planvolles, konstruktives Interagieren zu ersetzen. Mithilfe von klaren Regeln und eindeutigen Aufforderungen, kombiniert mit positiven und negativen Konsequenzen, helfen Eltern und Erzieher den betroffenen Kindern, schwierige Situationen besser zu bewältigen. Gemeinsam werden konkrete Probleme mit dem Kind in der Gruppe besprochen und individuelle Lösungsmöglichkeiten erarbeitet.

Die Wirksamkeit von PEP wurde in einer kontrollierten Studie an Risikokindern in städtischen Tageseinrichtungen in Köln mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) evaluiert. Der Vergleich der Kinder aus der Interventions- und Kontrollgruppe vor und nach der circa dreimonatigen Trainingsphase zeigte positive Effekte auf das expansive kindliche Verhalten Die Eltern beurteilten die Effekte, sowohl gemessen an der Child-Behavior-Checklist als auch dem Fremdbeurteilungsbogen ADHS.

Im nächsten Schritt erfolgte die Verbreitung des Elternprogramms über sozialpädiatrische Zentren sowie Erziehungsberatungsstellen in Nordrhein-Westfalen. Das Programm für Erzieher wurde in allen Kölner Kindertagesstätten als Fortbildungsmöglichkeit angeboten. In zwei Studien wurde der Verlauf der Verhaltensbeurteilungen sowohl der Eltern als auch der Erzieher unmittelbar vor Beginn des Trainings mit der Veränderung während des Trainings verglichen. Das Urteil der Betreuungspersonen zeigte beides Mal signifikante Effekte hinsichtlich expansiver Verhaltensweisen der Kinder. Für beide Teilprogramme konnte zudem die langfristige Stabilität der kindlichen Verhaltensänderung über zwölf Monate nachgewiesen werden.

Verfasser/in:
Prof. Dr. med., Dipl Manfred Döpfner
Leitender Psychologe an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und
Robert-Koch-Straße 10, 50931 Köln
manfred.doepfner@uk-koeln.de


inhalt 01/ 10
service
anzeigenaufgabe
leserbrief
umfragen
archiv
 



Literaturverzeichnis:

1| Plück, J., Wieczorrek, E., Wolff Metternich, T. & Döpfner, M. (2006). Präventionsprogramm für Expansives Problemverhalten (PEP). Ein Manual für Eltern- und Erziehergruppen. Göttingen: Hogrefe.
2| Hanisch, C., Plück, J., Meyer, N., Brix, G., Freund-Braier, I., Hautmann, C. & Döpfner, M. (2006). Kurzzeiteffekte des indizierten Präventionsprogramms für Expansives Problemverhalten (PEP) auf das elterliche Erziehungsverhalten und auf das kindliche Problemverhalten Zeitschrift für Klinische Psychologie und Psychotherapie, 35(2), 117-126.
3| Hautmann, C., Hanisch, C., Mayer, I., Plück, J. & Döpfner, M. (2008). Effectiveness of the prevention program for externalizing problem behaviour (PEP) in children with symptoms of attention-deficit/hyperactivity disorder and oppositional defiant disorder--generalization to the real world. Journal of Neural Transmission, 115(2), 363-370.
4| Plück, J., Hautmann, C., Brix, G., Freund-Braier, I., Hahlweg, K. & Döpfner, M. (2008). Screening von Expansivem Problemverhalten bei Kindern im Kindergartenalter für Eltern und Erzieherinnen (PEP-Screen). Diagnostica, 54, 138-149.

Alle Inhalte © Hannoversche Ärzte-Verlags-Union 1998-2009. Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am: 07.01.2010.
Design by Tim Schmitz-Reinthal, Support. | Impressum & Datenschutzerklärung