In ihrem Bestreben, die drohenden Lücken in der hausärztlichen Versorgung zu schließen, geht die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen jetzt neue Wege. Erstmals bietet sie jungen Nachwuchsärzten in Niedersachsen eine Verbundweiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin an. Strategischer Partner dabei ist die Rhön-Klinikkette, die an neun Standorten in Niedersachsen Krankenhäuser unterhält. Jedes davon wird künftig zwei bis drei Stellen für Weiterbildungsassistenten in der Allgemeinmedizin zur Verfügung stellen. Der Vorteil für die angehenden Allgemeinmediziner: Ihre Weiterbildung ist lückenlos organisiert und von vornherein auf eine Region begrenzt.
Die Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin erfordert im Gegensatz zur Weiterbildung in anderen Gebieten einen Pflichtweiterbildungsabschnitt in der ambulanten Versorgung. Während z.B. der Chirurg seine gesamte Weiterbildung im stationären Bereich und - sofern eine entsprechende Weiterbildungsermächtigung vorliegt - im selben Krankenhaus absolvieren kann, muss der angehende Allgemeinmediziner zwingend seinen Arbeitgeber und den Versorgungssektor wechseln. Das Interesse von Kliniken, Allgemeinmediziner weiterzubilden, war bislang nicht so stark ausgeprägt, da der weitergebildete Allgemeinmediziner als Nachwuchs für die Klinik verloren geht. Hier setzen die Kliniken regelmäßig darauf, den für den Klinikalltag notwendigen Nachwuchs in den jeweiligen Fachgebieten weiter zu bilden.
Weiterbildung im Verbund
Auf regionaler Ebene schließen sich Kliniken und niedergelassene Ärzte zu einem Weiterbildungsverbund zusammen. Die Koordination des Verbundes kann dabei durch einen der beteiligten Partner oder die Kassenärztliche Vereinigung erfolgen.
Durch den Verbund wird dem angehenden Allgemeinmediziner eine strukturierte Weiterbildung in allen notwendigen Weiterbildungsabschnitten angeboten. Die Suche nach Anschlussweiterbildungsstellen entfällt. Dies gibt sowohl den angehenden Allgemeinmedizinern als auch den weiterbildenden Einrichtungen Planungssicherheit. Die Arbeitsverträge einschIießlich der Vergütung sind im Verbund abgestimmt. Der konkrete Vertragsabschluss erfolgt zwischen Weiterbildungsassistent und den jeweils weiterbildenden Einrichtungen. Zusätzlich wird durch die vernetzte Weiterbildung die Kooperation der Versorgungssektoren gestärkt. Die angehenden Allgemeinmediziner werden in der Weiterbildungsregion verankert.
Die KVN hat im Rahmen der Weiterbildungsförderung Allgemeinmedizin ein eigenes Förderprogramm für die Verbundweiterbildung aufgelegt. Ziel der KVN ist es, regionale Verbünde zu initiieren. Die KVN koordiniert die Verbundweiterbildung mit kooperierenden Kliniken und niedergelassen Ärzten in der Region. Die Förderungssummen sollen in nächster Zeit deutlich aufgestockt werden.
Vorteile für alle Seiten
Die Einbeziehung der Rhön-Kliniken in dieses Verbundkonzept bietet allen Beteiligten Vorteile. So können die KVN und die Rhön AG in einem Zuge etwa 20 gesicherte Weiterbildungsstellen anbieten. Eberhard Gramsch, Vorstandsvorsitzender der KVN: "Durch die Einrichtung und kontinuierliche Nachbesetzung dieser Stellen erhalten wir eine gesicherte Ausbildungsplattform für die so dringend benötigten Hausärzte."
