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Leserbrief
Ausgabe 12/2009
 
nä 01/2009
aktualisiert am: 07.01.2010

Arzneimittelvereinbarung 

  arzneimittel

schlechter stil

Fadenscheinige Kritik an Arzneimittelrahmenvorgaben 2010 der KBV durch Pharmaverbände


 

Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) und der Verband der forschenden Pharmaunternehmen (vfa) haben Ende vergangenen Jahres der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung vorgeworfen, sie würden mit den von ihnen ausgehandelten Höchstquoten bei Arzneimittelverordnungen in den Rahmenvereinbarungen für Arznei- und Heilmittel für das Jahr 2010 die Therapiefreiheit der Ärzte gefährden.

Der BPI kritisierte in seinem Schreiben auch, dass Vertragsärzten, die wegen eines regionalen höheren Versorgungsbedarfs vereinbarte Quoten nicht einhalten, ein Regress drohe. Außerdem würde die Arzneimittelvereinbarung die Rationierung fördern, so der Verband.

KBV-Vorstand Dr. Carl-Heinz Müller hat zu den Schreiben beider Verbände eine klare Position bezogen: "Die Vereinbarung von Quoten bei der Verordnung bestimmter Arzneimittel ist keine neue Erfindung. Die KBV und die Krankenkassen arbeiten schon seit Jahren mit Quoten, um die Arzneimittelausgaben zu steuern. Der Vorwurf der Verbände, diese Regelung negiere die tatsächliche Versorgungssituation, ist absurd. Es sei auch nicht richtig, dass eine Rationierung der Versorgung drohe. Tatsächlich wurde das reale Verordnungsverhalten der Ärzte aufgegriffen. Die nun getroffene Vereinbarung schützt die niedergelassenen Ärzte vor Regressen und versetzt sie in die Lage, eine Wirtschaftlichkeitsprüfung aktiv zu vermeiden. Damit setzt sie positive Anreize."

Selbstverständlich behält der Arzt die Therapiehoheit. Die getroffene Vereinbarung gewährt den verschreibenden Ärzten genügend Spielraum für eine patientenorientierte und indikationsgerechte Arzneimittelverordnung. Der BPI erweckt außerdem den Eindruck, es gebe keine Möglichkeiten mehr für regionale Anpassungen. Auch das ist nicht richtig. Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) wird sich für das Jahr 2010 an den Rahmenvorgaben orientieren, aber keine Mindest- und Höchstquoten für verschiedene Arzneimittelgruppen vereinbaren. Das Regionalpaket Niedersachsen sieht eine derartige Regelegung nicht vor.

Trotzdem kritisierte KVN-Vorstandsvorsitzender Eberhard Gramsch das Vorgehen der Pharmaindustrie. "Die Ausführungen der beiden Pharmaverbände sind ein durchsichtiger Versuch, die niedergelassenen Ärzte für Industrieinteressen zu instrumentalisieren", kommentierte Gramsch den Vorgang. "Die Aufforderung an die Kassenärztlichen Vereinigungen, die neue Vereinbarung nicht umzusetzen, ist eine Anmaßung. Das ist ganz schlechter Stil!"

Verfasser/in:
Detlef Haffke
Pressesprecher der KVN
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