Helfen durch Stiften ist das Motto der jüngst gegründeten Ricarda und Udo Niedergerke Stiftung. Das Arztehepaar aus Hannover unterstützt Patienten in Not. Das sind in erster Linie in Not Geratene, Gestrandete und Obdachlose, also Menschen, die durch unser soziales Netz gefallen sind, keine Krankenversicherung haben und medizinischer Hilfe bedürfen. Ihnen einen Zugang zu ärztlichen Leistungen zu ermöglichen ist vordringliches Ziel der Niedergerkes. Die Stiftung wird von der Bürgerstiftung Hannover treuhänderisch verwaltet, verfolgt gemeinnützige Zwecke und ist selbstlos tätig.
Allein in Hannover soll es 2 500 wohnungslose Menschen geben, 300 bis 400 von ihnen leben Tag und Nacht auf der Straße. Auch bei den Versicherten übernehmen die Krankenkassen nicht immer die Behandlungskosten vollständig, sodass in Armut geratene Patientinnen und Patienten immer öfter auf einen notwendigen Arztbesuch und eine Behandlung verzichten müssen, um nicht den eigenen Schuldenberg zu vergrößern.
Hier wollen Udo und Ricarda Niedergerke mit ihrer Stiftung für Hilfe sorgen. Es geht uns in Hannover ganz konkret darum, denjenigen Personen einen Zugang zu ärztlichen Leistungen zu ermöglichen, die durch das soziale Netz gefallen sind, umreißt Dr. med. Udo Niedergerke, Facharzt für innere Medizin, seine Absichten. Gemeinsam mit seiner Ehefrau, Dr. med. Ricarda Niedergerke, Fachärztin für Frauenheilkunde, möchte er bestehende hannoversche Projekte unterstützen und durch gezielte Maßnahmen vorantreiben.
Ein konkretes Beispiel: Kürzlich durften die Niedergerkes die Prämie eines Sportturniers in Empfang nehmen, die sie an den Caritas-Verband weitergeleitet haben, um Mittel- und Wohnungslosen Fahrten zum Facharzt oder in die Klinik zu ermöglichen. Bislang mussten diese Patientinnen und Patienten teilweise Haftstrafen für Schwarzfahren absitzen, denn Geld für ein Ticket besitzen sie in aller Regel nicht.
Konkret sieht eine Hilfskette so aus, dass die Wohlfahrtsverbände, die vor Ort die Notsituation erkennen, ihren Hilferuf an die Bürgerstiftung Hannover weiterleiten, die die Ricarda und Udo Niedergerke Stiftung und 25 weitere Stiftungen betreut. Sie prüft, ob Stiftungsanfrage und Stiftungszweck zusammenpassen, ob ausreichend Stiftungsmittel vorhanden sind oder gegebenenfalls Erträge gebündelt oder zusätzlich Spenden mit eingebracht werden können. Ein Fachbeirat, der ehrenamtlich tätig ist, bestehend u. a. aus einem Vertreter der Krankenkasse, des öffentlichen Gesundheitswesens, der Ärztekammer, der Bürgerstiftung, und den Stiftern selbst führen eine inhaltliche Prüfung der Anfragen durch und suchen ggf. weitere Unterstützer. Auf diese Weise ist gesichert, dass nur seriöse Anfragen positiv beschieden werden und die Verwaltungskosten niedrig gehalten werden können. Oberbürgermeister Stephan Weil konnte als Schirmherr der Stiftung gewonnen werden.
Leider sind unsere finanziellen Mittel begrenzt, sodass wir uns auf Hilfe vor Ort, d. h. auf Hannover und die Region Hannover beschränken müssen, so das Stifterehepaar. Damit ein wirklich effektives Hilfsnetzwerk aufgebaut werden kann, brauchen wir jedoch weitere Stifter oder Spender. Auch mit kleinen Beträgen kann bereits wirksam geholfen werden. Jetzt hofften beide auf Förderer und auf Nachahmer in anderen Gebieten Niedersachsens. - kvn
Wir wünschen uns viele Nachahmer und Spender und stehen selbstverständlich auch für Fragen zur Verfügung. Wir würden uns freuen, demnächst über ein positives Echo berichten zu können.