Der nicht ganz uneigennützige Hintergedanke dabei: Wenn die Weiterbildungsabschnitte von vornherein strukturiert und lückenlos in einer Region konzentriert werden, gibt es eine gute Chance, dass der junge Nachwuchsarzt in dieser Region heimisch wird. Nochmals Gramsch: "Nach fünf Jahren hat der neue Kollege nicht nur seine medizinische Weiterbildung abgeschlossen. Er ist im besten Fall auch in den Kreis seiner Kollegen hineingewachsen, kennt sich mit den medizinischen Verhältnissen vor Ort aus, hat vielleicht schon seinen Platz gefunden im Gefüge der niedergelassenen Kollegen. Dann fällt der Schritt, sich in einer eigenen Praxis niederzulassen, leichter, zumal die Zulassungsmöglichkeiten besser sind denn je."
In die gleiche Richtung gehen auch die Gedanken der Verantwortlichen bei der Rhön-Klinikkette. Auch die Kliniken leiden unter Nachwuchsmangel und würden Ärzte am liebsten für den eigenen Bedarf ausbilden. "Aber durch die Einrichtung von Weiterbildungsstellen gelingt es uns doch, den Arzt zumindest für drei Jahre an eines unserer Häuser zu binden", meint Dr. Eva-Maria Hehl, Koordinatorin für Ärztliche Weiterbildung bei den Rhön-Kliniken. Natürlich hoffen die Rhön-Kliniken darauf, den künftigen Allgemeinmediziner an "seine" ehemalige Klinik zu binden, wenn er sich in deren Umgebung niederlässt. Dort kennt er die Strukturen, hat seine vertrauten Ansprechpartner - das sind handfeste Vorteile bei der Zusammenarbeit in der Patientenversorgung.
Dafür wird Rhön den jungen Kolleginnen und Kollegen Einiges bieten. So können sie in ihrer Weiterbildungszeit auch in andere Häuser wechseln, um ev. in Fachabteilungen zu arbeiten, die an ihrem Hauptstandort nicht verfügbar sind. "Und wir runden die Ausbildung durch ein breitgefächertes Fortbildungsangebot ab", betont Dr. Hehl. Bis zu 12 Monate könnten sich die künftigen Allgemeinmediziner in verschiedenen Wahlfächern weiterbilden. Und insbesondere Weiterbildungsassistentinnen dürften von familienfreundlichen Arbeitszeiten und Möglichkeit zur Teilzeittätigkeit profitieren.
Die Verbundweiterbildung der KVN mit den Rhön-Kliniken bietet angehenden Allgemeinmedizinerinnen und -medizinern in Niedersachsen die besten Voraussetzungen, durch eine Weiterbildung "aus einem Guss" sich in kürzestmöglicher Zeit auf eine erfolgreiche Niederlassung als Allgemeinmediziner vorzubereiten. Beide Vertragspartner hoffen darauf, niederlassungswillige junge Ärztinnen und Ärzte dadurch langfristig in ihrer Weiterbildungsregion in Niedersachsen halten zu können.
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Verfasser/in:
KVN
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Standorte der Verbundweiterbildung mit den Rhön-Kliniken: Cuxhaven Gifhorn Herzberg Hildesheim Nienburg Nordenham Salzgitter Uelzen/ Wittingen
Bereits im Jahr 2008 hatten die KBV und die RHÖN-KLINIKUM AG ein Rahmenabkommen erarbeitet. Auf deren Basis wurden nun Vereinbarungen mit den beiden KVen geschlossen, die gewährleisten, dass junge Mediziner neben den stationären Inhalten der Weiterbildung die ambulanten Abschnitte in geeigneten Hausarztpraxen absolvieren können. "Die Rahmenvereinbarung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und der Rhön-Klinikum AG trägt Früchte. Ich freue mich, dass wir gemeinsam konkrete Maßnahmen auf den Weg bringen konnten, um jungen Ärzten in der Allgemeinmedizin attraktive Perspektiven zu bieten. Krankenhäuser und Praxen ziehen damit an einem Strang, um die hausärztliche Versorgung in Zukunft sicherzustellen" , begrüßt Dr. Carl-Heinz Müller, Vorstand der KBV, die neue Ausbildungsinitiative beider Organisationen.
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