Potentielle Förderer wenden sich bitte an: Ricarda und Udo Niedergerke Stiftung c/o Bürgerstiftung Hannover Lützerodestr. 9, 30161 Hannover Tel.: (05 11) 3 48 36 60 E-Mail: niedergerke-hannover@t-online.de http://www.niedergerke-stiftung.de
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Verfasser/in:
KVN
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"Auch kleine Beträge können viel bewirken"
nä: Herr Dr. Niedergerke, wie sind Sie auf den Gedanken gekommen, diese Stiftung ins Leben zu rufen? Niedergerke: Letztlich ist es das Resultat meiner 30jährigen Tätigkeit als Arzt in Hannover. Misburg ist zwar kein sozialer Brennpunkt. Aber meine Frau und ich haben immmmer wieder festgestellt, dass bestimmte Patienten nicht ausreichend versichert sind. Das beginnt schon bei der Praxisgebühr, die manche nicht bezahlen können und die wir dann aus eigener Tasche erlegt haben. Als Arzt ist man ja irgendwie auch Sozialarbeiter und Partner der Patienten.
nä: Es gibt schon 25 Stiftungen in Hannover, die sich um Bürgerbelange kümmern. Lohnt es sich da überhaupt noch, eine weitere Stiftung zu gründen? Niedergerke: Diese Stiftungen in Hannover haben ganz unterschiedliche Zielsetzungen. Wir haben uns aber gerne der Bürgerstiftung angeschlossen, weil wir von derem Know-How profitieren können. Die Bürgerstiftung nimmt uns die organisatorische und juristische Arbeit ab. Das hat zudem den Vorteil, dass die Stiftung bei Überschneidung von Zwecken die Erträge für bestimmte Projekte bündeln kann. Daher kommen auch mit kleineren Stiftungen Erträge zusammen, mit denen wirksam geholfen werden kann.
nä: Sie hoffen auch auf Nachahmer. Welche Empfehlungen würden Sie denen nach Ihren Erfahrungen geben? Niedergerke: Meine wichtigste Empfehlung ist: Gehen Sie unter das Dach der Bürgerstiftung! Die gibt es mittlerweile in über hundert Städten. Es hat große Vorteile, wenn man die eigene Stiftung treuhänderisch verwalten lässt. Und ich möchte nochmals betonen: Es gibt keine Mindestsumme für eine Stiftung. Man kann auch mit kleinen Summen sinnvolle Stiftungen ins Leben rufen. Und es gibt eine Alternative: Man kann Zustifter werden. Das heißt: Man kann einen Betrag an eine Stiftung mit dem Vermerk "Zustiftung" überweisen. Dann wird diese Summe dem Stiftungsvermögen zugeschlagen und bringt dauerhaft Erträge für den Stiftungszweck. Spenden dagegen gehen unmittelbar in laufende Projekte ein.
nä: Aber gibt man durch solche Regelungen nicht den Zugriff auf die eigene Stiftung aus der Hand? Keineswegs. Sie erhalten die Freiheit, sich um die eigentlichen Belange der Stiftung zu kümmen, nämlich die Erweiterung der Kontakte und die Aquirierung neuer Mittel. Natürlich habe ich auch Einfluss darauf, wie das Geld verwendet wird. In unserem Fall haben wir einen Fachberaterkreis gegründet, der über Förderanträge von Seiten der Wohlfahrtsverbände entscheidet. Im Zeitalter von Telefon und E-Mail lässt sich eine Entscheidung in wenigen Stunden herbeiführen. Aber bei kleineren Fördersummen kann ich als Stifter auch allein entscheiden.
nä: Herr Dr. Niedergerke, vielen Dank für das Gespräch.
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